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Gründerin des Demenz-Chors: Kerstin Müller ist Krankenschwester und arbeitet im ambulanten Pflegedienst. Sie bildet sich weiter zur gerontopsychiatrischen Fachkraft.  

Musik wirkt sich positiv aus

Erster Demenz-Chor im Landkreis singt los

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Singen macht auch dann noch Freude, wenn andere Fähigkeiten bereits nachgelassen haben. Kerstin Müller, Krankenschwester und Mitarbeiterin im ambulanten Pflegedienst der Nachbarschaftshilfe Moorenweis, gründet deshalb jetzt den ersten Demenz-Chor im Landkreis.

MoorenweisDas kostenlose Angebot richtet sich an Erkrankte, ihre Angehörigen und jeden anderen Interessierten in der ganzen Region. Der Chor wird sich einmal im Monat in den Räumen der Nachbarschaftshilfe in Moorenweis treffen.

„Ich bin sehr gespannt auf die Resonanz“, sagt Kerstin Müller. Dass Demenz-Chöre funktionieren, weiß sie – in größeren Städten gibt es das Angebot längst. Die positiven Effekte auf die Mitsänger sind vielfältig. „Musik schafft Wohlbefinden und wirkt auf viele Demenz-Patienten entspannend“, erklärt die 48-Jährige.

Musik kann verschüttete Ressourcen im Kopf wachrufen

Außerdem löst die komplexe Verarbeitung von Musik im Gehirn Verknüpfungen von Gefühlen und Erinnerungen aus und kann verschüttete Ressourcen wachrufen. „Durch die breite Vernetzung im Gehirn bleibt bei vielen Demenz-Patienten das Singen länger erhalten als das Sprechen.“ Es gibt auch einige Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung gegen Demenz. 

Das Angebot richtet sich vor allem an Betroffene, die zu Hause betreut werden. Das Ganze hat aber nicht den Charakter einer Tagespflege – die Begleitung durch Angehörige ist ausdrücklich erwünscht. Dies auch deshalb, weil das Singen ein Gemeinschaftserlebnis sein soll, bei dem der Angehörige den Erkrankten anders erlebt als daheim im Alltag. „Musik wirkt auf der emotionalen Ebene – genau dort also, wo sich Demenz-Kranke bewegen“, so Müller. „Das Singen fährt Aggressionen und Stress herunter und beruhigt.“

Sie sieht den Chor auch als Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe für einen Personenkreis, für den die meisten anderen Angebote nicht mehr in Frage kommen, weil Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit fehlen. Die Chor-Treffen sollen lediglich eine Stunde dauern, um niemanden zu überfordern.

Die musikalische Leitung des Demenz-Chors übernimmt Ehrenkreischormeister Norbert Steinhardt

Die Idee kam der Mutter von drei Kindern im Rahmen einer Fortbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft. Dafür muss sie ein eigenes Projekt auf die Beine stellen – und da sie selber bei der Liedertafel Moorenweis singt, lag die Gründung des Demenz-Chors quasi auf der Hand.

Kerstin Müller wird bei jedem Treffen dabei sein und zu Beginn mit den Teilnehmern Atem- und Bewegungsübungen machen. Die musikalische Leitung übernimmt Norbert Steinhardt, Ehrenkreischormeister des Brucker Sängerkreises und bis Ende vergangenen Jahres Leiter der Liedertafel.

Nach über einem halben Jahrhundert in verschiedenen musikalischen Ehrenämtern wollte sich der 73-jährige Norbert Steinhardt eigentlich nichts Neues mehr auftun. Doch die Idee des Demenz-Chors gefällt ihm. „Ich will vor allem Starthilfe geben.“

Gesungen werden sollen bekannte Volkslieder, Evergreens und Schlager, die in der Jugendzeit der Senioren populär waren. Steinhardt wird den Gesang mit Akkordeon und E-Piano begleiten.

Das erste Treffen des Demenz-Chors findet am Montag, 1. Juli, ab 10 Uhr im Alten Pfarrhof in Moorenweis statt (Ringstraße 26). Die weiteren Termine sind jeweils am ersten Montag im Monat. Die Teilnahme ist kostenlos. Eingeladen sind Demenz-Kranke, Angehörige und Interessierte aus dem gesamten Landkreis.

Weitere Nachrichten aus Moorenweis: Die Umgehungsstraße um den Ort ist vorerst gestorben. 

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