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„Wenn Tauben zwinkern, haben sie Durst.“ Peter Sigl kennt seine gefiederten Freunde in- und auswendig.

Prämierte Vogelzucht

Mit den Tauben auf Du und Du

Römertshofen – Peter Sigl ist Herr über 125 gefiederte Freunde. Seine Brieftauben haben dem Vogelzüchter aus Römertshofen schon viele Preise gebracht.

 Friedlich sitzt Nummer 510 in Peter Sigls Hand. Der Kopf ruckt tauben-typisch vor und zurück, fast scheint sich der graue Vogel an Sigls graue Jacke zu schmiegen. Auch als der Züchter behutsam einen Flügel auffächert, zeigt der Täuberich keinen Widerwillen. „Alle zehn Schwingen erneuern sich einmal im Jahr“, erklärt Sigl und deutet auf die äußerste Schwungfeder, die erst halb so lang ist wie die anderen. Hat sie ihre volle Länge erreicht, ist Nummer 510 für dieses Jahr mit der Mauser fertig und kann wieder auf Preisflüge gehen, wenn im Mai die Saison startet.

Dass Brieftauben als Namen lediglich Ziffern haben, heißt nicht, dass sie für ihre Besitzer nur eine Nummer sind. Peter Sigl kennt jeden seiner 125 Vögel vom Schnabel bis zur Schwanzspitze und kann zu jedem eine Geschichte erzählen. „Ich bin ein wahnsinniger Tauben-Liebhaber.“ Nummer 532 ist sein erfolgreichstes Weibchen. „Nummer 510 ist der Sohn von 512 und der Enkel von 156“, erzählt der 66-Jährige. Alle drei Tauben-Männchen haben ihm schon Preise eingebracht, für 512 ist die aktive Karriere allerdings vorbei.

Sigl setzt sich den Vogel auf die Hand und streicht vorsichtig mit dem Finger über das Köpfchen. Das Gefieder am Hals des Täuberichs schimmert in der Wintersonne violett und grün. „Er ist auf einem Auge blind, seit ihn der Habicht gejagt hat“, erzählt Sigl bedauernd. Auf seiner panischen Flucht vor dem Raubvogel flog 512 damals mit Karacho gegen die Glasscheibe des Wintergartens. Sigl saß drinnen, von wo er gern seine Tauben beoachtet, und musste die Szene mit ansehen.

An diesem strahlenden, kalten Wintermorgen hat der Züchter aus dem Moorenweiser Ortsteil Römertshofen noch keinen seiner fünf selbstgebauten Taubenschläge geöffnet. Er will die Vögel erst am Nachmittag fliegen lassen, „wenn der Habicht hoffentlch schon was anderes gefressen hat“. Schon seit Kindertagen beschäftigt sich Peter Sigl mit Brieftauben: Er ist Vorsitzender der Reisevereinigung München-Dachau und des Züchtervereins „Eilbote Moorenweis“, der außer ihm allerdings nur noch zwei aktive Mitglieder hat – ein Vater-Tochter-Duo aus Kottgeisering. Nachwuchs zu rekrutieren ist schwierig. Ein paar Mal wollte Sigl Jugendliche an das Hobby heranführen, übernahm sogar die Vereinsbeiträge für sie. Doch es war immer das gleiche. „Kaum wurden die Mädchen interessant, haben sie aufgehört.“

Er selber hat das Hobby, das er durch seinen Vater kennenlernte, nie aufgegeben. Nicht, als die Mädchen interessant wurden, nicht während seines Berufslebens – zuletzt als Unterkunftsverwalter auf dem Brucker Fliegerhorst –, und erst recht nicht jetzt, als Rentner und begeisterter Großvater von zwei Enkelkindern. Die beiden vierjährigen Zwillinge dürfen gerne im Taubenschlag mithelfen, „auch wenn ich danach meist mehr Arbeit habe als vorher“, sagt Sigl und schmunzelt.

Wie bei fast jedem Sport gibt es auch in der Welt der Brieftauben Auswüchse, über die der Römertshofener den Kopf schüttelt. Dass vielversprechende Vögel für Tausende von Euro gehandelt werden zum Beispiel, oder dass manche Züchter mit Kunstlicht „den Tag verlängern“, um ihre Pärchen auch im Winter zum Brüten zu animieren. Der 66-Jährige lehnt solche Methoden ab. „Es soll alles natürlich bleiben.“

Seine Vögel, die ihm etliche Preise, Pokale, Titel, Urkunden und sogar eine Goldmedaille einbrachten, hat er selbst gezüchtet, mit befreundeten Tauberern getauscht oder für wenig Geld erworben. Den Erfolg hat er sich nicht erkauft, sondern erarbeitet – mit viel Wissen über das Verhalten der Tiere („Wenn Tauben zwinkern, haben sie Durst“), mit den richtigen Futtermischungen und -mengen („Im Winter fettreiche und im Sommer eiweißreiche Körner“) und mit dem richtigen Umgang. „Was ich an Ruhe ausstrahle, kommt von den Tieren zurück“, weiß Sigl. Nicht zuletzt deshalb bedeutet die Arbeit im Taubenschlag für ihn die pure Entspannung.

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