Im Amtsgericht nahm man Rücksicht auf den Beruf des Unfallfahrers.

Amtsgericht

Altenpfleger rammt Anhänger: Geldstrafe und Führerschein-Entzug

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Weil er übermüdet mit seinem Auto in ein stehendes Straßenkontrollfahrzeug gerauscht ist, musste sich ein 31-jähriger Altenpfleger vor dem Fürstenfeldbrucker Amtsgericht verantworten. Die Anklage lautete fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung.

Moorenweis –  Dass bei dem Unfall im Mai niemand verletzt oder gar getötet wurde, grenzt an ein Wunder. Der Unfallfahrer selbst konnte ohne jede Verletzung aus seinem völlig lädierten Wagen steigen, obwohl er mit 100 Stundenkilometer den Anhänger eines Straßenverkehrsfahrzeugs gestreift hatte und dann in den Straßengraben geschleudert wurde. Und auch der Angestellte der Straßenmeisterei, der im Moment des Unfalls neben seinem Anhänger stand, blieb unversehrt. An dem Kontrollfahrzeug und dem Anhänger entstand ein Gesamtschaden von rund 10 000 Euro.

Blinkende Warnleuchten

Warum er das am Straßenrand stehende Fahrzeug trotz blinkender Warnleuchten und -schilder gerammt hat, konnte der 31-Jährige nur bedingt erklären. An dem Tag sei er früher als geplant aus seiner Frühschicht in einem Altenheim nach Hause gefahren. Er hatte Streit mit seiner Frau, den er bereinigen wollte. Das habe ihn so beschäftigt, dass er nicht ganz bei sich war, wie er dem Gericht erklärte. Dass das Fahrzeug des Kreisbauhofs am Straßenrand parkte, habe er gar nicht richtig realisiert. Der Angeklagte dachte, es würde fahren. Erst im letzten Moment habe er deshalb mit einem Ausweichmanöver reagiert.

Sekundenschlaf

Überzeugen konnte er mit seiner Version Richter Johann Steigmayer nicht. Schließlich sei die Strecke „stangerlgrade“ und zum Unfallzeitpunkt war es taghell, argumentierte der Richter. Ihm schien vor allem jene Variante plausibel, die der Angeklagte direkt im Anschluss an den Unfall von sich gab. Da sagte er sowohl zum dem Mitarbeiter der Straßenmeisterei wie auch der Polizei, dass er wohl kurz eingenickt sei, also einen Sekundenschlaf hatte.

Jetzt Berufskraftfahrer

Dafür sieht das Gesetz eine Geldstrafe sowie ein dreimonatiges Fahrverbot vor. Die Geldstrafe akzeptierte der Angeklagte widerspruchslos, nur mit den drei Monaten Fahrverbot konnte er sich nicht anfreunden. Das würde ihn seinen Job kosten. Der 31-Jährige schult gerade vom Altenpfleger zum Berufskraftfahrer um und bei nur zwei Monaten ohne Schein würde sein neuer Arbeitgeber ihn behalten, bei drei müsste er ihm allerdings kündigen. Richter Steigmayer berücksichtigte dies in seinem Urteil. Er verminderte die Zeit ohne Fahrerlaubnis auf zwei Monate und hob stattdessen die Geldstrafe von 2000 auf 2200 Euro an. Abschließend machte er dem Angeklagten noch einmal klar, wie viel Glück er bei dem Unfall hatte: „Ein paar Zentimeter weiter und wir hätten einen Verkehrsunfall mit Todesfolge gehabt.“ 

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