Sänger errichten Kanal

Schwarzbau fürs Kreissingen

Mittelstetten - Kann man für eine große Feierlichkeit in einer abgelegenen Halle kurz mal einen Abwasserkanal legen lassen, ohne die Gemeinde zu informieren oder gar um Erlaubnis zu fragen? Man kann, wie ein Beispiel aus Mittelstetten zeigt.

Dort hatte die Chorgemeinschaft als Ausrichter des Kreissingens mit mehr als 600 Teilnehmern eine bestehende Leitung bis zum Veranstaltungsort, einer landwirtschaftlichen Maschinenhalle hinter dem Bauhof, verlängern lassen. Genauer gesagt: Der zweite Vorsitzende der Sänger, Hans Lais, hatte den Auftrag erteilt. Der ist allerdings auch CSU-Gemeinderat und hatte mit seinem Ingenieurbüro den Ausbau der Straße (und die Kanalverlegung) bis zum Bauhof geplant. Allerdings eben nur bis dort. Seine Kollegen im Gemeinderat segneten die innovative Abwassernetz-Erweiterung jetzt im Nachhinein gegen die Stimmen der SPD trotzdem ab.

Im dem Gremium erklärte Lais, warum er zur Selbsthilfe gegriffen hatte. Offenbar gab es ein Platzproblem vor der Bader-Halle. Denn wegen der Auflage, Behinderten-Parkplätze auszuweisen, wäre der ebenso notwendige Toilettenwagen entweder zu weit vom Eingang entfernt gestanden oder hätte mit seinem – oberirdisch geduldeten – Ablauf das Parken behindern können. „Das hat sich gezwickt“, erläuterte Lais. Also ließ der stellvertretende Sänger-Chef den praktisch unter seiner Regie verlegten Kanal unter der Bauhof-Straße um einige Dutzend Meter verlängern. Der urlaubende Parteifreund und Bürgermeister Andreas Spörl konnte nicht eingeweiht werden, dessen SPD-Stellvertreter Franz Ostermeier gehört nicht zu Lais’ engsten Freunden.

Aber auch Spörl war nach seiner Rückkehr nicht amüsiert und fand in der Gemeinderatssitzung deutliche Worte. Dabei wurde auch thematisiert, ob der Kollege als Privatmann, als Sänger oder als – von der Gemeinde nicht zum ersten Mal beauftragter – Planer ans Werk gegangen sei. Dennoch war es der Bürgermeister, der eine Heilung für den Schwarzbau fand. Dem Gemeinderat lag ein vierzeiliger Antrag des Burschenvereins vor. Die nämlich sind öfter in der Bader-Halle zugegen als das Kreissingen. Auch für ihre jährliche Vatertagsfeier wollen sie, so der Wunsch, künftig das provisorische Rohr nutzen, das folglich nicht zurückgebaut werden sollte.

In der Debatte um dieses Anliegen zitierte Ostermeier den Burschen-Chef, der in einem Gespräch so ungewöhnliche Formulierungen wie „gütliche Einigung“ gebraucht habe. Es sei ein „Unding“, dass ein Verein vorgeschickt werde, um den Kanal-Stummel zu retten. Zumal schon die eigentliche, genehmigte Abwasserleitung unter der Sportstraße, deren spätere Aufgabe noch nicht ganz klar ist, alles andere als unumstritten gewesen sei. „Das Ding gehört weg, besser gestern als heute“, meinte der Vize-Bürgermeister zum Rohr der Chorgemeinschaft.

Bei der CSU sah man das ganz anders. Das mit der neuen Abwasserleitung habe „wunderbar hig’haut beim Kreissingen“, bestätigte Lorenz Karl. In Mittelstetten gebe es so einige Rohre, die nicht plangemäß verlegt seien, fand Lais selber. Nur jetzt werde ein „Zwergerlaufstand inszeniert“. Für Gebhard Dörr grenzte es „schon fast an Verfolgungwahn“, wenn schon wieder „Mauscheleien“ unterstellt würden.

Immer noch sichtlich wenig begeistert vom Zusatzrohr war dagegen der Bürgermeister, der von einer provisorischen Verlängerung in nichtfachmännischer Dimensionierung sprach. Aber immerhin sei jetzt eine „sinnvolle Nachnutzung“ gefunden. Die Kosten für den Anschluss übernimmt die Chorgemeinschaft.

von Olf Paschen

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