700 Grad heißes Aluminium läuft aus: 56 Verletzte

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Jimmy Liu ist Mitarbeiter im Fürstenfeldbrucker Landratsamt und gibt außerdem Kochkurse für chinesische Speisen an Volkshochschulen. foto: kiener

Akquisiteur privat

Der Asyl-Koordinator in der China-Küche

Olching - Eigentlich kümmert sich Jimmy Liu um die Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis. Doch nach Feierabend geht der Verwaltungsangestellte einer ganz anderen Aufgabe nach: Der geborene Shanghaier gibt Kochkurse für chinesische Speisen – und vermittelt dabei zwischen Kulturen.

Als Koch ist man wie ein Handwerker, sagt Liu. „Man braucht ein gutes Messer und ein Schneidebrett, denn man muss fühlen, was man mit den Zutaten macht, damit es schmeckt“, lautet seine Überzeugung. Sprich: Man muss beim Kochen ein Gefühl für Lebensmittel entwickeln. Viel Brimborium um technischen Schnickschnack in der Küche macht Liu nicht. „Man kann aus recht wenig ganz viel machen.“ So einfach ist das mit der chinesischen Küche?

Gemüse schadet auf keinen Fall

Liu ist kein Fan von umständlichen Rezepten. „Man braucht eine helle und eine dunkle Sojasauce, Salz und Zucker“, sagt er. Und natürlich ein bisserl Wurzelgemüse, Essig, Reiswein, ein paar Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer – wer mag, kann das Ganze mit Fleisch, Meeresfrüchten oder Fisch toppen. Weiteres frisches Gemüse schadet auf keinen Fall. Alles was die Saison halt so hergibt.

Das ist die erste Lektion, die er seinen Kursteilnehmern an Volkshochschulen beibringt. In seinen Mitmachseminaren – oder wenn er als Showkoch ein bisserl tiefer in die Materie der chinesischen Küche einsteigt – verrät er den Teilnehmern auch das ein oder andere Küchengeheimnis. Doch am wichtigsten bleibt für Liu: Learning by doing. „Man muss den jeweiligen Garpunkt von Fleisch und Gemüse herausfinden und üben – jeder Topf, jede Pfanne, jeder Ofen reagiert anders.“

Der Vater war ein Meisterkoch

Liu hat das schon als Kind gelernt. „Ich wuchs in einer gastronomisch geprägten Familie auf“, verrät der 55-Jährige. Sein Vater, Koo Cheng Liu, war chinesischer Meisterkoch. Er eröffnete als Auswanderer 1969 das erste China-Restaurant in Lüneburg. „Er hat mich schon als Kind in seine Küchengeheimnisse eingeweiht“, erzählt Liu.

Damals, als sein Vater das Lokal in Lüneburg eröffnete, waren die Deutschen noch ein wenig skeptisch gegenüber Brokkoli, süß-sauren Gerichten oder Sojasauce. Und: „Es war auch nicht einfach, frische Zutaten für eine original chinesische Küche in Deutschland zu kaufen“, weiß Liu. „Brokkoli war kaum erschwinglich und frisch selten zu kriegen.“

Heute ist es ganz selbstverständlich, dass Kunden in Supermärkten die meisten Zutaten finden, die man für die Zubereitung chinesischer Speisen braucht. Bei seinen Kochkursen vermittelt Liu auch gern zwischen den Kulturen und erzählt vom ersten Eindruck, den er von Deutschland hatte, als er als Kind hier ankam: „Ich dachte, ich bin in Disneyland.“ Die Eltern flüchteten in Zeiten der Kulturrevolution aus einem China, das sich wegen der wirtschaftlichen Schieflage in betongrau präsentierte.

„In Deutschland war alles märchenhaft grün und mittendrin standen da diese Fachwerkhäuser.“ Mittlerweile hat er sich längst an das Grün gewöhnt. Liu spricht fließend Deutsch. Als Mitarbeiter im Fürstenfeldbrucker Landratsamt hat er eine wichtige Aufgabe. Der Verwaltungsangestellte kümmert sich um die Akquise von Immobilien für Flüchtlinge. Liu ist in Deutschland angekommen. Doch als Koch bleibt er seiner Herkunft und damit der chinesischen Küche stark verbunden.

Bei Lius Kochkursen gab es allerdings auch schon ärgerliche Zwischenfälle: Zweimal musste die Feuerwehr anrücken, weil die Dunstabzugshauben in der Schulküche falsch eingestellt waren.

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