Die Packerl werden oft in die Kirchstraße in Mittelstetten selbst geliefert. Der Empfänger dort hat aber genug von den ständigen Sendungen. 
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Die Packerl werden oft in die Kirchstraße in Mittelstetten selbst geliefert. Der Empfänger dort hat aber genug von den ständigen Sendungen. 

Mittelstetten

Packerl-Chaos: Straße soll umbenannt werden

Der Kirchweg im Mittel-stettener Ortsteil Vogach ist unauffindbar – zumindest für einige Paketdienste. Die Packerl für Lucia Schlamp-Hofmann und ihre Familie landen oft in der Kirchstraße in Mittelstetten selbst. Die Familie und die Gemeinde wollen das Problem jetzt ein für allemal lösen – mit einem Trick.

Mittelstetten – Normalerweise lassen Städte und Gemeinden, wenn irgend möglich, die Finger von Straßenumbenennungen. Denn auch wenn die Anschrift an fragwürdige Figuren aus der Geschichte erinnert – die Anwohner laufen normalerweise Sturm, wenn ihnen eine Adressenänderung und der damit verbundene Aufwand zugemutet werden sollen.

In Mittelstetten gibt es jetzt den gegenteiligen Fall. Lucia Schlamp-Hofmann und ihre Familie wollen nicht mehr im Kirchweg im Ortsteil Vogach wohnen und haben darum bei der Gemeinde um eine Namensänderung gebeten. Grund: Päckchen und andere Lieferungen landen immer wieder im Hauptort – in der Kirchstraße. Der dortige Bewohner mit der gleichen Hausnummer hat zwar lange Geduld bewiesen, will jetzt aber nicht mehr als Benachrichtigungsdienst und Zwischenlager dienen.

In der Mittelstettener Kirchstraße hat der Adressen-Vetter schon einiges erlebt. Um sechs in der Früh wurden schon mal palettenweise Bauteile ausgeladen. Wäre er nicht aufgewacht, hätte er eine komplette Heizungsanlage wieder abholen lassen müssen. Ein Briefträger verriet immerhin mal, dass die Post das nicht auf die Reihe kriegen würde, aber meistens lagen eben nur Päckchen vor der Tür – immerhin witterungsgeschützt unter einem Vordach. Aber irgendwann reichte es dann. Er bat die eigentlichen Adressaten in Vogach, dafür zu sorgen, dass das aufhört. „Ich kann total verstehen, dass der richtig genervt ist“, sagt Lucia Schlamp-Hofmann.

Weil Pakete oft ganz woanders landen, wollen Lucia Schlamp-Hofmann und ihre Familie nicht mehr im Kirchweg wohnen. 

Warum der Kirchweg für viele Lieferanten nicht zu existieren scheint, ist ein Rätsel. Der uralte Fußweg vom Ort zur abgelegenen, nördlichen Splittersiedlung um St. Johannes ist zwar für den motorisierten Verkehr eine Sackgasse. Weder am Anfang noch am Ende steht eine Kirche und der rund 50 Meter lange Straßenstummel erschließt erst seit vergangenem Jahr ein einziges bewohntes Anwesen. Aber es ist eine offiziell gewidmete Ortsstraße, sie ist auf Google namentlich verzeichnet und auch das Navi kann den Fahrer nach Vogach lenken.

Die normale Briefpost schafft es meist ohne Umwege in den Kirchweg, auch der Paketdienst der Post funktioniert offenbar. Die Familie vermutet, dass entweder die internen Computersysteme mancher Lieferdienste noch nichts mit dem Kirchweg anfangen können, unter der Postleitzahl nur die Kirchstraße kennen und die Adresse ändern. Anrufe und E-Mails mit der Bitte um Korrektur blieben bislang ohne Erfolg.

Eine weitere Vermutung: Die Zusteller geben K und I und R in das Navigationsgerät ein und schon ploppt die Kirchstraße auf. Einen Paketdienstfahrer in Vogach, der aber auch nicht zu ihr wollte, hat Lucia Schlamp-Hofmann schon mal angesprochen. Dessen Deutschkenntnisse reichten aber nicht, um zu verstehen, was sie eigentlich wollte.

Zu den Dauerbestellern bei Amazon gehöre sie nicht, versichert die Vogacherin dem Tagblatt. Aber es sei schon mal vorgekommen, dass die Kirchstraße in Mittelstetten drei Mal in einer Woche ungebetene Post bekam. „Manches ist auch gar nicht angekommen“, meint Lucia Schlamp-Hofmann. Mittlerweile lässt die Familie aus dem Kirchweg ihre Sendungen zu den jeweiligen Eltern schicken, die ebenfalls in der Gemeinde leben.

Der Gemeinde haben sie eine Namensänderung vorgeschlagen: Zum Beispiel „St.-Georgs-Weg“ nach dem ehemaligen Namen der Vogacher Kirche. Oder „Lutzstraße“: Die liegt gleich um die Ecke, dort wohnt ebenfalls nur eine Partei, ein Onkel, und sie müssten dann nur eine scharfe Kurve machen.

Der Gemeinderat wird dem Wunsch wahrscheinlich nachkommen. Schließlich sind ja keine anderen Anwohner betroffen. Der Kirchweg übrigens führt zur St.-Johannes-Straße, an der tatsächlich die Vogacher Kirche liegt. Sie hieß darum früher auch Kirchstraße, bevor sie umbenannt wurde.

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