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Kapelle mit Zwergenglocke ist Familiensache

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Von: Ulrike Osman

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Das Ehepaar Josef und Marlies Karl kümmert sich um die Kapelle. Katharina Schlamp (2.v.r.) und Magda Schebesta (r.) vom Verein Dorfbelebung erforschen derzeit die Geschichte von Kapelle und Glocke.
Das Ehepaar Josef und Marlies Karl kümmert sich um die Kapelle. Katharina Schlamp (2.v.r.) und Magda Schebesta (r.) vom Verein Dorfbelebung erforschen derzeit die Geschichte von Kapelle und Glocke. © Weber

Rätsel in Längenmoos: Wann wurde die Kapelle St. Maria erbaut? Woher kommt ihre Glocke? All das weiß man nicht genau. Sicher ist dagegen seit über einem Jahrhundert: Die Familie Karl kümmert sich um das kleine Gotteshaus mit der Zwergenglocke – das einzige Geläut in Mittelstetten, das gut von außen zu sehen ist.

Längenmoos – Über die kleine Kapelle St. Maria in Längenmoos weiß man vergleichsweise wenig. Auf den ersten Blick könnte sie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Eine Bistumsbeschreibung von 1872 erwähnt das Kirchlein noch nicht. Doch das Pfarrarchiv Günzlhofen dokumentiert, dass 1892 Kreuzwegtafeln in der „Betkapelle“ Längenmoos aufgehängt wurden.

Nachdem sie dies herausgefunden hatten, freuten sich Katharina Schlamp und Magda Schebesta vom Verein Dorfbelebung Mittelstetten schon. Die beiden arbeiten an einer Broschüre über die Kirchenglocken im Gemeindegebiet und hatten nun also – so schien es – die Entstehung der Kapelle an der Dorfstraße in Längenmoos zeitlich eingegrenzt.

Doch Irrtum. Schlamp stellte fest, dass die Erbauung in den Unterlagen des Landesamts für Denkmalpflege bereits ins 18. Jahrhundert datiert wird – also 100 Jahre früher. Vielleicht fehlt die Kapelle in der Bistumsbeschreibung, weil sie von Bauern privat errichtet wurde.

Sicher ist: Seit Längenmoos im Jahr 1935 seine Eigenständigkeit verlor, befindet sich St. Maria im Besitz der Gemeinde Mittelstetten. Weil die Kapelle keiner Pfarrei angehört, wird sie nie für Messen oder Andachten genutzt. Lediglich der Rosenkranz wird hier gebetet, wenn ein Längenmooser verstorben ist. Dessen Angehörige läuten dann auch die Glocke, die in sechs Metern Höhe in einem auf den südlichen Giebel aufgesetzten Türmchen hängt.

Über die Entstehung der Glocke ist nichts bekannt. Sie trägt weder Verzierungen noch Inschriften oder Reliefs. Mit 40 Zentimetern Höhe und 25 Zentimetern Durchmesser ist sie der Zwerg unter den Glocken in den sechs Kirchen des Gemeindegebiets. Dafür ist sie die einzige, die von außen gut sichtbar ist. Um sie für die Glocken-Broschüre zu fotografieren, musste niemand Leitern hochsteigen und sich in enge Glockenstuben zwängen. Mit Radlader und Gerüstkorb ließ sich Vereinsmitglied Kuno Scharpf in die Höhe fahren und konnte bequem von außen Bilder machen.

So unbedeutend wie die Quellenlage vermuten lässt, ist St. Maria übrigens nicht. Neben dem Kirchlein in der Erde schlummern Zeitzeugnisse von 1895. Damals wurde Lorenz Karl, ein Sohn des angrenzenden Bauernhofs, zum Priester geweiht. Das passierte zwar standesgemäß in der Kirche von Günzlhofen, doch neben die Kapelle seines Heimatortes pflanzte Karl zur Feier des Tages eine Linde. Zuvor wurde in die Erde gelegt, was man heute als Zeitkapsel bezeichnen würde: eine Schatulle mit einer Zeitung und Münzen.

Die Linde spendet bis heute Schatten für die Sitzbänke auf der West- und Südseite der Kapelle. Und die Familie Karl wohnt noch immer nebenan und pflegt das Kirchlein. Marlies Karl hat mit 1970 Kreuzstichen eine Decke für den Altar gestickt. Außerdem putzt sie die Kapelle und kümmert sich um Blumenschmuck. Ihr Mann Josef reinigt die Dachrinnen und repariert, was zu reparieren ist. Beide machen darum kein Aufhebens. St. Maria gehört einfach zu ihrem Leben.

Die Serie

Bei „Die Glocken von Mittelstetten“ stellt das Tagblatt mit dem Verein Dorfbelebung die Glocken aller sechs Gotteshäuser und ihre Geschichte vor. Der Verein veröffentlicht seine Recherchen bald als Broschüre

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