Hanf ist eine Wunderwaffe: Franz Rottenkolber hat sich das Wissen über die Pflanzen selbst beigebracht. 
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Hanf ist eine Wunderwaffe: Franz Rottenkolber hat sich das Wissen über die Pflanzen selbst beigebracht. 

Ein neuer Weg

Er ist der Hanfbauer von Purk

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Beim Stichwort Hanf denken die meisten wohl zuerst an Drogen. Aber Franz Rottenkolber hat ganz legal mit der Pflanze zu tun: Der Landwirt aus Purk in der Gemeinde Moorenweis ist der einzige Hanf-Bauer im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Purk – Hanf zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Erde. Seine Samen gelten als Superfood, aus seinen Fasern kann man Textilien ebenso herstellen wie Baumaterial. Zur Herstellung von Rauschmitteln eignet sich Nutzhanf aber nicht – trotzdem war der Anbau lange verboten und ist bis heute streng geregelt.

Einer, der sich auf das Abenteuer Hanf-Anbau eingelassen hat, ist Franz Rottenkolber. Der Landwirt aus Purk macht gern „so verrückte Sachen“, wie er erzählt. Er baut die alten Getreidesorten Emmer und Einkorn an, experimentiert mit einer fast vergessenen Sommerweizensorte und kam eines Tages auch auf den Hanf. Er fand heraus, dass in der Europäischen Union 35 Sorten Nutzhanf zugelassen sind, allesamt mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent und damit kein Fall für das Betäubungsmittelgesetz.

Es ist angerichtet: Nudeln, Käse und mehr. Hanf soll gut für die Gesundheit sein – und das Immunsystem. 

THC ist die psychoaktive Substanz der Pflanze, die in höherer Konzentration für die berauschende Wirkung verantwortlich ist. Rottenkolber hat festgestellt, dass die Beschäftigung mit Hanf in jedem Fall „die Stimmung hebt“. Was er über die Pflanze und ihre Nutzungsmöglichkeiten weiß, hat er sich selber angelesen und erarbeitet, denn eine offizielle Beratung suchte der Landwirt vergeblich. Aussaat und Pflege der relativ anspruchslosen Pflanze seien nicht das große Problem, erzählt der Vater von vier Kindern. „Aber bei den Sorten, die drei bis vier Meter hoch werden, ist die Ernte schwierig.“

In einem umgebauten Stall wartet die Schälmaschine auf die Körnerernte. 

Auf einem Feld bei Römertshofen steht der Hanf heuer nicht so hoch. Im Frühjahr haben sich die Krähen an den Körnern bedient, und zwar so gründlich, dass sich kein einziges grünes Hälmchen zeigte. Rottenkolber musste nachsäen und verlor sechs Wochen Zeit. Die Pflanzen haben sich trotzdem noch gut entwickelt.

In einem umgebauten Stallgebäude wartet die Schälmaschine auf die diesjährige Körnerernte. Hanf ist ganzheitlich nutzbar – das Stroh soll als Baustoff für das erste bayerische Hanfhaus dienen, das der Verein „Park der Vielfalt“ in Herrsching (Landkreis Starnberg) bauen will. Man verspricht sich von dem ungewöhnlichen Baumaterial ein besonders gutes Raumklima.

Auch schon eine Expertin auf dem seltenen Gebiet: Elisabeth Rottenkolber.

Was Hanf als Lebensmittel betrifft, haben sich Franz Rottenkolber und seine Frau Elisabeth schon zu wahren Experten entwickelt. Der Landwirt kann die Bezeichnungen sämtlicher ungesättigter Fettsäuren und Vitamine herunterrattern, die im Hanfsamen stecken. Das Korn sei die reinste Gesundheitsbombe. Franz Rottenkolber hat sich angewöhnt, jeden Tag mit einem Stamperl Hanföl zu beginnen. „Das ist gut fürs Immunsystem.“ „Jeder würde das nicht herunterbringen“, sagt seine Frau. Ihre Schokoplätzchen mit Hanfkörnern dagegen dürften den meisten Menschen munden.

Bei regionalen Märkten wie dem Türkenfelder Bauern- und Handwerkermarkt (noch am 3. Oktober) staunen die Besucher über ein Sortiment aus Nudel- und Käsesorten mit dem vielseitigen Getreide. „Viele wissen nicht, was man aus Hanf alles machen kann“, sagt Elisabeth Rottenkolber. „Wir fahren auch deshalb auf Märkte, um die Leute aufzuklären.“ Ihrer Familie schmecken die Samen auch in Salat oder Müsli, auf Brot oder als Panat. Bei Franz Rottenkolber hängt das Erzeugnis mittlerweile sogar im Kleiderschrank – er hat sich aus den Fasern ein paar Hemden nähen lassen und freut sich darüber, dass die Pflanze in der Textilwirtschaft langsam wieder Fuß fasst. „Hanf ist und bleibt spannend.“

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