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Neuer Lehrpfad erklärt den Zukunftswald

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Freuen sich über den neuen Lehrpfad (v.l.): Vize-Landrätin Martina Drechsler, Stefan Warsönke (AELF Bereichsleiter Forsten), Franz-Josef Mayer (AELF-Chef) und Bürgermeister Franz Ostermeier.
Freuen sich über den neuen Lehrpfad (v.l.): Vize-Landrätin Martina Drechsler, Stefan Warsönke (AELF Bereichsleiter Forsten), Franz-Josef Mayer (AELF-Chef) und Bürgermeister Franz Ostermeier. © Peter Weber

In vielen Wäldern dominiert die Fichte. Was man stattdessen anpflanzen und wie man den Wald fit für die Zukunft machen kann, zeigt ein neuer Lehrpfad bei Mittelstetten.

Mittelstetten – „Warum schon wieder ein Waldlehrpfad?“ könnte man fragen“, meinte Stefan Warsönke vom Brucker Forstamt zu den rund zwei Dutzend Teilnehmern, die sich zu dem Forstspaziergang aufgemacht hatten. Aber die neue Route durch den Wald beim Mittelstettener Ortsteil Längenmoos zeigt auch nicht dem Natur-Neuling, welche heimischen Bäume es gibt und wie das Öko-System Wald funktioniert. Nein, sie richtet sich an die schon Fachkundigen: Vor allem privaten Waldbesitzern sollen hier, auf einem gut ein Kilometer langen Rundweg mit zwölf Stationen, mögliche Methoden des Waldumbaus gezeigt werden. Das Thema sei zwar in aller Munde, aber nur wenige wüssten genau, wie es in der Praxis funktioniere.

Revierförsterin Anita Ottmann vor den Schildern, die den Waldumbau erklären.
Revierförsterin Anita Ottmann vor den Schildern, die den Waldumbau erklären. © Weber

Das „Große Holz“ auf dem Höhenzug südlich von Längenmoos ist ein alter „Rechtlerwald“, also im Eigentum der Ortschaft, und wie so viele praktisch eine Fichten-Monokultur. An manchen Stellen sind Bruchschneisen erkennbar.

Aber, das wurde bei der Führung von den Forstleuten mehrfach betont, man wolle dem alten, schnell wachsenden und ertragreichen „Brotbaum“ nicht den Garaus machen, auch wenn er als Flachwurzler den zunehmenden Stürmen wenig entgegen zu setzen hat und zudem Borkenkäfers Liebling ist. „Wir verteufeln die Fichte nicht“, sagten Warsönke und Revierförsterin Anita Ottmann. Sie werde auch in der „nächsten Waldgeneration“ ihren Platz haben – aber eben nicht mehr in dieser Menge und Dichte. Eine ganze Reihe von Alternativen bietet sich an.

Lärche, Douglasie, Tanne bei den Nadelgehölzen, als Laubbäume Buche, Eiche, Ahorn oder die wiederentdeckte Elsbeere. Was zum Standort mit seinem Kleinklima und Lichteinfall und seinen Bodenverhältnissen am ehesten passt, lässt sich mit den Beratungsförstern besprechen. „Den einen, idealen Ersatz-Brotbaum für die Fichte wird es nicht geben“, meinten die Förster. Grundsätzlich gilt aber wie auf dem Aktienmarkt eine „breite Streuung“ als sicherste Anlage. Schließlich ist ja auch der Holzmarkt teilweise hochspekulativ, wie ein Waldbauer anmerkte.

Der neue Mischwald könnte auf einer Kahlschlag-Fläche wachsen oder auch als neue Generation im Schatten bestehender hoher Bäume. Oft empfiehlt sich ein „Saumschlag“ im Altbestand, ein bis zu 50 Meter breiter Streifen an der sturmabgewandten Nordostseite des Altwaldes.

Mystische Stimmung im Zukunftswald: Stefan Warsönke empfiehlt eine breite Streuung an Baumarten.
Mystische Stimmung im Zukunftswald: Stefan Warsönke empfiehlt eine breite Streuung an Baumarten. © Weber

Ein eigenes Thema ist der Schutz der jungen Triebe. Eine Art Versuchsgelände mit Plastikumhüllungen oder auch Furnierholz-Gittern ist im „Großen Holz“ aufgebaut worden. Unter anderem lässt sich das sogenannte Waldwunder besichtigen, ein lockeres Gestänge, um das junge Bäumchen wachsen. Angesichts der von den Rehen zurückgelassenen Reste müsse man allerdings von einem „nicht so gelungenen Versuch“ sprechen, räumten die Führer ein.

„Wir können nicht alle jungen Bäume schützen, wir brauchen die Hilfe der Jäger“, hieß es auf dem Spaziergang zum Thema Wildverbiss. Die waren zwar offenbar ebenfalls eingeladen, hatten aber zumindest keinen offiziellen Vertreter entsandt. Andere wieder heimisch gewordene Tiere haben dagegen einen besseren Ruf bei den beamteten Förstern, wenn auch nicht bei den für die Landwirtschaft zuständigen Kollegen aus demselben Haus.

Auf dem Rückweg bewegte sich der Tross auf einem aufgewühlten Pfad. „Wildsauspuren“, wie Fährtenleserin Ottmann erkannte. Die tun mit ihrer Wühlarbeit dem Waldboden eigentlich gut. Nur Schutzzäune um Neuanpflanzungen mögen sie gar nicht. Olf Paschen

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