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Alle, die beim Entstehen und Verteilen des Ringbuches „Feldkreuze und Marterl in Mittelstetten” dabei waren: (v.l.) Marlies Petrich, Anneliese Hermann, Magda Schebesta, Walther Matthes, Renate Bauer, Josef Schneller, Harry Michel, Elke Loibl, Thomas Kernle, Rosemarie Mahn, Michaela Decker, Gebhard Dörr, Monika Franz, Verena Decker, Norbert Franz, Janine Franz, Jeannette Franz und Bürgermeister Andreas Spörl. Der Verein lud alle zum Dankeschön-Essen ein.

Ringbuch herausgegeben

Geschichten von Feldkreuzen und Marterln

Oft fährt oder geht man achtlos an Feldkreuzen vorbei – obgleich fast jedes eine Geschichte erzählt. In Mittelstetten hat sich nun der Verein Dorfbelebung die Mühe gemacht, alle Feldkreuze zu dokumentieren und ihre Entstehungsgeschichte in einem Büchlein festzuhalten.

Mittelstetten – Sie erinnern an einen Verstorbenen, bitten um Gottes Segen für die Felder, wurden in Erfüllung eines Gelübdes errichtet oder waren beziehungsweise sind einfach Zeichen der Volksfrömmigkeit: Vor allem Feldkreuze, aber auch Bildstöcke, kleine Kapellen und sogar zwei, der Höhle von Lourdes nachempfundene Tropfsteingrotten stellt der Führer vor, insgesamt 36 Objekte.

Grotte in Längenmoos: Errichtet von einem kinderlosen Ehepaar, das ein Mädchen adoptierte.

Wertvolle Informationen zu vielen von ihnen kamen von dem Tegernbacher Kunstschmied Thomas Kernle, der teils selbst einige dieser Besinnungsorte mitgestaltete, vor allem aber jahrzehntelang als Restaurator wirkte. Andere Geschichten sammelten die Vereinsmitglieder bei den Eigentümern. Die kurzen Begleittexte zu den Bildern formulierte die Vereinsvorsitzende Magda Schebesta. Herausgekommen ist ein 40 Seiten zählendes Ringbüchlein mit Fotos, Beschreibung und kurzer Historie. Und da diese Flurdenkmäler keine Adresse haben, weisen die exakten GPS-Daten den Weg.

Ein Bildstock zur Erinnerung an einen Schneiderssohn, der als Soldat 1870 fiel.

Nahe des Hauptorts selbst, am Waldrand, findet sich etwa ein Bildstock, entstanden frühestens 1871, der an einen Schneiderssohn erinnert, der in der Schlacht von Sedan im deutsch-französischen Krieg gefallen war. Gegenüber der Schule, steht eines der jüngsten Kreuze – ohne Corpus Christi, dafür mit 40 Kupferblech-Händen, die Kernle gestaltet und an den Stamm genagelt hatte: Darauf hatten sich über 40 Pilger, die im Jahr 2005 auf dem Weg zum Kölner Weltjugendtag in der Pfarrei Station gemacht hatten, mit ihren Namen verewigt.

Im Ortsteil Oberdorf steht unter anderem eine rund 100 Jahre alte gemauerte Kapelle, die an eine überstandene Lungenentzündung erinnert. In Tegernbach findet sich ein ebenfalls gemauertes Marterl, das einer Familie in Friedberg gehört und vom Nachbarn unterhalten wird. Ganz herrenlos war das reich ornamentierte Kreuz von etwa 1870, das einer Familie gehörte, die es seit den 1930er-Jahren nicht mehr im Ortsteil gibt. Es steht heute genau an der Landkreisgrenze und befindet sich als einziges im Besitz der Gemeinde Mittelstetten.

Kapellerl in Vogach: Im Advent ist darin eine peruanische Krippe aufgebaut.

Gemessen an der Einwohnerzahl müssen die Vogacher mit acht Marterln als frömmste Mittelstettener gelten. Hier stehen allerdings auch die beiden Kreuze, deren Geschichte sich nicht einmal in Umrissen rekonstruieren ließ. Dafür gibt es zwei alte Grabkreuze, die Wiederverwendung in einem Feldkreuz fanden – eines davon soll auf der letzten Ruhestätte eines ehemaligen KZ-Häftlings auf dem Münchner Westfriedhof gestanden haben. 

Dieses Kreuz steht in Tegernbach an der Landkreisgrenze. Das Kunstwerk ist etwa von 1870.

Bekannter dürfte die kleine Grotte in Längenmoos mit Marien-Figur sein, denn sie steht praktisch direkt neben der Straße. Sie ist aber nur eine von dreien, die einst drei Brüder der Familie Grundner errichteten. Eine andere wurde in Tegernbach aufgebaut, eine dritte steht am Angerhof in der Gemeinde Alling.

Die Kapelle in Oberdorf wurde aus Dankbarkeit gebaut nach überstandener Lungenentzündung.

Mit ihrem Projekt hatte die Dorfbelebung, der kleinste Mittelstettener Verein mit etwas über 30 Mitgliedern, an einem Wettbewerb der VR-Bank teilgenommen – und tatsächlich die meisten Unterstützer gewonnen. Das Preisgeld von 1000 Mark floss in die Produktion der kleinen Broschüre, die kostenlos an alle Haushalte in Mittelstetten verteilt wurde.

von Olf Paschen

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