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Helferkreis aktiv

Nach Brand: Nachbarn nehmen Flüchtlinge bei sich zuhause auf

Jesenwang – Eine der Jesenwanger Flüchtlingsunterkünfte ist nach einem Brand komplett verrußt und vorerst unbewohnbar. Die Asylbewerber standen in der Nacht auf Dienstag zum Teil barfuß vor dem qualmenden Heim. Aber nicht lange. Die Hilfsbereitschaft im Dorf war überwältigend. Nachbarn nahmen die Flüchtlinge auf.

Georg Seirer ist oft zu Besuch in der Asylunterkunft an der Kirchstraße. Der Jesenwanger gibt den drei afghanischen Familien, die seit Juli dort leben, Deutschunterricht. Er unterstützt die Kinder bei ihren Hausaufgaben und hilft den Eltern bei Alltagssorgen. Auch am Montagabend war Georg Seirer im Asylheim. „Ich wollte mit den Kindern lernen. Wir saßen oben im ersten Stock zusammen“, erzählt er. Doch dann brach unten das Feuer aus.

Plötzlich hat es geknallt

„Da war plötzlich ein Knall. Und dann war das Licht aus“, erzählt Seirer. „Nur ein Kurzschluss, dachte ich.“ Einer schaltete die Taschenlampe an seinem Handy ein. „Wir wollten nach dem Sicherungskasten schauen.“ Doch dann stürmte ein anderer Asylbewerber aus dem Erdgeschoss die Treppe hinauf. „Er hat geschrien, wir müssen alle sofort raus, unten sei überall Rauch.“ Schnell flüchteten Seirer, die Kinder und Eltern durchs qualmende Haus ins Freie. „Ich habe dann die Feuerwehr angerufen“, erzählt Seirer.

Ohne Jacken und teilweise sogar ohne Schuhe standen die Flüchtlinge draußen auf der Straße. Sie mussten zusehen, wie der Rauch in und um ihre Unterkunft immer dichter wurde und durch ihre Zimmer mit ihren Kleidern und Spielsachen zog.

Erstmal die Kids beruhigen

Zunächst wurden alle 18 Flüchtlinge bei der Nachbarsfamilie Ernst untergebracht. Sie saßen dort mit Helfern und Notärzten im Wohnzimmer, erzählt Bürgermeister Erwin Fraunhofer, der ebenfalls mit dabei war. „Wir haben den Fernseher eingeschaltet, um die Kinder zu beruhigen und abzulenken.“ Dann habe man jeden Einzelnen medizinisch untersucht. „Wer gesund war, hat sich in die Küche gesetzt. Die, denen es nicht so gut ging, blieben im Wohnzimmer. Bei knapp 18 Leuten muss man ja irgendwie den Überblick behalten“, so Fraunhofer.

Insgesamt wurden laut Polizei sieben Personen wegen Rauchgasvergiftungen behandelt. Zwei Erwachsene und zwei Kinder wurden sogar in Krankenhäuser gebracht. Ein Asylbewerber musste kurzzeitig in der Intensivstation behandelt werden.

Der Bürgermeister ist stolz

Im Stich lassen wollte man die Flüchtlinge in dieser Not auf keinen Fall. „Sofort haben Bürger angeboten, eine der Familien erst einmal bei sich aufzunehmen“, erzählt Bürgermeister Fraunhofer begeistert. Eine Familie kam spontan bei Brigitte Walch im Hotel „Garni St. Blasius“ unter, eine andere bei Siegfried Walter aus dem Helferkreis. Auch Georg Seirer nahm eine der afghanischen Familien über Nacht bei sich auf. „Das ist doch selbstverständlich.“ Die Familie sei schon öfter bei ihm zu Gast gewesen. „Wir sind Freunde“, sagt Seirer. Nachdem sie bei ihm um 22 Uhr angekommen waren, habe man sich noch lange unterhalten. „Vor 12 war niemand im Bett“, erzählt Seirer. Die Familie hatte sich auf die zwei Gästezimmer in Seirers Haus, das er mit seiner Schwester bewohnt, aufgeteilt. Hier konnten sie sich selbstständig versorgen. Am Morgen nach dem Brand gelang es ihnen, zumindest einige Dinge aus den verrußten Räumen zu holen.

Unterbringung in Maisach und Bruck

Gerne wären die Asylbewerber weiter in Jesenwang geblieben, denn hier haben sie Kontakte zu den Menschen geknüpft. Georg Seirer beispielsweise, hätte sie auch für einige Tage bei sich aufgenommen. Allerdings darf er das nicht. Denn die Flüchtlinge unterliegen der Unterkunftspflicht, wie eine Sprecherin des Landratsamtes erklärte. Die Familien wurden gestern nachmittag deshalb teils in Fürstenfeldbruck, teils in Maisach untergebracht.

Ausgebrochen war das Feuer in einem Lagerraum in einem Nebengebäude, das aber mit dem Wohnhaus verbunden ist. Grund war möglicherweise ein technischer Defekt, wie die Kripo berichtet. Die starke Rauchentwicklung führen die Brandfahnder auch darauf zurück, dass in dem Raum verschiedene Gegenstände gelagert waren. Die Flammen als solche hatten die Feuerwehren aus Jesenwang, Adelshofen, Landsberied, Mammendorf und Fürstenfeldbruck rasch im Griff, sodass sich das Feuer nicht weiter ausbreiten konnten.

Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 50 000 Euro. Das wenige Hab und Gut, gerade der Flüchtlinge, die im Erdgeschoss lebten, dürfte durch den Rauch zerstört worden sein. Wie die Kripo betont, gibt es keinerlei Hinweise auf eine vorsätzliche oder fahrlässige Brandlegung.

Vorerst ist die Asylunterkunft an der Kirchstraße unbewohnbar. „Bestimmt vier oder fünf Wochen“, schätzt Bürgermeister Erwin Fraunhofer. Heute soll ein Gutachter des Landeskriminalamts die Brandursache noch genauer untersuchen.

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