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Wurzeln krallen sich ins Fundament. Mehr ist von der Kresshütte nicht übrig.

Moorenweis

Vergessene Orte im Landkreis Fürstenfeldbruck: Das dramatische Ende der Kresshütte

Die Geschichte über die Kresshütte beginnt mit ihrem Ende. Und das hat sich Franz Greif für immer ins Gedächtnis gebrannt.

Moorenweis –  16 oder 17 ist er damals, so genau weiß das der heute 65-Jährige nicht mehr. Auf jeden Fall muss es im Sommer gewesen sein. Denn der junge Bursche ist gerade damit beschäftigt, das Heu auf den Feldern südöstlich von Moorenweis einzufahren, als aus einem nahen Waldstückchen plötzlich Rauch aufsteigt. „Ich bin runter vom Schlepper und hingerannt“, erinnert sich Greif.

Schnell entdeckt er die Quelle des Qualms. Ein altes Jagdhaus, das sie in Moorenweis nur als so genannte Kress-Hütte kennen, steht in Flammen. Doch ohne seine Kollegen kann der junge Bursche, der erst seit Kurzem bei der Feuerwehr ist, nicht viel ausrichten. Neben der Hütte steht noch ein Schuppen. Was sich dort gleich abspielt, wird der Moorenweiser sein Leben lang nicht vergessen. „Wie von Geisterhand ist die Tür aufgegangen. Im Türstock hing ein Mann mit einer Schlinge um den Hals.“ Franz Greif ist geschockt.

Schwere Brandverletzungen

In diesem Moment treffen die ersten Kameraden von der Feuerwehr ein. Zusammen befreien sie den etwa 50 Jahre alten Mann. Er lebt. Doch die Helfer stellen auch fest, dass der Unbekannte schwere Brandverletzungen davongetragen hat. „Der muss in dem brennenden Haus gewesen sein“, denkt sich Greif. Erst langsam reift die Erkenntnis, dass sie gerade noch einen Suizid verhindert haben. Der Mann wird mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Er überlebt. Für die alte Jagdhütte aber gibt es keine Rettung. „Wir hatten kein Löschwasser“, sagt Greif. Deshalb lassen sie das Gebäude kontrolliert abbrennen.

Heute, knapp 50 Jahre später, hat sich die Natur das Areal zurückgeholt. In das Beton-Fundament krallen sich Wurzeln, ein paar Ziegelsteine zeugen von einem längst vergangenen Gebäude.

Was den Unbekannten zu seiner Verzweiflungstat getrieben hat, wissen Franz Greif und seine Kameraden bis heute nicht. Nur, dass es offenbar auch wieder bessere Zeiten für ihn gegeben haben muss. „Zwei Jahre später hat er der Feuerwehr in der Wirtschaft zehn Maß Bier spendiert“, sagt Greif.  tog

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