Mobbing-Vorwurf: Ex-Feuerwehrler scheitert vor Gericht mit Unterlassungsklage

Puchheim - Im Streit mit ehemaligen Kameraden der Feuerwehr Puchheim-Bahnhof hat Stephan S. eine Niederlage einstecken müssen. Seine Unterlassungsklage wurde am Amtsgericht abgewiesen.

Im Falle eines Brandes wäre das Amtsgericht in Fürstenfeldbruck wohl nie besser geschützt gewesen als gestern: Zahlreiche Mitglieder der Puchheimer Wehr waren gestern ins Gerichtsgebäude gekommen, um die Verhandlung zu verfolgen. Die Stimmung war entsprechend angespannt. Stephan S. hatte die Feuerwehr auf Unterlassung verklagt. Unterlassen werden sollten beispielsweise die Behauptungen, dass Stephan S. Kameraden beleidigt, weibliche Mitglieder der Wehr herabgewürdigt und Kameraden fachliche Inkompetenz vorgeworfen haben soll.

Doch der Kläger scheiterte mit seinem Versuch, seinen Kontrahenten bestimmte Äußerungen zu untersagen. Vor einem Amtsgericht kann eine Klage, bei der es um Streitigkeiten über Ansprüche wegen der Verletzung der persönlichen Ehre geht, erst dann erhoben werden, wenn zuvor ein Schlichtungsversuch unternommen wurde. So begründete der Richter sein Urteil. Und einen Schlichtungsversuch hat es in diesem Fall bisher nicht gegeben.

Stephan S. zeigte sich von dem Urteil zutiefst enttäuscht. Sein Rechtsanwalt Markus Schollmeyer übte heftige Kritik: „Das ist ein eigenwilliges Urteil gegen die herrschende Rechtslage.“ Der Richter habe nicht verstanden, dass mit der Klage nicht die Ehre von Stephan S. wieder hergestellt werden soll, sondern dass unwahre Tatsachenbehauptungen aus der Welt geschaffen werden sollen, betonte der Anwalt. Er kündigte daher noch im Gerichtssaal Berufung gegen das Urteil an.

Schollmeyer geht davon aus, dass man sich in einem halben Jahr am Amtsgericht zum gleichen Thema wieder sehen wird. Seiner Ansicht nach wird das Landgericht die Klage an das Amtsgericht zurückweisen.

Dass die aus Sicht seines Mandanten falschen Behauptungen aus der Welt geschafft werden, ist wichtig für Stephan S. Denn sein Herz hänge an der Feuerwehr, betont er: „Die Feuerwehr ist mein Leben.“ Seit seinem 17. Lebensjahr ist der 35-Jährige bei den Floriansjüngern aktiv.

Verlassen hatte er die Puchheimer Wehr heuer im Januar, nachdem ein Ausschlussverfahren gegen ihn angelaufen war. Daraufhin räumte er freiwillig das Feld. Stephan S. behauptet, das Ausschlussverfahren sei gegen ihn eingeleitet worden, weil der 2. Kommandant ihn habe loswerden wollen. Stephan S. will eigenen Angaben zufolge auch in Zukunft bei einer Feuerwehr aktiv sein können - nicht mehr in Puchheim aber in einem anderen Ort. Dazu müssten die seiner Ansicht nach falschen Behauptungen aus der Welt geschaffen werden.

Die beklagte Feuerwehr war von ihrem Vereinsvorsitzenden Bernd Emslander vertreten. Dieser wollte sich zum Verfahren nicht äußern. (sus)

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