Gina Merkl ist begeistert von Politikund Wahlkampf. tb-foto

Vorsitzende der Jugend will in den Bezirkstag

Grünen-Chefin ist Frau der klaren Worte

Sie ist eine Frau klarer Worte: Mit ihrer direkten Art hat es Gina Merkl aus Tegernbach nicht nur zur Sprecherin der Grünen Jugend gebracht, sondern auch zur Bezirkstagskandidatin.

Mittelstetten – Muss man als idealistische junge Frau in Mittelstetten verzweifeln? Kann man in so einem „tiefschwarzen Kaff“ wütend werden, wenn man einen „extrem starken Veränderungswillen“ hat? Mit solchen Worten hatte Gina Merkl aufhorchen lassen, als sie sich bei den Grünen – mit Erfolg – für eine Bezirkstagskandidatur im östlichen Landkreis bewarb. Übel scheint man ihr derartige Beschreibungen in ihrem Heimatort nicht genommen zu haben. Im Ortsteil Tegernbach, wo sie zuhause ist, wird sie immer noch gegrüßt, die meisten sollen die Sache mit dem tiefschwarzen Kaff sogar „ganz lustig“ gefunden haben, erzählt sie. Auch im Gespräch mit dem Tagblatt pflegt die 19-Jährige die deutliche Aussprache. „Mich nerven die Umstände, nicht die Leute. Dass der Horizont nicht über dieses Dorf hinausgeht.“

Für eine städtisch geprägte Partei, deren ländliche Vertreter eher gestandene Biobauern sind als eine feministische Veganerin, ist die Vorsitzende der Grünen Jugend eine Ausnahmeerscheinung. Aber die Viscardi-Gymnasiastin hat auch einen Großteil ihrer Jugend in Bruck verbracht, war mit dem Bus am Pucher Meer und lieber auf einem Stadtfest in München als auf einem Feuerwehr-Fest in Tegernbach. „Vielleicht bin ich zu wenig integriert“, sagt sie, sieht sich freilich auch „politisch wie ein Gegenpol“ zur herrschenden Meinung. „Bei Stammtischparolen wird mir bewusst, wie viel Konservativismus kaputt machen kann. Es werden immer einfache Lösungen gesucht, aber Lösungen sind nicht einfach.“ Ihren Mitbürger in Tegernbach, CSU-Bürgermeister Andreas Spörl, nimmt sie allerdings ein wenig von ihrer Generalkritik aus. „Der Andi“ sei immerhin ein Lichtblick und bringe einiges voran.

Die junge Frau Merkl, die ihrer großen Fast-Namensvetterin vorwirft, sich nicht als Feministin bekannt zu haben, fordert mehr junge Menschen in der Politik, denn die hätten noch den Idealismus, den man im Alter leider ablege. In ihrem Freundeskreis trifft sie mit diesem Engagement nicht immer auf Verständnis. Sie rede nur noch von Politik, heißt es, und dass sie unverständlicherweise freiwillig auf Veranstaltungen mit alten Leuten gehe.

Den jüngsten Wahlkampf in Bruck mit einem auch schon etwas älteren Parteifreund fand sie allerdings spannend. Es sei schon ein Erlebnis, neben einem Profi wie Martin Runge am Info-Stand zu stehen und über Flächenversiegelung mit den Leuten zu diskutieren.

Nach dem Abitur will sie Politikwissenschaft und im Nebenfach Philosophie studieren, was ihr noch Zeit lassen würde für ein Bezirktagsmandat. Als offizielle Kandidatin der Grünen Jugend Oberbayern hat sie auch Chancen auf einen aussichtsreichen Listenplatz. Und irgendwann Berufspolitikerin? „Ich fänd’s cool“, sagt sie. Nur planen lasse sich sowas halt kaum. Aber bis dahin ist eh noch Zeit. Um das „teenagermäßig Rebellische“, das sie selbst an sich diagnostiziert, abzulegen. Oder für die alten Mittelstettener, sich daran zu gewöhnen. (Olf Paschen)

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