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Sechs Kirchen in Mittelstetten: Dem Glockengeläut auf der Spur

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Von: Ulrike Osman

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Vor St. Maria in Längenmoos: Magda Schebesta (vorne rechts) hatte die Idee, die Geschichte der Mittelstettener Glocken zu erkunden. Katharina Schlamp (vorne links) schlug dann vor, aus den Ergebnissen eine Broschüre zu machen. Hinten: das Ehepaar Marlies und Josef Karl, das für die Kapelle in Längenmoos verantwortlich ist.
Vor St. Maria in Längenmoos: Magda Schebesta (vorne rechts) hatte die Idee, die Geschichte der Mittelstettener Glocken zu erkunden. Katharina Schlamp (vorne links) schlug dann vor, aus den Ergebnissen eine Broschüre zu machen. Hinten: das Ehepaar Marlies und Josef Karl, das für die Kapelle in Längenmoos verantwortlich ist. © Peter Weber

Der Klang von Kirchenglocken begleitet den Alltag in den meisten Dörfern im Landkreis. Auch in den sechs Ortsteilen Mittelstettens läuten sie von den Kirchtürmen. Der Verein „Dorfbelebung Mittelstetten“ arbeitet derzeit an einer Broschüre zu den sechs Glocken. Das Tagblatt stellt sie in einer Serie vor.

Mittelstetten – „Mir ist eines Tages aufgefallen, dass ich die Glocken jeden Tag höre, sie aber nie sehe und nichts über sie weiß“, erzählt Magda Schebesta, Vorsitzende des Vereins Dorfbelebung Mittelstetten. Mit diesem Gedanken war ein neues Projekt geboren – eine Broschüre über „Die Glocken von Mittelstetten“. Gemeinsam mit der ebenfalls im Verein aktiven Katharina Schlamp machte sich Schebesta an die Arbeit.

Die beide wollten so viele Informationen wie möglich über die Glocken der Pfarrkirche St. Silvester (Mittelstetten), der Filialkirchen St. Stephan und Magdalena (Tegernbach) und Heiliger Johannes der Täufer und Heiliger Michael (Vogach) sowie der Kapellen St. Sebastian (Oberdorf), St. Katharina (Hanshofen) und St. Maria (Längenmoos) zusammentragen. Sie stellten fest, dass die Glocken und ihre Geschichte genauso unterschiedlich sind wie die Kirchen und Kapellen selbst. Die drei Mittelstettener Glocken stammen beispielsweise aus einer Gießerei in Erding, die auch das sieben Tonnen schwere Exemplar im Alten Peter in München und eine Glocke für den Kölner Dom anfertigte. Die Vogacher Glocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und konnten erst 1924 mit Hilfe von Spenden der Dorfbewohner ersetzt werden.

„Diese Vergangenheit der so selbstverständlich zum Gebet läutenden Riesen im Kirchturm kennen nicht einmal die Dorfältesten“, so Katharina Schlamp. „Es lohnt sich also, die Geheimnisse unserer Kirchenglocken zu lüften und so das Heimatgefühl unserer Mitbürger zu stärken.“

Der Verein möchte Wanderungen und Fahrradtouren zu den Kirchen veranstalten (siehe Kasten), um die Informationen an interessierte Bürger weiterzugeben. Die geplante Broschüre soll dazu dienen, das gesammelte Wissen dauerhaft zu sichern.

Die Recherche erwies sich als mühsam und langwierig. Nicht erleichtert wurde sie durch die Tatsache, dass die diversen Gotteshäuser zu unterschiedlichen Pfarreien, ja unterschiedlichen Bistümern gehören. Mittelstetten, Vogach, Tegernbach und Oberdorf sind Teil der Pfarreiengemeinschaft Baindlkirch im Bistum Augsburg. Hanshofen gehört zur Pfarrgemeinde Günzlhofen im Erzbistum München-Freising. Die kleine Kapelle St. Maria in Längenmoos gehört nirgendwo hin – sie befindet sich im Besitz der politischen Gemeinde Mittelstetten. Sogar ihr exaktes Baujahr ist unbekannt.

Geduldig wälzten Schlamp und Schebesta alte Unterlagen in Pfarrarchiven, sprachen mit Gemeindearchivaren, interviewten Kirchenpfleger und Mesner. Sie wandten sich an das Amt für Kirchenmusik im Bistum Augsburg, weil hier Gutachten über Glocken angefertigt werden, wenn das Läuten elektrifiziert werden soll. Sie schrieben auch ans Amt für Denkmalpflege und an das Bayerische Hauptstaatsarchiv.

Zwischendurch fand sich noch die Zeit für eine Bewerbung um den VR-Ortspreis, eine finanzielle Förderung für ehrenamtliches Engagement von der Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck. Und tatsächlich schaffte es die Dorfbelebung, im Geschäftsgebiet Hattenhofen beim Voting die meisten Stimmen zu bekommen, nämlich mehr als 400 – was umso erstaunlicher ist, als der Verein nur 40 Mitglieder hat. Der Preis in Höhe von 1000 Euro kann nun für den Druck der Broschüren verwendet werden, die kostenlos an alle Haushalte verteilt werden sollen.

Neue Serie: In der neuen Serie „Die Glocken von Mittelstetten“ stellt das Tagblatt in Zusammenarbeit mit dem Verein Dorfbelebung alle sechs Glocken und ihre Geschichte vor. Die Folgen erscheinen in loser Reihe. os

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