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An Heiligabend ist Schluss: Traditionsbäckerei macht nach 85 Jahren zu

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Von: Ulrike Osman

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Bäckermeister Markus Graf und Verkäuferin Michaela Blank vor der Bäckerei Graf in Moorenweis. An Heiligabend ist das Geschäft das letzte Mal geöffnet.
Bäckermeister Markus Graf und Verkäuferin Michaela Blank vor der Bäckerei Graf in Moorenweis. An Heiligabend ist das Geschäft das letzte Mal geöffnet. © Osman

Wieder steht das Ende eines Traditionsbetriebs bevor. Die Bäckerei Graf in Moorenweis schließt zum Jahresende. Inhaber Markus Graf hat lange mit sich gerungen, doch letztlich sah er keine andere Möglichkeit.

Moorenweis – Es kommen mehrere Gründe zusammen, sagt der 56-jährige Bäckermeister. Der Wichtigste: „Man findet kein Personal mehr.“ Bisher haben seine Eltern noch mitgearbeitet – Vater Anton steht jede Nacht mit in der Backstube. Doch inzwischen ist er 84 Jahre alt, Mutter Walburga 79. Die Kräfte lassen nach, die beiden sollen endlich kürzer treten.

Traditionsbäckerei in Moorenweis schließt - Kein Nachwuchs zu finden

Einen angestellten Mitarbeiter für die Backstube zu finden, sei schier unmöglich, so Markus Graf. „Es gibt keinen Nachwuchs.“ Von seinen sechs Mitarbeiterinnen im Verkauf wollen einige aufhören. Auch für sie finde sich kein Ersatz. Außerdem würden Investitionen in neue Maschinen anstehen.

Traditionsbäckerei im Kreis Fürstenfeldbruck schließt - Die Energiekosten

Und schließlich kämpft die kleine Bäckerei – wie alle anderen Betriebe und Privathaushalte – mit den hohen Energiekosten und der allgemeinen Preissteigerung. „Das ist einfach alles zu viel geworden“, bedauert Markus Graf.

Er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ein halbes Jahr habe er darüber nachgedacht und den Moment, in dem er Kunden und Mitarbeiterinnen informierte, immer wieder hinausgezögert. Der 24. Dezember wird der letzte Verkaufstag sein. Dann endet eine fast 85-jährige Tradition.

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Markus Grafs Großvater Anton eröffnete die Bäckerei in der Fürstenfeldbrucker Straße im Jahr 1938. Später übernahm sie sein Sohn. 2005 ging der Betrieb in dritter Generation an Markus Graf über. Bis auf wenige Umbauten hat sich das Geschäft seit der Zeit seines Großvaters kaum verändert.

Bäckerei in Moorenweis schließt: Im Ort ist man traurig

Im Ort ist man traurig über die bevorstehende Schließung. „Die Kunden bedauern es sehr. Sie lieben meine Brezen“, erzählt Markus Graf. Mit Öffnungszeiten ab halb sechs Uhr morgens ist die Bäckerei mit Stehcafé auch für frühe Pendler eine willkommene Anlaufstelle. Und viele Kunden wussten zu schätzen, dass neben frischen Backwaren immer Zeit war für ein Lächeln und ein freundliches Wort.

Wie es für ihn weitergehen wird, weiß der 56-Jährige noch nicht. Vielleicht sucht er sich einen Job in einer anderen Bäckerei, vielleicht fängt er etwas ganz Neues an. „Das steht in den Sternen.“ So viel arbeiten wie in den letzten Jahrzehnten will er aber nicht mehr. Lange genug hat der Wecker fünfmal in der Woche kurz vor Mitternacht geklingelt.

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