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Meterhoch schlagen die Flammen nach draußen: Die Einsatzkräfte haben alle Hände voll zu tun, um das Feuer zu löschen und die Bewohner zu retten.

Tagblatt sprach mit den Opfern

Nach Großbrand: Das sagen die Geretteten

Fürstenfeldbruck - Die Situation ist an Dramatik kaum zu überbieten: Meterhoch schießen Flammen aus Fenstern, das Treppenhaus ist unpassierbar, Menschen stehen auf Balkonen und rufen um Hilfe.

Die Feuerwehr kann sie schließlich alle retten. Acht Personen erleiden Rauchvergiftungen. Als die Flammen eingedämmt sind, wird die Brandursache sichtbar: ein kaputter alter Fernseher.

Rasend schnell hat sich das Feuer von der Wohnung der 86-Jährigen ausgebreitet, in der der Fernseher stand. Ein Glück, dass die Retter es nicht weit zum Brandort Ecke Hubertus-/Nimrodstraße haben. Der liegt quasi nur einen Steinwurf vom Feuerwehrhaus entfernt. „Als wir losgefahren sind, haben wir schon die Rauchsäule gesehen“, erzählt Stadtbrandinspektor Michael Ott gestern, am Tag nach dem Einsatz.

Für Ott und seine Kameraden ist klar: Allererste Priorität hat die Rettung der vom Rauch und den Flammen eingeschlossenen Menschen. Auf einem Balkon im ersten Stock steht der Bruder des Hausbesitzers, auf einem anderen im zweiten Stock ein Vater mit seinem Kleinkind. „Ich bin vom Geruch aufgewacht“, erzählt ein 60-jähriger Bewohner. Ein Blick ins total verrauchte Treppenhaus habe ihm gereicht, dann sei er auf den Balkon geflüchtet. „Und dann kam auch schon die Feuerwehr.“ Er habe sich noch etwas Warmes angezogen und sei dann auf der Leiter nach unten gestiegen.

„Es war alles voller Rauch.“

Von diesem Balkon im ersten Stock sprang Theodora Sechel mit ihrer Familie aufs Vordach und von dort auf den Wohnweg in Sicherheit.

Lucion Sechel und seine Tochter warten nicht auf Rettung. Sie nehmen die Sache selbst in die Hand. „Es war alles voller Rauch“ erinnert sich der 43-Jährige. „Uns blieb nur eine Wahl.“ Mit seiner Tochter klettert er vom Balkon auf das Vordach über der Hauseingangstür. „Von dort sind wir dann runter auf den Wohnweg gesprungen.“ Bemerkt hatte den Brand Tochter Theodora. „Es hat komisch gerochen. Ich habe meine Augen aufgemacht und habe draußen am Fenster Flammen hochzüngeln sehen. Es war beängstigend“, berichtet die 23-Jährige. „Ich wollte nur noch raus.“ Trotz ihrer Panik behält Theodora aber einen klaren Kopf und steckt noch schnell die wichtigsten persönlichen Dokumente ein.

Weitere Bewohner retten die Einsatzkräften über eine Drehleiter. Eine Person kletterte über eine einfache Feuerwehrleiter ins Freie. Stadtbrandmeister Ott: „Die Dramatik war gigantisch.“ Hilfreich für die Feuerwehr ist, dass der Besitzer des Hauses vor Ort ist und mit Detailkenntnissen des Baus hilft.

Die alte Dame, deren Fernseher nach bisherigen Erkenntnissen der Kripo Fürstenfeldbruck das Chaos ausgelöst hat, erleidet eine so schwere Rauchgasvergiftung, dass sie ins Unfallkrankenhaus nach Murnau gebracht werden muss. Die 86-Jährige hat wohl noch versucht, die Sicherungen herauszunehmen, wie Stadtbrandinspektor Ott berichtet. Danach läuft sie ins Freie. In Brand geraten ist ihr etwa 20 Jahre alter Röhenfernseher wohl wegen eines technischen Defektes. Laut Kripo implodierte das Gerät mit einem lauten Knall.

Mittel im Löschwasser

Durchschnaufen konnten die Feuerwehrleute nach der Rettung der Bewohner noch nicht. Jetzt begann die eigentliche Brandbekämpfung unter schwerem Atemschutz. Dem Löschwasser wurde ein so genanntes Netzmittel beigemischt. Damit wird die Oberflächenspannung des Wassers reduziert, sodass es leichter in das brennende Material eindringen kann.

Die Bewohner des Hauses wurden derweil draußen vom Rettungsdienst versorgt. Die Berufsfeuerwehr München stellte ihren Großraumrettungswagen zur Verfügung: Hier konnten die Leute unterkommen und sich aufwärmen, die auf die Schnelle keine andere Bleibe gefunden hatten. Zwei Hausbewohner hatten wie die 86-Jährige schwere Rauchgasvergiftungen erlitten und mussten ins Krankenhaus. Fünf Personen, darunter das Kind, wurden leicht verletzt und konnten direkt vor Ort versorgt werden.

Kohlschwarze Wände, es riecht verbrannt: Das Treppenhaus am Tag nach dem Feuer.

Die Wohnung der 86-Jährigen haben die Flammen völlig zerstört. Über Nacht durfte keiner der insgesamt 17 Bewohner in das Haus zurück. Erst am Dienstag konnten einige wieder in ihre Wohnungen. Es sei alles menschenmögliche unternommen worden, damit dies möglich ist, sagt ein Kriposprecher am Dienstagnachmittag.

Unter den Rückkehrern ist auch Familie Sechel. „Wir hätten zwar Bekannte gehabt, bei denen wir hätten unterkommen können, aber die Wohnung ist soweit bewohnbar“, erzählt Lucion Sechel. Und da wollte er lieber wieder heim. Man müsse jetzt fleißig putzen und schauen, dass der Geruch weggeht. Bis auf Möbel und Vorhänge, in denen sich der Rauch festgesetzt habe und einem Fenster, das die Feuerwehr einschlagen musste, sei kein größerer Schaden entstanden.

Das Treppenhaus des Gebäudes muss als schwer beschädigt gelten. Kabel hängen kreuz und quer an den Wänden. Wie die Kripo berichtet, hatte am Brandabend ein Anwohner die Feuerwehr alarmiert. Der Sachschaden wird auf rund 500 000 Euro geschätzt. Die Feuerwehr Fürstenfeldbruck erhielt Unterstützung aus Aich, Puch und Maisach. 34 Atemschutzgeräte waren im Einsatz.

Thomas Steinhardt und Michael Darchinger

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