Das Gutachten gibt ihm Recht: Thomas Frontzek beklagt folgenschwere Behandlungsfehler. Foto: Kiener

Warnung an andere

Nach OP leidet er mehr als je zuvor

Gernlinden - Die Operation sollte sein Leben etwas leichter machen, doch genau das Gegenteil ist der Fall: Der seit seiner Geburt an beiden Beinen spastisch gelähmte Thomas Frontzek (24) erhebt nach einem Eingriff schwere Vorwürfe gegen eine Klinik außerhalb des Landkreises Fürstenfeldbruck. Frontzek zieht vor Gericht.

 Von der Operation erhoffte sich der 24-Jährige eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes. Im August 2012 wurde eine Fasziomytomie (Dehnung der Muskeln) durchgeführt. Dabei wurden Nerven geschädigt – so steht es in einem Gutachten, das Frontzek selbst in Auftrag gegeben hat. „Seither habe ich unerträgliche Schmerzen wie von tausend Nadelstichen in beiden Beinen vom Knie abwärts, also permanente Nervenschmerzen und starke Sensibilitätsstörungen“, klagt der Gernlindener.

Bis zur Operation konnte der gelernte Bürokaufmann kleine Besorgungen erledigen, sich an Möbeln oder Geländern entlang hangeln, war nicht ständig auf den Rollstuhl angewiesen. Wegen der andauernden Schmerzen muss er seit der Operation starke Medikamente einnehmen.

Thomas Frontzek strebte anfangs eine außergerichtliche Einigung mit der Klinik an, beschritt dann mangels Erfolg den Klageweg. Doch: „Das Gegengutachten wird vom Oberlandesgericht München nicht anerkannt, weil es angeblich einem neuen Ansatz folgt – das Gericht steigt nicht mehr in eine erneute Beweisaufnahme ein“, sagt Frontzek. Auch wenn er in seinem Fall kaum Hoffnung auf eine Entschädigung, sprich ein Urteil in seinem Sinne, sieht: „Es liegt mir am Herzen, andere Betroffene auf Komplikationen, die bei dieser Operation bei Erwachsenen eintreten können, aufmerksam zu machen.“

Bei ihm sei einiges schief gelaufen. „Das fing schon beim Formular an, das ich vor der Operation unterschreiben sollte.“ Im fünfseitigen Aufklärungsbogen (ein Mutter-Kind-Formular) sei er als erwachsener Patient gerade mal in einer knappen Zeile auf eventuell auftretende Nervenschäden hingewiesen worden, sagt Frontzek. „Ich wurde als Kind oder Jugendlicher betrachtet und dementsprechend behandelt, doch man muss wissen, dass bei Erwachsenen wie mir Nerven, Sehnen, Muskeln und Knochen bereits versteifter sind.“ Die Muskeln seien bei dem Eingriff zu stark gedehnt worden, was auch der von ihm beauftragte Gutachter als Behandlungsfehler wertet. „Die Nervenschmerzen setzten drei Wochen nach der Operation ein, als ich auf Reha war; erst wurde mein linkes, dann mein rechtes Bein taub und das hat sich seit über drei Jahren nicht verbessert.“

Seit Januar 2013 bezieht er eine Rente wegen Vollerwerbsminderung, die er alle zwei Jahre neu beantragen muss. „Ich erhalte rund 960 Euro Rente und lebe bei meinen Eltern.“ Eigentlich wollte er beruflich als Bürokaufmann durchstarten. Jetzt kann er sich grade mal rund 200 Euro im Monat als Geringverdiener dazuverdienen, mehr lässt sein Gesundheitszustand nicht zu. „Ich hab’ mir mein Leben trotz meiner Behinderung selbstbestimmter vorgestellt – bis zur Operation bin ich mit meinem Handicap ganz gut zurechtgekommen. Das sieht jetzt leider ganz anders aus.“

Thomas Frontzek erhoffte sich mehr Mobilität durch die Operation, stattdessen muss er seither täglich einen Medikamentencocktail mit starken Betäubungsmitteln, Schmerzmitteln und Cortison zu sich nehmen, um halbwegs schmerzfrei durch den Tag zu kommen. Jetzt ist ihm eines wichtig: „Ich möchte andere Betroffene vor so einem Schicksal bewahren und über die Risiken eines solchen Eingriffes aufklären.“ (akk)

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