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Schnelle Hilfe aus dem Nachbar-Landkreis

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Sie sind im nordwestlichen Landkreis schon da, wenn der Notarzt noch unterwegs ist: die First Responder aus Baindlkirch.
Sie sind im nordwestlichen Landkreis schon da, wenn der Notarzt noch unterwegs ist: die First Responder aus Baindlkirch. © mm

Wohl selten ist eine Ausgabe auf so viel Begeisterung gestoßen wie die 1500 bis 2000 Euro, die Bürgermeister Franz Ostermeier jüngst verschenken wollte.

Mittelstetten/Baindlkirch – Sein Vorschlag fand im Gemeinderat nicht nur Zustimmung, einzelne Redner wollten die Summe sogar deutlich höher ansetzen. Dabei galt die Spendenbereitschaft nicht einem Not leidenden Verein, sondern einer Gruppe von Ehrenamtlichen im Nachbar-Landkreis Aichach-Friedberg.

Denn die „First Responder“ aus Baindlkirch sind bereits dann zur Stelle, wenn der Notarzt noch unterwegs ist. Fast 70 von bis jetzt mehr als 300 Einsätzen in 2021 führten sie nach Mittelstetten.

Diese Ersthelfer werden immer dann von den Rettungsleitstellen informiert, wenn sie mit ihrer wahrscheinlichen Fahrtzeit als erste an einem Unfallort oder bei einem schwer Erkrankten sein können. Sie leisten erste Hilfe, können beatmen und wiederbeleben, vorläufige Diagnosen an den anrückenden Sanka oder Mediziner durchgeben oder einfach nur beruhigen und Mut zusprechen. Einige von ihnen haben eine Ausbildung als Notfallsanitäter, andere sind Kfz-Mechaniker oder Heizungsbauer, die sich in bis zu 100 Fortbildungsstunden haben schulen lassen. Und weil rund die Hälfte der 13-köpfigen Truppe auch tagsüber in Baindlkirch ist, kann ein Bereitschaftsdienst organisiert werden. Meist sind sie zu dritt im Auto, mindestens ein Ersthelfer kann sich aber immer auf den Weg machen.

Bei rund jedem zehnten Einsatz sind Sofortmaßnahmen erforderlich, zwei Mal gelang 2021 eine erfolgreiche Reanimation, erzählt der Ersthelfer-Chef Franz Guha (23), zugleich Feuerwehr-Kommandant in Baindlkirch. Alltag sind eher plötzliche Krankheitssymptome als Unfälle: Ein entzündeter Blinddarm oder Koliken. Nicht selten geht es aber auch weniger dramatisch zu: Manche Patienten haben eher Befindlichkeitsstörungen als ernsthafte Beschwerden.

Entstanden sind die First Responder 1993 als eine der ersten in Bayern. Maßgebliche Antreiber waren ein Baindlkirchner, der bei der Berufsfeuerwehr in München arbeitete, sowie ein Allgemeinmediziner mit einer Notarzt-Qualifikation. Bis auf zwei sind alle Freiwilligen bei der örtlichen Feuerwehr, die das Angebot über ihren Förderverein mit unterstützt. In ihrem Heimat-Landkreis werden die Ersthelfer meistens nur in ihrer Gemeinde Ried, zu der Baindlkirch gehört, eingesetzt: Fast überall sonst ist der in Mering stationierte Rettungswagen schneller. Dafür decken sie einen Teil des Dachauer Landes ab und praktisch den gesamten Nordwesten von Fürstenfeldbruck: neben Mittelstetten, auch Althegnenberg und Oberschweinbach.

Die Gemeinde Ried zahlt Tankfüllungen und Reparaturkosten für den Wagen, alles andere müssen die First Responder selber finanzieren – über Altpapiersammlungen und Spenden, die von Firmen oder ehemaligen Patienten eingehen. Nicht einmal verbrauchtes Verbandsmaterial wird erstattet. In einem sozialen Netzwerk haben sie nun um Spenden für das fällige Neu-Fahrzeug gebeten, das Ende nächsten Jahres angeschafft werden muss.

Die Gemeinde Mittelstetten will einen Zuschuss geben. Bürgermeister Ostermeier rannte mit seinem Vorschlag, das Geld für das ausgefallene Weihnachtsessen nach Baindlkirch zu überwiesen, offene Türen im Gemeinderat ein. Von „der besten Rettung ringsum“ sprach Michael Robeller (CSU). „Das sind die Leute, die Leben retten“, sagte auch Erwin Lauchner (BU). Über die genaue Höhe der Zuwendung, möglicherweise sogar einen dauerhaften Zuschuss, soll noch einmal beraten werden.

Zuschuss für neues Rettungsfahrzeug 

Auch Althegnenberg hilft den First Respondern aus Baindlkirch bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs. Bürgermeister Rainer Spicker hatte den Spendenaufruf entdeckt und das Thema in den Gemeinderat gebracht. Das Gremium votierte einstimmig dafür, die First Responder mit 3000 Euro, maximal zehn Prozent der Anschaffungskosten zu unterstützen. Über 40 der mehr als 300 geleisteten Einsätze führten Helfer im vergangenen Jahr nach Althegnenberg,

Seit 1995 sind in der Gemeinde auch die Helfer vor Ort (HvO) im Einsatz. Bereitschaftsleiterin Michaela Selzer hatte in der Sitzung berichtet, dass 2021 ein Defizit von 600 Euro aufgrund von Mindereinnahmen zu schultern sei. Der Gemeinderat beschloss, einzuspringen, und sagte für 2022 seine Unterstützung zu, sollte es wieder ein Defizit geben.

„Wir sind alle heilfroh, dass wir diese Versorgung im westlichen Landkreis haben“, sagte Spicker auf Tagblatt-Anfrage. Neben den HvO und den First Respondern gibt es noch die Rettungswache mit Standort in Mammendorf, die ebenfalls als Ersthelfer fungiert. Spicker: „Die drei ergänzen sich sehr gut, und wir wollen alle drei auch gleich behandeln, wenn es um Zuschüsse geht. gog

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