Johann Färber starb mit 80 Jahren. Repro: os
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Johann Färber starb mit 80 Jahren.

Nachruf

Nach Olympia-Attentat feierte er zweimal im Jahr Geburtstag

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Seit seinem schlimmsten Einsatz als Feuerwehrmann feierte Johann Färber zweimal im Jahr Geburtstag. Den zweiten beging er gemeinsam mit den Kameraden, die damals auch dabei waren beim blutigen Ende des Olympia-Attentats auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck.

Gernlinden - Mit anderen sprach er nicht viel über die Ereignisse der Nacht vom 5. auf den 6. September 1972, als es zwischen Polizei und palästinensischen Geiselnehmern zu einem Schusswechsel mit vielen Toten kam. Einem Freund vertraute Färber einmal an, dass sogar Geschosse in den Kühler des Einsatzfahrzeugs eingeschlagen waren, in dem er mit seinen Kameraden saß. Trotz jener traumatischen Erlebnisse blieb der 1940 geborene Gernlindener zeitlebens begeisterter Feuerwehrmann.

Bereits mit 15 Jahren war er zur Freiwilligen Wehr in seinem Heimatort dazugestoßen – noch bevor er seinen Beruf als Eisenflechter und Stahlbetonbauer erlernte und an etlichen Brücken im Voralpenland mitbaute. 1962 wurde er Berufsfeuerwehrmann auf dem Brucker Fliegerhorst, was er 36 Jahre lang blieb.

Ein großer Teil seiner Freizeit gehörte der Freiwilligen Wehr in seinem Heimatort. Dort war er Fahnenjunker und Gerätewart und stieg bis zum Dienstgrad des Brandmeisters auf. In späteren Jahren sorgte er als Initiator und Organisator eines Stammtischs für ehemalige Aktive dafür, dass der Zusammenhalt nicht nachließ. Für die Kreisbrandinspektion war er als Schiedsrichter bei Leistungsprüfungen aktiv.

Als man in öffentlichen Gebäuden noch rauchen durfte, verriet ein Duft nach Zigarre jedem, der das Feuerwehrhaus in Gernlinden betrat, dass Johann Färber schon da war. Er kümmerte sich gemeinsam mit seiner Frau sogar um die Reinigung des Gebäudes – und für die Gemeinde Maisach um das Mähen der Grünanlagen.

Für seine fünf Kinder und später die vier Enkel fand er trotz seines hohen beruflichen und ehrenamtlichen Engagements immer Zeit. Durch sie hatte er stets einen guten Draht zur Jugend, was ihn zum beliebten Ansprechpartner des Feuerwehr-Nachwuchses machte.

Er ging gern in die Berge und fuhr noch in hohem Alter mit dem Fahrrad um den Ammersee. Daheim baute er mit Hingabe Vogelhäuschen und Weihnachtskrippen, die viele begeisterte Abnehmer fanden. Kürzlich ist der Träger des Bayerischen Feuerwehr-Ehrenkreuzes in Silber im Alter von 80 Jahren gestorben.  os

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