Untersuchung des Jugendamtes

Jugendhilfe-Index sorgt in Mittelstetten für Aufregung

Mittelstetten – Der Tagblatt-Artikel über eine vergleichende Untersuchung des Brucker Jugendamtes, bei der Mittelstetten schlecht abschneidet, hat im Ort und darüber hinaus für erhebliches Aufsehen gesorgt.

Noch in der Aktuellen Viertelstunde der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde der Bericht über den so genannten Jugendhilfe-Index von zwei Bürgern angesprochen.

In der darauf folgenden kurzen Diskussion berichtete Heinz Nebl (BU), dass er sogar in der Kreisstadt gefragt worden sei, „was für Zustände“ in Mittelstetten herrschten. Er warf Bürgermeister Andreas Spörl (CSU) vor, den Gemeinderat nicht über diese Sozialraumanalyse informiert zu haben.

Der wehrte sich: Er habe den noch dazu veralteten Zahlen aus den Jahren 2012 bis 2014 keine Bedeutung beigemessen, zumal auch das Landratsamt selbst im Begleitschreiben darauf hingewiesen habe, dass in Mittelstetten keine „bedrohliche Schieflage“ entstanden sei.

Das Ranking des Jugendamtes hatte eine andere Sprache gesprochen. Dort war ein „jugenhilfespezifischer Belastungsindex“ für die einzelnen Landkreis-Kommunen errechnet worden, in dem Mittelstetten hinter Bruck auf Platz zwei landete.

Maßgeblich für diese Wertung waren unter anderem Gefährdungsmeldungen ans Jugendamt oder von dort angeordnete Hilfen zur Erziehung. Bei diesen Kriterien lag die Gemeinde allein oder mit an der Spitze. Was in den Tabellen unterging: Aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl von Jugendlichen in kleinen Orten kann jeder Fall mehr oder weniger die Statistik radikal verändern.

Darauf wurde auch in der kurzen Debatte hingewiesen: Lorenz Karl (CSU) hielt den prozentualen Vergleich für „unmöglich“, der Bürgermeister sprach von einer „nicht sehr glücklichen Umrechnung“. Spörl wies aber auch darauf hin, dass in einem kleinen Ort die Nachbarn vielleicht eher mal das Jugendamt informierten als in einer anonymen Großgemeinde. Was die Gefährdungsmeldungen erklären würde, die ja zunächst nur ein Hinweis, kein Beweis sind, dass in einer Familie was schief läuft.

Grundsätzlich gelte aber auch, dass Kinder so oder so erzogen würden und die Gemeinde „herzlich wenig Einfluss“ darauf habe, sagte der Rathauschef. Mittelstetten sei jedenfalls kein sozialer Brennpunkt und werde es in absehbarer Zeit auch nicht werden.

Sein Vize Franz Ostermeier (SPD) schlug allerdings vor, die Autorin dieser Studie in den Gemeinderat nach Mittelstetten einzuladen. Schließlich ist eine Fortschreibung der Sozialraumanalyse für die Jahre 2015 bis 2017 geplant. 

Von Olf Paschen

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