Im Ortsteil Vogach

Häuser am Rand einer Splittersiedlung werden erlaubt

Ein Gemeinderatsmitglied der Wählergruppe Bürgernah/Unabhängig (BU) soll bei zwei Bauvorhaben im Ortsteil Vogach nicht unnötig eingeschränkt werden. 

Mittelstetten – Der Mittelstettener Gemeinderat überstimmte jetzt seinen eigenen Bauausschuss und will bei der nächsten Sitzung noch einmal über eine neue Außenbereichssatzung für die Häuser am Südende der St.-Johannes-Straße befinden. Nach der derzeitigen Regelung wäre nur Ersatz für ein altersschwaches Gebäude möglich.

Für sogenannte Splittersiedlungen wie im Vogacher Süden gelten besondere baurechtliche Regeln, um die Zersiedelung der Landschaft zu verhindern. In einem solchen Außenbereich können im Normalfall nur Alt- durch zeitgemäße Neubauten ersetzt werden. Es sei denn, die Gemeinde schafft mittels einer Satzung eng beschränktes Baurecht, damit beispielsweise Kinder der Eigentümer vor Ort wohnen bleiben können. Ob die dann tatsächlich einziehen, wird nicht geprüft.

So kam nach langer Diskussion 2015 auch der Mittelstettener Gemeinderat einem der fünf dortigen Grundbesitzer entgegen und erlaubte eine zusätzliche Fläche für ein Wohnhaus. Der direkte Nachbar und jetzt ebenfalls bauwillige BU-Gemeinderat Fritz Kiser erhob damals wegen der drohenden Verschattung Einspruch.

Nur drei Jahre später haben sich die Verhältnisse geändert. Auf dem Grundstück mit etwas Baurecht sollen jetzt zwei Häuser entstehen, der ursprünglich verschattete Nachbar plant nun ebenfalls für seine Kinder zwei Neubauten. Der vorberatende Bauausschuss sprach sich nach zweistündiger Debatte für eine neue Außenbereichssatzung aus, die fast alle Wünsche erfüllen würde. Nur auf dem Gemeinderats-Grundstück würde es nach dem Willen des Ausschusses etwas eng, weil Abstandsflächen einzuhalten sind und – direkt vor der freien Landschaft – eine Eingrünung erforderlich ist. Außerdem müsse der Sportweg als Erschließungsstraße verbreitert und ein Entwässerungskanal verlegt werden.

Im Gemeinderat wurde jetzt aber eine großzügigere Lösung diskutiert. Abstandsflächen und Eingrünung könnte der Bauherr auch auf dem benachbarten landwirtschaftlichen Grundstück nachweisen, das ebenfalls ihm gehört. Das Ganze sehe in natura anders aus als auf dem Plan, meinte Bürgermeister Andreas Spörl (CSU). Die vorgeschriebene Eingrünung bedeute nämlich fast eine Unbebaubarkeit des Grundstücks. Ähnlich sahen es seine Fraktionskollegen: Ihm sei nur wichtig, dass für eigene Nachkommen gebaut werde und nicht aus Spekulationsgründen, sagte Michael Robeller.

Heftiger Widerspruch kam vom Vize-Bürgermeister Franz Ostermeier (SPD). Baurecht zu schaffen und dafür Grund für eine Verbreiterung des Sportweges zu erhalten, könne man als „unzulässiges Kopplungsgeschäft“ verstehen. Je mehr Häuser, desto größer außerdem die Notwendigkeit, auch die Erschließungsstraße herzurichten. Die Kosten dafür könnten im Außenbereich aber nicht auf die Anwohner umgelegt werden, sondern müssten von der Allgemeinheit getragen werden. Und schließlich sei auf dem Kiser-Grundstück ausreichend Platz auch für zwei Gebäude, wenn sie als Zweispänner nebeneinander errichtet würden.

Er sei nicht dagegen, „dass der Fritz bauen kann“, aber eben nicht in den vorgeschlagenen Dimensionen, so Ostermeier. Wie er kritisierte auch seine Fraktionskollegin Evelyn Dürrmeier das „hü und hott“ von Bauausschuss und Gemeinderat. Sie sei auch keine „kategorische Neinsagerin“, aber man brauche endlich eine klare Linie für solche Ausweisungen. „Wir müssen uns mal einig werden, nicht von Fall zu Fall und pi mal Daumen entscheiden.“ Olf Paschen

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