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Schon als junger Mann kam Peter Sigl zur Taubenzucht.

Moorenweis

Seit 50 Jahren züchten sie Brieftauben

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Bei Peter Sigl haben Tauben nicht nur einen Platz in seinem Garten, sondern auch in seinem Herzen gefunden. Er und seine Freunde vom Brieftaubenzuchtverein Moorenweis feierten jetzt ihr 50-jähriges Bestehen. Auf die Zukunft ihres Vereins blicken sie jedoch mit Sorge.

Moorenweis – Ihre Lieblinge schnurren und bellen nicht, sie gurren – und faszinieren durch ihr schimmerndes Gefieder, durch Orientierungssinn und Ausdauer. Ihre Vögel sind den Mitgliedern des Brieftaubenzuchtvereins Moorenweis mindestens so ans Herz gewachsen wie anderen Tierfreunden Hund oder Katze. Zum 50-jährigen Jubiläum konnte der Verein auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Am 14. November 1969 schlug im Gasthaus Schamberger die Geburtsstunde des Vereins. Peter Sigl, damals noch keine 20 Jahre alt, wurde zum Kassier gewählt. Inzwischen ist er längst Vorsitzender – und eines der ganz wenigen Gründungsmitglieder, die in der Taubenzucht so aktiv sind wie damals. 120 Vögel hegt und pflegt er daheim in Römertshofen. Viele haben dem 69-Jährigen schon Preise eingebracht.

Nur zum Spaß

Auch Josef Keller ist ein Mann der ersten Stunde, musste das Hobby aber zwischenzeitlich aufgrund einer Allergie aufgeben. Da der Moorenweiser es ganz ohne Tauben aber nicht aushielt, fand er einen Kompromiss: weniger Vögel und keine Preisflüge mehr. Heute genießt er es, seine Tauben einfach nur zu beobachten und Zeit mit ihnen zu verbringen, statt sie auf Wettbewerbe vorzubereiten. Auch Richard Metzger, ebenfalls Gründungsmitglied, hält seine 30 Vögel „nur noch zum Spaß“.

Früher war das anders. In seinen ersten Jahren erlebte der Verein einen regelrechten Höhenflug. Schon drei Wochen nach der Gründung wurde die erste Weihnachtsfeier ausgerichtet, eine Tombola brachte ein bisschen Geld in die Kasse. Aus der jährlichen Vereinssiegesfeier, bei der die Urkunden und Pokale der abgelaufenen Saison vergeben wurden, machte man ein öffentliches Ereignis mit Musik und Tanz. Das kam im Dorf gut an. „Beim ersten Mal kamen 60 Leute, im Jahr darauf schon 160“, erinnerte sich Sigl. „Ganz Moorenweis hat sich gefreut, dass wir da waren, denn da hat sich was gerührt.“

Drei aktive Mitglieder

25 Mitglieder hatte der Verein damals, „lauter fesche Burschen“, so der Vorsitzende augenzwinkernd. Die jungen Tauberer spielten auch Fußball und Theater. 1975 teilte sich die Gruppe, ein zweiter Verein wurde gegründet. Nicht etwa, weil man sich zerstritten hatte, sondern aufgrund der Wettbewerbsregeln. Sie besagen, dass kein Züchter seine Tauben selbst „einsetzen“ darf –sprich, in den Transporter verladen, der sie zum Startpunkt für Distanzflüge bringt. Auch Vereinskameraden dürfen diese Aufgabe nicht füreinander übernehmen. Dank des zweiten Vereins konnte man nun auch in Moorenweis Tauben einsetzen, statt extra aufs Lechfeld zu fahren.

Heute hat der Verein nur noch drei aktive Mitglieder. Da es auch anderswo an Züchternachwuchs mangelt, werden die Gebiete für Preisflüge immer größer und die Bedingungen dadurch immer unattraktiver.

Am Jubiläumsnachmittag in der Moorenweiser Sportgaststätte war jedoch kein Platz für Trübsinn. Wie vor 50 Jahren hatte Peter Sigl eine Tombola mit Sachpreisen und eine Versteigerung von vielversprechenden Jungtauben vorbereitet. Ob sie eines Tages Pokale gewinnen oder nicht – Freude machen werden sie ihren neuen Besitzern bestimmt. „Wenn man sich mit ihnen beschäftigt“, weiß Josef Keller, „werden Tauben genauso zutraulich wie Hunde oder Katzen.“

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