Moorenweis

Archiv unterm Dach: Er bannt die Ortsgeschichte auf Dias

Rudi Köppel sammelt historische Ansichten seiner Moorenweiser Heimat und archiviert sie auf Dias. Seine Sammlung umfasst mittlerweile mehr als 700 dieser ganz besonderen Fotos.

Moorenweis – Oben unterm Dach, auf dem ehemaligen Heuboden seines Hauses, hat Rudi Köppel sich sein Reich eingerichtet. An den Wänden Regale voller Geschichtsbücher und alter Schallplatten, seine Schieß-Pokale, ein gemütliches Sofa, in einer Ecke ein Fotostudio Marke Eigenbau, gegenüber ein Bild seines Vaters neben einem von Reichskanzler Bismarck.

Hier verbringt der 67-Jährige Köppel viele Stunden des Tages und der Nacht, arbeitet an Fotos, liest in seinen historischen Wälzern und hat gute Ideen. Wie zum Beispiel die, den Moorenweisern die Geschichte ihres Dorfes in einem Diavortrag näherzubringen. Nachts kommen ihm Bilder aus seiner Jugend in den Sinn – einzelne Häuser und Straßen fallen ihm ein, die Zeit, als der Ort sein eigenes Freibad besaß und die Anwesen noch Namen hatten und keine Nummern waren. Dann macht sich Rudi Köppel bei seinen Mitbürgern auf die Suche nach alten Fotos.

Hunderte hat er in zweieinhalb Jahren zusammengesammelt und als Dias reproduziert. Sie reichen zurück bis 1870, als zur Einweihung des Kriegerdenkmals erstmals jemand auf den Auslöser drückte, um ein Stück der damals größten Gemeinde im Brucker Raum für die Nachwelt festzuhalten. Auf 600 Einwohner kamen zu jener Zeit 400 Gewerbebetriebe, darunter drei Wirtshäuser, drei Metzgereien, drei Lebensmittelgeschäfte, ein Sägewerk und ein Café. „Das Dorf wollte autark sein“, weiß Rudi Köppel. „Zusammenhalten wie die Moorenweiser“ war in der Gegend eine gängige Redewendung.

Die TSV-Halle war gerammelt voll, als der 67-Jährige im Frühjahr seine historischen Foto-Schätze präsentierte. Sofort wurden Rufe nach einer Wiederholung laut – und keineswegs nur von denen, die den Termin verpasst hatten.

Am 17. November soll es soweit sein, mit zusätzlichen Bildern, aber ansonsten unverändert. Er wird wieder den alten Diaprojektor aufbauen, den er mit einer generator-betriebenen Hochleistungs-Lampe getunt hat. Wird ein paar Stunden lang erzählen und sich freuen, dass die Leute ihm gebannt zuhören und dabei essen und trinken, so wie früher, als er manchmal Vorträge in Gasthöfen gehalten hat.

„Ich will es so haben wie in der alten Zeit“, erklärt der zweifache Vater und zweifache Großvater. Manche sagten hinterher, sie hätten ihm das gar nicht zugetraut. Wenn er sowas hört, lächelt Rudi Köppel in sich hinein und denkt: „Oh mei, was wisst ihr schon von mir?“

Er hat eine Menge Interessen und Talente, der Mann mit dem kunstvoll getrimmten weißen Bart, der Lederweste und der Pfeife. Nachdem ein Dorfschullehrer vor über 50 Jahren bei ihm das Interesse an der Weltgeschichte weckte, hat er sich ein umfangreiches Wissen angelesen. Er ist Mitglied in drei Schützenvereinen, unter anderem einem für Cowboy-Action-Shooting, wo alte Western-Waffen zum Einsatz kommen. Er spielt Trompete, hat sich selbst das Schreinern beigebracht – und das Fotografieren, seine größte Leidenschaft überhaupt.

„Von meinen ersten 40 Mark Lehrlingsgehalt habe ich mir gleich eine Kamera gekauft“, erinnert sich der ehemalige Schriftsetzer und technische Leiter einer Kunstzeitschrift. Als Mitbegründer des SPD-Ortsvereins im schwarzen Moorenweis, als Gewerkschafter, Personal- und Betriebsrat hat er Willy Brandt auf Wahlkampftour in der Fürstenfeldbrucker Marthabräuhalle fotografiert – aber auch die Gegenseite in Gestalt von Kurt Georg Kiesinger und Franz-Josef Strauß.

Köppel war mit der Kamera dabei, als eine neue Glocke im Moorenweiser Kirchturm aufgezogen wurde. Und seit er vor vier Jahren in Rente ging, hat er noch mehr Zeit für seine geliebten Foto-Trips nach Kroatien, Italien und Südfrankreich. Dort sucht er gern Orte auf, die in Gemälden von Künstlern wie Cézanne, Monet und van Gogh auftauchen.

„Diese Szenen versuche ich einzufangen, so wie sie heute aussehen“, erzählt er. Das kann manchmal ganz schön stressig werden. Während eines einzigen Südfrankreich-Aufenthalts klapperte er 40 verschiedene Motive ab. Aber Rumsitzen liegt ihm nun mal nicht. „Meine Reisen sind Foto-Reisen“, sagt Köppel. „Ich glaube, ich habe im Leben noch keinen Urlaub gemacht.“ Schon spukt ihm ein weiteres Projekt im Kopf herum - ein Diavortrag mit seinen Frankreich-Aufnahmen. „Ich will gar nicht viel dazu sagen, sondern Bilder zeigen, die für sich sprechen. Ich habe mehrere tausend.“

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