Kupferplattln ist als Sportart kaum mehr bekannt: Mittelstettens neuer Bürgermeister Franz Ostermeier aber kennt sich aus und legt sein Handy am Freitagabend zu Seite. Dann versucht er, das kupferne Wurfgerät so nah wie möglich zu einem Ziel, dem Holzklotz, zu werfen. Foto: Peter Weber
+
Kupferplattln ist als Sportart kaum mehr bekannt: Mittelstettens neuer Bürgermeister Franz Ostermeier aber kennt sich aus und legt sein Handy am Freitagabend zu Seite. Dann versucht er, das kupferne Wurfgerät so nah wie möglich zu einem Ziel, dem Holzklotz, zu werfen. Foto: Peter Weber

INTERVIEW-SERIE - Bürgermeister Franz Ostermeier über Arbeit und Freizeit in Mittelstetten

Handy aus: „Freitagabends wird geplattelt“

Franz Ostermeier hat es als einziger Herausforderer im Landkreis geschafft, einen amtierenden Bürgermeister zu stürzen.

Mittelstetten – Am 1. Mai hat der Gründer der Wählergruppe „Wir für unsere Gemeinde“ (WUG) das Rathaus von Vorgänger Andreas Spörl (CSU) übernommen. Im Interview berichtet Ostermeier was ihm wichtig ist und wann sein Handy zur Seite gelegt wird.

Herr Ostermeier, sind Sie schon angekommen im neuen Amt?

Schon in der ersten Woche. Es war ja für mich auch nicht das ganz Neue. Neu war eher die Kleinteiligkeit der Dinge, die Befindlichkeit der Leute. Jeder will, dass alles sofort erledigt wird. Ich musste mich erst einmal schlau machen, dann gab es eine Antwort halt erst zwei Wochen später. Aber wegen Corona gab es auch oft nicht viel zu überlegen. Und die Mitarbeiter sind wirklich top. Die haben mich sehr gut aufgenommen. Auf die Mannschaft bin ich stolz.

Wie fühlt man sich als erster Mann der Gemeinde?

Prinzipiell gut. Es macht mir nichts aus, wenn ich im Dorf unterwegs bin und angesprochen werde. Zum Beispiel im Brotladen, wenn ich da in der Früh meinen Kaffee trinke. Ich bin ja auch schon als Vize-Bürgermeister angesprochen worden. Für mich ist das Bürgernähe, nicht nur die Sprechstunde. Und wenn ich meine Ruhe haben will, lege ich das Handy auf die Seite und rufe später zurück. Am Wochenende muss ich mich nicht mit Problemen der Gemeinde befassen. Natürlich, wenn ein Baum umfällt, dann schon, aber nicht weil der Zaun vom Nachbarn eventuell falsch steht.

Woher wissen Sie, dass keine besondere Situation aufgetreten ist, wenn Sie nicht ans Handy gehen?

Ich schaue später schon nach, wenn ich essen war oder im Schwimmbad. Und rufe dann zurück. Aber wenn ich privat unterwegs bin, bin ich privat unterwegs. Zudem hab ich zwei Stellvertreter.

Was macht der Franz Ostermeier, wenn er privat unterwegs ist?

Er geht im Winter Ski fahren, im Sommer fährt er mit dem E-Bike und freitagsabends wird geplattelt.

Wie war der erste Arbeitstag?

Toll. Ich bin von einigen Mitarbeitern mit einem kleinen Sektempfang überrascht worden. Und dann war schon der erste Brief da mit der Einleitung „Entschuldigung, wenn wir Sie schon am ersten Tag belästigen“. Sonst war nicht viel: Passwörter einstellen, Schreibtisch einräumen. Aber am zweiten Tag ist es richtig ins Tagesgeschäft gegangen, dann aber von Null auf Neunzig. Die Schulung für die neuen Bürgermeister ist ja wegen Corona ausgefallen. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, aber verkehrt war das nicht.

Mussten Sie schon schwierige Entscheidungen treffen?

Die schwierigsten waren wegen Corona, wegen den älteren Mitarbeitern im Kindergarten. Die wollten alle arbeiten, aber die Leitung und ich haben das erst einmal abgelehnt. Das hat man dem Gegenüber angesehen, dass er eine andere Entscheidung erwartet hatte. Aber es ging nur um Risikogruppen, nicht um Infizierte. Aber ich muss auch nicht alles entscheiden. Eine Straßenbaufirma hat angerufen: Wo sie den Aushub zwischenlagern können. „Ruft’s die Gemeindearbeiter an“, habe ich denen gesagt, „die wissen einen Platz“. Ich stehe zwar oben drüber, aber ich muss nicht die Arbeitszeiten unserer Putzfrauen im Detail kennen. Ich bin ein Fan vom Delegieren. Wenn was schief läuft, muss ich allerdings damit leben, dass ich delegiert habe.

Macht die Arbeit Spaß?

Bis jetzt schon. Ich bin auch nicht fünf Tage die Woche im Einsatz. Montags gehe ich immer noch meinem bisherigen Beruf nach. Und sonst habe ich bis auf die Sprechstunden keine festen Zeiten, ich gehe auch manchmal am Samstag oder Sonntag ins Rathaus. Da bin ich ganz unkonventionell. Das ist das Schöne: Du bist der Chef, und die Arbeit muss gemacht werden. Aber wann, ist deine Sache. Ich bin halt privat auch ziemlich ungebunden.

Gibt es etwas, was Ihnen weniger gefällt im neuen Job?

Bis jetzt noch nicht, aber ich glaube, das wird noch kommen. Durch Corona hat es wenig Berührungspunkte gegeben mit den Leuten. Aber wenn ich auf eine Veranstaltung gehen und nur noch als Bürgermeister gesehen würde, würde es schwierig. Ich müsste dann entweder sagen „Heute sind wir zum Feiern da und nicht, um über Gemeindepolitik zu reden“ oder aber weniger hingehen.

Ist es schlecht, wenn die Leute mit ihrem Bürgermeister reden wollen?

Nein, wenn sie etwas wirklich beschäftigt. Aber ich möchte nicht unbedingt beim Spazierengehen angesprochen werden über eine Abstimmung im Gemeinderat vor drei Wochen.

Ihr Vorgänger Andreas Spörl hat von einer 40-Stunden-Woche gesprochen. Hat er sich um zu viel gekümmert?

Jetzt muss ich gut überlegen, was ich sage. 15 Stunden gehe ich ja noch in die Arbeit, aber an drei Tagen bin ich für die Gemeinde da, das werden so 30 Stunden sein inklusive der Termine in der Verwaltungsgemeinschaft in Mammendorf. Mit Abendterminen könnten es dann schon 40 Stunden werden. Aber ich bin ja Ehrenamtlicher und kein Hauptamtlicher.

Sie haben einen amtierenden Bürgermeister gestürzt. Gibt es welche, die Ihnen das nachtragen?

Ich nehme es an, wäre ja komisch, wenn nicht. Aber die haben sich bisher nicht zu erkennen gegeben.

War es ein guter Einstand, dass die CSU keinen Vize-Bürgermeister stellt?

Es war ein schlechter Einstand der CSU. Das Angebot war ja da. Sie haben erst abgelehnt und zwei Tage vor der konstituierenden Sitzung dann doch noch einen Kandidaten gebracht. Mit dem komme ich super aus, wir hatten uns schon vorher ausgesprochen. Jetzt ist es für mich eine gute Geschichte, dass der Erwin Lauchner von „Bürgernah und unabhängig“ der Zweite Bürgermeister ist und Evelyn Dürmeier von meiner Gruppierung die Dritte Bürgermeisterin.

Sie haben Ihren Vorgänger Andreas Spörl nie öffentlich kritisiert. Was werden Sie anders machen?

Der Franz Ostermeier will transparenter sein, einfach mehr auf die Bürger zugehen. Der Andi hat wahrscheinlich gemeint, dass das bei ihm schon ausreichend war. Ich bin nicht in irgendwelchen Parteizwängen eingebunden, ich muss mit den anderen reden und versuchen, Mehrheiten zu finden. Parteistrukturen sind in einer so kleinen Gemeinde wie unserer sowieso eher ein Nachteil. Und dann sind wir halt menschlich unterschiedlich. Es hat aber auch von meiner Seite nicht so viel zum Kritisieren gegeben – andere haben das anders gesehen. Es ist auch nicht mein Ding, Stimmung zu machen. Außerdem war ich Zweiter Bürgermeister, da sollte man Unstimmigkeiten intern lösen. Und in vielen Sachen ist man an Gesetze und Vorgaben gebunden, zum Andersmachen gibt es dann oft nur noch einen kleinen Spielraum. Da kann ich Andreas Spörl oder Franz Ostermeier heißen.

Auch interessant

Kommentare