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In luftiger Höhe: Hubert Leib auf dem Kirchturm von St. Ottilien. Mit seiner Firma hatte er den Turm neu eingedeckt.

„Man kann viel Positives bewirken“

Hubert Leib verabschiedet sich nach 36 Jahren aus dem Moorenweiser Gemeinderat

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Seit er 28 Jahre alt ist, gehörte Hubert Leib dem Gemeinderat in Moorenweis an. Nach 36 Jahren ist jetzt Schluss.

Moorenweis – 28 Jahre war Hubert Leib jung, als er zum ersten Mal in den Moorenweiser Gemeinderat gewählt wurde. Von den meisten seiner Kollegen trennten ihn Jahrzehnte, wirklich ernst nahm man ihn nicht. Doch der Spengler- und Dachdeckermeister ließ sich nicht beirren. Aus den schwierigen Anfängen wurde eine lange kommunalpolitische Karriere. Mit dem Ende der letzten Sitzungsperiode hat Leib nach 36 Jahren seinen Hut genommen.

Drei Bürgermeister hat er erlebt

Apropos Hut: Als sich jüngst in der Mehrzweckhalle der neue Gemeinderat konstituierte, saß Leib als Zuschauer im schwarzen Jackett auf der Empore, auf dem Kopf eine schwarze Melone. Auch Ex-Kollege Ottmar Müller war gekommen. Über die Brüstung hängten die beiden dunkelrote Tücher. Wieso das Ganze? „Wir wollten Waldorf und Statler darstellen, die zwei Alten, die in der Muppet-Show immer vom Balkon herunter granteln. Das war unsere letzte Nummer“, erzählt Leib und will sich schier ausschütten vor Lachen.

Seinen Humor hat er in all der Zeit nie verloren. Selbstverständlich war es nicht, dass er damals als Junior eines örtlichen Betriebs in den Gemeinderat ging. Andere Gewerbetreibende scheuten davor zurück, aus Angst, mit manchem Abstimmungsverhalten Kunden zu vergrätzen. Leib aber wollte sich einbringen in seinem Heimatort, und er ermutigt auch heute den Nachwuchs. „Man kann viel Positives bewirken.“

Drei Rathauschefs hat er miterlebt, selbst war er lange Zweiter, zuletzt Dritter Bürgermeister. Unter Heinz Sasse, dem Vorgänger von Amtsinhaber Joseph Schäffler, änderte sich der Stil im Gemeinderat. Statt in den Sitzungen mit parteipolitischem Gezänk Energie zu vergeuden, wurden Entscheidungen sorgfältig vorbereitet. Die wöchentliche Bürgermeisterrunde beim Wirt, zu der der Rathauschef alle Fraktionssprecher einlud, wurde ein Fixpunkt. „Der Sasse hatte vier Fehler. Er war a Preiß’, er war bei der SPD, evangelisch und geschieden“, erinnert sich Leib schmunzelnd. „Er konnte gar nicht anders, als den Konsens zu suchen.“ Dass im Moorenweiser Rat weniger gestritten wird als anderswo, ist bis heute so geblieben.

Auch das Verhältnis zwischen den Ortsteilen der Flächengemeinde hat sich positiv entwickelt. Als Leib in den Gemeinderat kam, lag die Gebietsreform erst wenige Jahre zurück. Es gab noch Ortschaftsvermögen der ehemals selbstständigen Gemeinden, und jedes Dorf achtete darauf, dass sein Geld auch ja für örtliche Projekte ausgegeben wurde. „Irgendwann war alles aufgebraucht. Da waren wir alle froh.“

Er pflegte Kontakte in jedes Dorf

Um das Zusammenwachsen der Gemeindeteile zu fördern, ließ sich Leib überall auf Veranstaltungen sehen und pflegte Kontakte in jedes Dorf. Die Bürger belohnten ihn, indem sie ihn bei den Wahlen oft zum Häufelkönig machten.

Leibs Expertise als Handwerker kam der Gemeinde mehrfach zugute. Der Vater dreier Söhne übernahm die Bauleitung bei der Erweiterung des Moorenweiser Feuerwehrhauses und ersparte dem kommunalen Säckel das Architektenhonorar. Bei der Sanierung des Rathauses setzte er sich gegen den Willen des Planers für einen nicht-brennbaren Dämmstoff im Dach ein. „Ansonsten hätten wir das Dach inzwischen wieder herunterreißen müssen.“

Er hat auch manche Kröte geschluckt. Zum Beispiel die, dass er 2014 nicht mehr zum Zweiten Bürgermeister gewählt wurde, obwohl die CSU die absolute Mehrheit der Sitze errungen hatte. Doch im Sinne des Konsens’ mit den anderen Fraktionen trug er den Wunsch mit, Rudi Keckeis von der Bürgervereinigung zum Vize zu wählen.

Kraft schöpfte er im indischen Ashram

Auf Tuchfühlung mit dem Dickhäuter: Leib besucht eine Elefantenpflegestation in Indien.

64 Jahre ist Hubert Leib jetzt alt und zweifacher Großvater. Nun ist’s genug mit der Kommunalpolitik und anderen Ehrenämtern und mit der Arbeit eigentlich auch. Gerne würde er sich nächstes Jahr aus dem Familienbetrieb zurückziehen. „Aber ich weiß nicht, was die Corona-Krise uns bringen wird.“ Wenn er noch gebraucht wird, bleibt er, das ist keine Frage. Auch falls sie etwas später kommt – auf mehr Zeit für ausgiebige Segelturns, für Ausflüge mit dem E-Bike und für sein Hobby Ornithologie freut er sich. Was er sich in den letzten 26 Jahren nie hat nehmen lassen, war eine jährliche Indien-Reise. Drei, vier Wochen Ruhe finden in einem hinduistischen Ashram – das hat ihm immer wieder Kraft gegeben. Auch für die Kommunalpolitik.

Weitere Nachrichten aus der Gemeinde Moorenweis finden Sie hier.

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