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Caro (l.) und Franzi vor dem Edeka, von dem sie Müll gestohlen haben

Diese Strafe ist Müll!

Streit ums Containern: Demonstranten kämpfen für angeklagte Studentinnen

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  • Kathrin Braun
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Tag für Tag landen in München 168 Tonnen Lebensmittel in der Tonne. Zwei Studentinnen wollen dagegen etwas unternehmen. Jetzt müssen sie deshalb vor Gericht. Am Montag stärkten Demonstranten in Olching den beiden Kämpferinnen den Rücken.

Update von Montag, 10. Dezember: 

Am Montag kamen circa 50 Demonstranten auf den Hauptplatz in Fürstenfeldbruck zusammen, um den Kampf der Studentinnen zu unterstützen. Für die frierende Menge wurde Tee und Punsch aus einem umgebauten Müllcontainer verteilt. „Wir sind froh, dass trotz der Kälte so viele gekommen sind“, sagt Caro. „Dass Containern ein Verbrechen ist, ist Blödsinn“, sagt auch Ates Gürpinar von der Linkspartei aus München. Den Linken geht es vor allem um den ökologischen und sozialen Aspekt. „Wir müssen mit Gesetzen gegen die Verschwendung vorgehen – so wie in Frankreich“, meint Gürpinar. Dort verbietet ein Gesetz den Supermärkten, Essen wegzuwerfen.

Auch die Starnbergerin Claudia Ruthner ist da. Sie hat mit einer Petition 1,2 Millionen Stimmen gegen Lebensmittelverschwendung gesammelt. Die Demonstration soll auf zwei weitere Fälle des Containerns aufmerksam machen, die derzeit vor Gericht verhandelt werden. „Wenn wir die Demo hier nicht machen, würden unser Kampf und das Problem einfach wieder vergessen werden“, sagt Caro. Ob die beiden sich tatsächlich in einem Prozess verantworten müssen oder ob das Verfahren eingestellt wird, ist noch offen.

Containern-Demo in Fürstenfeldbruck - Fotos

Die  Erstmeldung von Sonntag:

168 Tonnen – das sind 28 Elefanten. Oder vier voll beladene Lkw. Oder ein Blauwal. Um das Essen vor dem Müll zu retten, „containern“ immer mehr Studenten, das heißt: Sie bedienen sich an den abgelaufenen, aber unverdorbenen Lebensmitteln aus den Müllcontainern von Supermärkten. Was viele nicht wissen: Auch das Stehlen von Müll ist strafbar – zwei Studentinnen aus Olching wurden nun deshalb angeklagt - auch weil abgeschlossene Container aufgebrochen wurden.

„Wir haben uns wie Schwerverbrecher gefühlt“

Es war ein warmer Dienstag im Juni, als sich Caro (27) und Franzi (25) in der Dunkelheit, um 22.30 Uhr, auf den Hinterhof einer Edeka-Filiale in Olching geschlichen hatten, um zu containern. Äpfel, Bananen, Gemüse, Joghurt – die beiden Studentinnen hatten gerade vier große Taschen gefüllt, als ihnen zwei Polizistinnen den Weg versperrten. Caro und Franzi mussten ihre Taschen leeren, sich breitbeinig hinstellen – sich auf Waffen durchsuchen lassen. „Wir haben uns wie Schwerverbrecher gefühlt“, sagen die beiden Frauen.

In der Facebook-Gruppe Containern/Dumpstern München sind 826 Mitglieder. Der Konflikt: Supermärkte sind dazu verpflichtet, abgelaufene Lebensmittel zu entsorgen. „Wichtig ist uns, klarzustellen, dass wir uns als Unternehmen an bestehende Gesetze halten“, sagt ein Sprecher von Edeka Südbayern. „Auch wir sind gegen die Verschwendung von Lebensmitteln!“

Der Vorwurf gegen Caro und Franzi: besonders schwerer Diebstahl. Sowohl der Markt als auch die Polizei erstatteten Strafanzeige. 1200 Euro sollten die beiden Olchingerinnen zahlen – pro Person. Zahlreiche Anfeindungen gegen den Marktleiter folgten.

Auf Facebook regten sich Tausende Nutzer auf: „Edeka Olching boykottieren!“, schreibt eine Nutzerin. „In was für gruseligen Zeiten leben wir bloß?“, schreibt die Facebook-Seite Mensch und Politik heute. Zum Schutz des Marktleiters hat Edeka die Anzeige zurückgezogen. Auch die Staatsanwaltschaft München II hat den Fall neu beleuchtet. Die Studentinnen sollen jeweils acht Stunden bei der Tafel einen Sozialdienst leisten. Franzi und Caro lassen es aber auf einen Gerichtstermin ankommen. Nicht, weil sie der Tafel nicht helfen wollten. Sie wollen, dass Containern legalisiert wird.

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