+

Was für eine Meisterleistung

Maibaum-Stamm hängt in 4 Metern Höhe - kein Problem für diese Diebe

Was für ein Husarenstück: Der Vogacher Maibaum hing an Ketten in etwa vier Metern Höhe unterm Hallendach und ein Trupp aus Egling an der Paar (Kreis Landsberg) hat ihn dennoch gestohlen.

Vogach/Egling –„Die müssen sich ganz schön was haben einfallen lassen“, sagte Michael Robeller von den Glonn-Au-Schützen im Mittelstettener Ortsteil Vogach am Mittwoch, nachdem der Maibaum seines Vereins in der Nacht auf Dienstag spurlos verschwunden war. Zuletzt gestohlen worden war der Vogacher Maibaum im Jahr 2002 – und zwar von den Nachbarn in Tegernbach. Damals hatte der Baum einfach nur da gelegen. Diesmal dagegen wähnten die Vogacher ihren Stamm wegen der Höhe in absoluter Sicherheit – und das war er auch. Bis die Eglinger kamen.

Selbst die neben der Halle wohnende Zeitungsträgerin, die naturgemäß sehr früh mit ihrem Job startet, und ein weiterer Frühaufsteher bemerkten nichts von den nächtlichen Umtrieben in der Maibaum-Halle. Michael Robeller nimmt das Ganze mit Humor. Über die Maibaum-Diebe, die nichts kaputt gemacht haben, sagt er: „Die waren richtig gut.“

In Egling, wo der Baum derzeit sicher verwahrt wird, wird man das gerne hören. „Die Vogacher waren ziemlich überrascht, dass wir den Baum rausgebracht haben. Wir sind auch ganz schön drin gehängt. Wir haben über vier Stunden gearbeitet“, sagt Markus Spicker schmunzelnd. Er gehört zusammen mit Benedikt Sießmeir, Sebastian Schneider, Matthias Hill und Johannes Ernst zum Kern der nicht in einem Verein organisierten Maibaum-Truppe aus Egling, Heinrichshofen, Unfriedshausen, Hausen oder Weil, der in dieser Nacht freilich Hilfe von rund 20 weiteren Maibaum-Dieben bekam.

Wie aber gelang es nun, den Baum zu erreichen und herunter zu bekommen? Kurz gesagt: mit einer Leiter und mit Greifzügen. Aber der Reihe nach. Die Eglinger hatten schon vor ein paar Wochen den Plan gefasst, heuer einen Maibaum zu stehlen. „Wir sind in Aichach-Friedberg, Landsberg und in Fürstenfeldbruck herumgefahren“, erzählt Markus Spicker. Zwei Bäume im Kreis Aichach-Friedberg wurden aussortiert. Grund: Zu schwierig.

Die mitgebrachte Leiter der Maibaum-Diebe war zu kurz 

In Vogach fiel auf, dass der aktuelle Maibaum zwar noch steht, die Schilder aber schon weg waren. Weitere Recherchen im Ort folgten und in der Nacht auf Dienstag war es schließlich so weit.

Mit einem Traktor und mehreren Autos machte man sich auf den 18 Kilometer weiten Weg. Insgesamt waren knapp 25 Mann im Alter zwischen 15 und 30 Jahren dabei. Die Autos versteckte man vor dem Dorf. Die Eglinger hatten eine Leiter mitgebracht. Die erwies sich aber als zu kurz. Glücklichweise fand sich in der Vogacher Halle eine alte fünf-Meter-Eisen-Leiter. „Die haben wir zu dritt auf – und immer wieder umgestellt, um die Ketten am Baum lösen zu können“, schildert Markus Spicker. In der Halle arbeitete die Truppe zeitweise mit Taschenlampen, großteils aber auch im Dunkeln.

Knackpunkt waren freilich die Seilzüge, mit denen man Lasten heben oder ziehen kann und die gerne auch von Feuerwehren verwendet werden. Sie mussten in fünf Metern Höhe angebracht werden. Das Gegengewicht hing an Maschinen in der Halle. Zug um Zug gelang es so, den Baum auf die mitgebrachten Maibaum-Wagerl zu hieven, was allerdings auch aufgrund der räumlichen Umstände ziemlich aufwändig war, wie Spicker sagt. Er schätzt das Gewicht des 32-Meter-Baums auf etwa zwei Tonnen.

Die Eglinger traten am frühen Morgen die Flucht über die Weide an

Gegen vier Uhr war es geschafft – und die Eglinger traten die Flucht über eine Weide an, auf der man auch darauf achten musste, dass keine der Kühe entkommt oder gar Krach macht. Die Viecherln aber hielten still, wie Spicker berichtet. Er schmunzelt: „Die waren auf unserer Seite.“ Am Ortsausgang kam der Bulldog zum Einsatz – und weg war der Baum.

Dass in aller Früh die Zeitungsträgerin ihre Arbeit aufnahm, war auch den Eglingern aufgefallen. „Wir haben das Licht ausgemacht. Sie hat nichts bemerkt.“ Am Donnerstag Abend nun treffen sich die Eglinger und die Vogacher, um über die Auslöse zu beratschlagen. Traditionell gibt es für Maibaum-Diebe eine Brotzeit – und natürlich Freibier. 

st

Übrigens: Ziemlich begehrt ist auch der bestens bewachte Maibaum in Dachau

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Info-Panne: Kein kompletter Zaun am Brucker Volksfest
Maximale Informations-Panne: Entgegen den Aussagen vom vergangenen Freitag wird es am Brucker Volksfest keinen durchgängigen Zaun geben. Die Stadtverwaltung räumt …
Info-Panne: Kein kompletter Zaun am Brucker Volksfest
Schulden: Sportclub-Präsident will Vorgänger in Haftung nehmen
190.000 Euro - das ist der aktuelle Schuldenstand beim SC Fürstenfeldbruck. Nun will der amtierende Sportclub-Präsident seine Vorgänger beim Finanzamt haftbar machen. …
Schulden: Sportclub-Präsident will Vorgänger in Haftung nehmen
OB-Wahl 2017 in Fürstenfeldbruck: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Am Sonntag, 7. Mai, findet die Oberbürgermeisterwahl in Fürstenfeldbruck statt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur OB-Wahl 2017 und zu den Kandidaten.
OB-Wahl 2017 in Fürstenfeldbruck: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Abriss des Bosco-Heims beginnt von innen
Der Abriss des Caritas-Altenheims Don Bosco hat Anfang April begonnen. Von außen ist aber noch nicht viel davon zu sehen. Zunächst wird nämlich der Innenbereich …
Abriss des Bosco-Heims beginnt von innen

Kommentare