Ein Bus fährt durch die enge Lindenstraße.
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Ein Bus fährt durch die enge Lindenstraße.

Moorenweis

Enge Straße – und trotzdem kurven Busse

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Eng und kurvig schlängelt sich die Lindenstraße durch Moorenweis. Weil sie die kürzeste Verbindung zwischen den beiden Ortsdurchfahrten Landsberger-/Fürstenfeldbrucker Straße und Ammersee-/Römerstraße ist, fließt hier viel Verkehr – auch solcher, der nach Ansicht einiger Bürger besser anders geführt werden sollte.

Moorenweis – „Der Verkehr in der Lindenstraße nimmt seit Jahren extrem zu“, berichtet Anwohner Harry Baumann. Neben Pkw rollen vier MVV-Buslinien, Schulbusse inklusive Leerfahrten und Lkw durch die Dorfstraße. Immer wieder komme es zu Begegnungsverkehr in engen Kurven. Die Fahrzeuge müssten dann auf den – abgesenkten – Gehsteig ausweichen oder zurücksetzen, weil sie nicht aneinander vorbeikommen, hat der 57-Jährige beobachtet.

Den Diplom-Ingenieur ärgert, dass keine Verbesserung der Situation in Sicht ist. Die geplante Ortsumgehung hat der Landkreis bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Von Seiten der Verantwortlichen sei keine Initiative zu erkennen, die Lindenstraße zu entlasten und zumindest für die Busse eine andere Verkehrsführung zu finden. „Ich vermisse, dass man sich überhaupt Gedanken macht“, sagt Baumann.

Verkehrsschau verschoben

Er wollte das Thema im Herbst bei der jährlichen Verkehrsschau von Gemeinde-, Landkreis- und weiteren Behördenvertretern ansprechen. Doch der Termin wurde coronabedingt aufs Frühjahr verschoben.

Hermann Seifert, ÖPNV-Beauftragter des Landkreises, kennt allerdings die Klagen bezüglich der Busse schon. Sie kommen aus Bruck, Jesenwang und Mammendorf und fahren über Moorenweis nach Dünzelbach. Würde man die Strecke ändern, müssten die Busse einen Umweg über die Landsberger Straße, den Kreisverkehr am westlichen Ortsrand und die Ammerseestraße fahren. „Das stört dann vielleicht andere Anwohner“, gibt Seifert zu bedenken und weist darauf hin, dass die Strecke direkt vor der Grundschule vorbeiführen würde – was als Sicherheitsrisiko für die Kinder betrachtet werden könnte. Außerdem würden die Haltestellen in der Lindenstraße wegfallen, manche Fahrgäste müssten längere Fußwege in Kauf nehmen.

„Aber letztlich ist es die Entscheidung der Gemeinde“, stellt Seifert klar. „Wenn sie die Umleitung will, muss sie Ersatzhaltestellen schaffen und den Mehraufwand bezahlen.“ Durch den größeren Zeit- und Kilometeraufwand dürfte nach seiner Schätzung pro Jahr ein fünfstelliger Betrag zusammenkommen, den die Gemeinde übernehmen müsste.

Bürgermeister Joseph Schäffler (CSU) kann nachvollziehen, dass die Situation für die Anwohner nicht einfach ist. Wenn er nach Feierabend durch die Lindenstraße heimradelt, hat er schon öfter beobachtet, dass die Busse anscheinend ihre Begegnungen vorausahnen – einer wartet dann vor der Kurve. „Ideal ist das nicht“, räumt Schäffler ein.

Midi-Busse ab Ende 2021

Hoffnung macht ihm die Ankündigung Seiferts, dass ab Dezember 2021 für den Linienverkehr sogenannte Midi-Busse eingesetzt werden sollen. Sie sind zwei Meter kürzer als die großen Gelenkfahrzeuge. Zumindest der Begegnungsverkehr werde damit einfacher.

Ob aber die Lindenstraße längerfristig für den Busverkehr geeignet ist, bezweifelt auch der Rathauschef. Denn der Landkreis hat das Ziel, den ÖPNV bis 2028 barrierefrei zu machen. Dazu gehört ein Umbau der Haltestellen, der in der engen Lindenstraße aus Platzmangel kaum möglich sei. Als Alternative kann Schäffler sich vorstellen, die Ringstraße in ein Verkehrskonzept einzubeziehen. Dort wäre es nach seinen Worten eher denkbar, behindertengerechte Haltestellen zu errichten.

Bus-Haltestelle direkt vor Haustür

Sollte es so kommen, wird das nicht zuletzt Harry Baumann freuen. Denn im Moment liegt eine der Bushaltestellen direkt vor seinem Anwesen. Bei Regen stehen wartende Fahrgäste wie selbstverständlich in seiner überdachten Einfahrt. Oft landen Abfall und Zigarettenkippen auf seinem Grundstück statt in dem Mülleimer, den die Gemeinde installiert hat.

„Wenn das Busnetz in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut wird, besteht Handlungsbedarf“, ist Bürgermeister Schäffler überzeugt. Er will Anwohner und Experten zum Gespräch zusammenbringen – bei der Verkehrsschau, die im Frühjahr hoffentlich stattfinden kann.

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