10 000 Quadratmeter Natur pur

Das Paradies auf Brandenbergs Erden

Ein blauer Bauwagen mitten im Grünen, ein Stück Land, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, welche Vielfalt es beherbergt – das ist der Paradiesgarten Brandenberg. Ein Grüppchen Idealisten um den Schöngeisinger Rudolf Ende hat ihn angelegt.

Brandenberg Versteckt zwischen hohem Gras liegen Gemüse- und Blumenbeete, wachsen junge Obstbäume. In einer Ecke soll ein Teich entstehen, in der Mitte ein Weiden-Tipi. Ganz bewusst erinnert hier nichts an einen konventionellen Garten. Das gefällt nicht jedem. „Manche Menschen empfinden das Natürliche als ungepflegt“, sagt Ende. „Sie haben den Eindruck, wir lassen hier alles verkommen.“ Doch das ist mitnichten so. Die rund zehn Aktiven des Paradiesgarten-Vereins im Moorenweiser Ortsteil Brandenberg haben schon viel Arbeit in den ehemaligen Acker gesteckt.

Beim Rundgang über den holprigen Boden zeigt Ende auf Erdbeerpflanzen und Rhabarbersträucher, auf ein kleines Kartoffelfeld und auf wilde Kräuter. Ein Drittel der Fläche soll nicht bearbeitet werden. „Wir beobachten, was die Natur dort macht“, sagt Rudolf Ende (66). Doch auch für den kultivierten Bereich gilt: „Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.“ Ende ist Sozialpädagoge, hat lange in der Wohnungslosenhilfe bei der Stadt München gearbeitet und saß zwölf Jahre für die Bürgervereinigung Schöngeising im dortigen Gemeinderat. Schwerpunktthemen waren Umwelt, Kultur und Soziales.

Nach seinem Ruhestand engagierte er sich in einer regionalen Genossenschaft, die das Ziel hatte, Bürger an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu beteiligen. Die „Prosumenten“ sollten mitarbeiten, mitreden, mitentscheiden können. Doch das Ganze blieb in der Theorie hängen. Ende wollte konkret anpacken. Er ging im Internet auf die Suche nach einem Grundstück für einen Gemeinschaftsgarten und wurde fündig.

Zusammen mit seiner Frau kaufte er eine 10 000 Quadratmeter große Fläche östlich von Brandenberg. Die Familie habe dafür „alles zusammengekratzt“. Das Areal sollte nicht an einen Maisbauern fallen. 2014 gründete Ende mit der Mindestzahl an Mitgliedern den Paradiesgarten-Verein. Inzwischen ist ein Biologe dazugestoßen, der unter anderem auf Permakulturen spezialisiert ist. Das sind landwirtschaftliche Ökosysteme auf der Basis von Diversität und Nachhaltigkeit – ein Glücksfall für den jungen Verein.

An Pflanz- und Aktionstagen wurden eine Streuobstwiese, Gemüse- und Blumenbeete angelegt. Dass die jungen Bäumchen mit Drahtgeflechten umzäunt werden mussten, passt nicht ganz ins Natur-Konzept. Doch anders hätten sie den Appetit der Rehe aus dem nahen Wald nicht überlebt. Ein Teich ist bereits ausgehoben, aber noch nicht gefüllt. Die Grube mit Ton auszukleiden, wäre teuer. Die Schicht könnte auch leicht von Wurzeln durchstoßen und damit undicht werden. Also doch Teichfolie? „Aber dann hat man wieder Kunststoff“, seufzt Ende. Die Diskussionen laufen noch.

An den Grundstücksgrenzen liegen Baum- und Strauchschnitt, die von Grünpflanzen überwachsen und so zu Totholzhecken werden. Auf unterschiedliche Höhen geschnitten, bieten sie Lebensräume für Vögel und Insekten. Ende: „Teilweise klappt es, teilweise nicht. Irgendwas machen wir noch falsch.“ Die Arbeit ist für alle Nutzer ein kontinuierlicher Lernprozess. Als Überraschung erwies sich, wie viel Mangold zu ernten ist, wenn nur ein Samentütchen ausgestreut wird. „Wir haben drei Riesenkisten zur Brucker Tafel gebracht.“

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