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Beim Festakt: Bürgermeister Jo seph Schäffler (l.) und Vize-Landrat Johann Wieser saßen in der ersten Reihe. Am Rednerpult Direktor Ewald Wimmer. 

Grunertshofen bei Moorenweis

Landschulheim feiert mit Kult-Regisseur Vilsmaier

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„Wennst net parierst, kommst in die Anstalt“, soll früher in der Region eine gern gebrauchte Drohung gewesen sein. Gemeint war das Katholische Landschulheim Schloss Grunertshofen.

Grunertshofen–  Es wurde vor 120 Jahren gegründet und war bis 1935 eine Erziehungsanstalt für Knaben. Heute wird die Schule ganz anders gesehen – zum Jubiläum kam sogar echte Prominenz.

„Für die Kinder ist das hier eine kleine Insel der Glückseligkeit“, weiß Elternbeiratsvorsitzender Wilhelm Peter. Auch Joseph Vilsmaier hatte in Grunertshofen „eine super Zeit“. Der bayerische Kult-Regisseur ließ am Samstag sogar einen Termin auf dem Münchner Filmfest sausen, um bei der Jubiläumsfeier seiner alten Schule dabei zu sein.

Ausgebüxt

1949 war Vilsmeier als Zehnjähriger ins Internat gekommen, das das Landschulheim damals noch war. Weil ihn in den ersten Monaten das Heimweh schier umbrachte, büxte er nach Hause aus. „Der Vater hätt’ mich daheim bleiben lassen, die Mutter hat mich zurückgeschickt.“ Sie behielt recht.

Tatsächlich lebte der junge Vilsmaier sich bald so sehr in Grunertshofen ein, dass die Eltern nicht mal mehr zu Besuch kommen brauchten. Besonders Schwester Flaviana hatte es dem Buben angetan, eine der Armen Franziskanerinnen von Mallersdorf, die die Internatszöglinge betreuten. „In die war ich verliebt.“

In guter Erinnerung hat der 80-Jährige auch die Begegnung mit Vize-Landrat Johann Wieser. Spielten die beiden in gegnerischen Fußballmannschaften, soll Vilsmaiers Team meist die Oberhand behalten haben.

Heilpädagogische Tagesstätte

Viel hat sich geändert seit jener Zeit. Vor allem in den letzten 20 Jahren hat die Schule große Umwälzungen erlebt. Das einstige Volksschulinternat ist heute eine staatlich anerkannte Grund- und Mittelschule mit Krippe, Kindergarten und Hort sowie sozial- und heilpädagogischen Tagesstätten und Wohngruppen. Lehrer und Erzieher arbeiten hier „wie Gärtner, die verschiedene Pflanzen pflegen“, lobte Rudolf Keckeis aus dem Verwaltungsrat des Trägervereins St. Vinzentius.

Dass in Grunertshofen mehr auf die Kinder eingegangen werde als an anderen Schulen, bestätigte Elternvertreter Wilhelm Peter. „Das Klima ist hier ganz anders.“ Integration und Inklusion seien tägliche Praxis. „Unser Anspruch ist es, die jungen Menschen ganzheitlich zu fördern, so dass sie ihren Lebensweg erfolgreich gehen können“, so Direktor Ewald Wimmer.

Wichtige Einrichtung der Jugendhilfe

Für den Landkreis ist die Einrichtung ein unverzichtbarer Partner. Als „größte und wichtigste Jugendhilfeeinrichtung“ sei sie nicht wegzudenken, betonte Vize-Landrat Wieser. Derzeit hat das Brucker Jugendamt 95 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige in Grunertshofen untergebracht. „Die geordneten Verhältnisse, die sie hier erfahren, geben Orientierung.“

Dass die Schule auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge willkommen hieß und damit der Gemeinde Moorenweis einen Teil ihrer Aufnahmequote abnahm, würdigte Bürgermeister Joseph Schäffler. Er unterstrich außerdem die guten Beziehungen zwischen Schule und Ortschaft. So können die Bürger die Sporteinrichtungen der Schule nutzen.

Der Schulchor lieferte eine schwungvolle musikalische Einlage. Nach dem Mittagessen unter Kastanien sorgten die Schüler mit einer Zirkusvorführung für den krönenden Abschluss des Festtags.

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