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Beidseitig der Straße nach Längenmoos könnte das Gewerbegebiet von Mittelstetten entstehen.

Bürgerversammlung

Gewerbegebiet: Rathauschef im Kreuzfeuer

Heftiger Gegenwind für Mittelstettens Rathauschef Andreas Spörl bei der Bürgerversammlung: Das geplante Gewerbegebiet stieß auf entschiedenen Widerstand bei zahlreichen Zuhörern.

Mittelstetten – Im randvollen Saal des Gasthofs zur Post war es das Thema: Soll die Gemeinde weit außerhalb des Hauptorts zu einem unbekannten Preis Grundstücke mit noch ungewisser Größe und Lage für ansiedlungswillige Unternehmen kaufen, die nicht genannt werden wollen? In seinem Bericht hatte der Bürgermeister das Vorhaben verteidigt. In Mittelstetten hielten die Einnahmen auf Dauer nicht Schritt mit den Ausgaben, es brauche eine weitere Finanzquelle: mehr Gewerbesteuer. Investitionen in Grund und Boden seien die sicherste und auf lange Sicht lukrativste Anlage: „Hier schlummern die Früchte von morgen.“

Mittelstetten vertrage keine Industriebrache, sagte er später. Wohl aber ein „in die Landschaft eingebettetes Gewerbegebiet“ für mittelständische Unternehmen, die im besten Falle Arbeitsplätze schaffen, viel Gewerbesteuer zahlen und vielleicht sogar Einkaufsmöglichkeiten bieten. Einen „Schraubentandler“ oder einen „Senfproduzenten“ nannte Spörl als Beispiele. Acht Unternehmen mit einem Flächenbedarf von insgesamt zwei Hektar seien bereits vorstellig geworden.

Zuhörer schimpfen bei Mittelstettener Bürgerversammlung

Mehreren Bürgern reichten diese Aussagen nicht. In welchem finanziellen Umfang die Gemeinde in Vorleistung gehen müsse, wurde gefragt. Der Bürgermeister verwies auf das Beispiel eines (Wohn-)Baugebiets, das man bis zum Weiterverkauf mit Krediten zwischenfinanzieren könne. Wie groß der Bedarf sei, wie verbindlich die Anfragen seien und welche heimischen Betriebe umsiedeln wollten, fragte ein anderer Zuhörer. Fünf von den acht kämen von außerhalb, drei örtliche Gewerbetreibende hätten Interesse an einer Erweiterung, so Spörl. „Und dann wollen Sie uns erzählen, Sie wissen nicht, welches Gewerbe sich ansiedelt“, schimpfte daraufhin ein Teilnehmer. „Die haben mir gesagt, sie hätten Interesse, aber das braucht keiner wissen“, erklärte Spörl unter großem Gelächter.

Alt-Bürgermeister Ernst Presser fragte, ob der Standort beidseitig der Straße nach Längenmoos geplant sei. Das habe der Gemeinderat „noch nicht abschließend entschieden“, berichtete sein Nachfolger. „Lieg ich richtig, dass ein privater Investor beteiligt ist, der die eine Fläche nur abgibt, wenn er die andere kriegt“, hakte Presser nach. „Um der Thematik den Pfeffer rauszunehmen, würde ich erst mal abwarten, was ein Bürgerbegehren für Folgen hat“, war Spörls Antwort, die einzige, für die er großen Applaus bekam.

Werner Fischer, Initiator dieses Bürgerbegehrens gegen das Gewerbegebiet, hatte Fragen zu den beschlossenen Verbesserungsbeiträgen vorgelegt, mit denen die Bürger die Klärwerksertüchtigung finanzieren müssen. Wenn Gewerbe in größerem Umfang angesiedelt werden und daneben ein Wohn- oder Mischgebiet entstehen solle, müssten die neuen Bewohner und Nutzer an den Kosten beteiligt werden, nicht nur die Alt-Anschließer, sagte Fischer unter Bravo-Rufen. Spörl hatte den Ausbau des Abwasserwerks mit Reinigungsauflagen begründet, aber auch damit, eine Reserve für das Bevölkerungswachstum der nächsten 20 Jahre vorzuhalten.

von Olf Paschen

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