In Tegernbach

Neuer Verein lässt’s mit Kanone krachen

 Es sei ein kleines, aber feines Fest gewesen: Markus Foigtmannsberger ist zufrieden damit, wie die Tegernbacher Böllerschützen die Gründung ihrer Abteilung gefeiert haben. In die Welt verkündet hat’s eine Kanone mit einem stattlichen 70er-Kaliber.

Tegernbach – Streng genommen ist ja das Bayerische Reinheitsgebot der eine Grund, dass dieses Prachtstück nun im Mittel-stettener Ortsteil zu Hause ist. Weil der Verein Burgfrieden Tegernbach 2016 mit vielen anderen bayerischen Schützenvereinen das halbe Jahrtausend Reinheitsgebot feierte und die Tegernbacher von den Böllerschützen beeindruckt waren, kam die Idee auf, eine eigene Abteilung zu gründen. Das mit dem Besitz einer eigenen Kanone zu krönen, war schließlich Foigtmannsbergers Großvater Xaver Loder zu verdanken.

Der besitzt nicht nur eine Wagnerei in Tegernbach, sondern nennt auch verschiedene alte Pläne sein eigen. Darunter war auch der Originalplan einer königlich bayerischen Infanterielafette von 1838. „Nicht ganz so alt wie das Reinheitsgebot, aber sehr wohl historisch genug“, schmunzelt Foigtmannsberger, Böllermeister der neu gegründeten Abteilung.

Also machten sich Tegernbachs begeisterte Schützen ans Nachbauen. Neben Loders Wagnerei waren daran die Schmeide von Thomas Kerle und die Maschinenbaufirma Hermann in Dirlesried beteiligt. „Gut 100 Stunden Eigensleistung sind da trotzdem zusammengekommen“, berichtet Foigtmannsberger.

Ganz originalgetreu sei der Nachbau nicht gewesen, so der Tegernbacher Böllermeister. „Aber auf jeden Fall war alles im Maßstab, nur ungefähr 40 Prozent kleiner.“ Optisch am besten festzumachen ist das am Raddurchmesser, der 1,04 Meter statt die knapp 1,40 Meter des Originals beträgt. „Das aber hätte Dimensionen doch ein wenig gesprengt“, meint Foigtmannsberger. Auch so sei es noch schwer genug gewesen, die Metallbereifung auf die Räder zu ziehen. „Das war der langwierigste Akt bei der ganzen Geschichte“ erzählt Foigtmannsberger.

Doch die Mühen hätten sich gelohnt, freute sich der Böllermeister. Er empfindet als Anerkennung für die geleistete Arbeit, dass keiner der geladenen Vereine aus der Region den Tegernbachern eine Absage erteilt habe. So kamen zu dem kleinen, aber feinen Fest, geschätzt doch rund 500 Gäste und vor allem Bewunderer für die neue Kanone zusammen.

Bei welcher Gelegenheit die zum nächsten Mal zum Einsatz kommen wird, weiß Foigtmannsberger bereits. „Es wird eine Hochzeit sein, aber die Glücklichen ahnen noch nichts“, tut der Tegernbacher ein wenig geheimnisvoll, wann die 23 Mitglieder der Böllerschützen das nächste Mal die Lunte anlegen werden.

„Wir wollen das Brauchtum bei kirchlichen und christlichen Feiertagen pflegen“, betont Foigtmannsberger. Man verstehe aber genauso, wenn Mitbürger nicht so viel mit Böllerschüssen anfangen könnten. So nehme man bei der Auswahl der jeweiligen Örtlichkeit schon Rücksicht auf Interessen und Befindlichkeiten.

Ärger mit Spontan-Aktionen werde man nicht provozieren, so Foigtmannsberger . „Wir melden das immer bei der Polizei an, wenn wir schießen. Da sichern wir uns schon ab.“ Ebenso wisse stets auch die Gemeinde Bescheid. Dorthin ist der Draht sehr kurz, denn Bürgermeister Andreas Spörl ist zugleich Schützenmeister von Burgfrieden Tegernbach.

Der Premiere der Kanone vorausgegangen war ein Festgottesdienst und ein feierlicher Umzug durch den Ortsteil, der von der Freiwilligen Feuerwehr Tegernbach souverän abgesichert wurde. Beim Umzug stellten etliche Fahnenträger Muskelkraft und Geschick beim Schwingen der Fahnen unter Beweis.

Die kühlende Maß Bier hatten sich die Teilnehmer angesichts von sommerlichen Temperaturen verdient. Und so war die Verbindung wieder hergestellt zum Reinheitsgebot, dessen Jubiläum zum Ausgangspunkt für die Abteilungsgründung der Böllerschützen Tegernbach geworden war. (hk)

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