Nach Olympia-Aus: Sorge um S-Bahnausbau

Fürstenfeldbruck - Das Aus für die Münchner Olympia-Bewerbung könnte negative Folgen für den Ausbau des S-Bahnnetzes im Kreis Bruck haben.

Beim Auftritt von Martin Söder im Brucker Bierzelt appellierte Landrat Thomas Karmasin an den Umweltminister, sich weiter für Verbesserungen auf der Strecke der S 4 und die 2. Stammstrecke einzusetzen. „Lassen Sie auch ohne Olympia nicht nach in ihren Bemühungen.“ Der CSU-Politiker beeilte sich dann auch zu versichern, dass er genau das tun werden. „Wir brauchen die 2. Stammstrecke“, rief er ins Mikrofon“, kaum dass er am Rednerpult stand. Und dann schickte er eine Mutmaßung zur Entscheidungsfindung des Komitees hinterher: „Vielleicht war unser Sponsor im Hintergrund nicht so groß.“

Schon während man auf Minister Söder wartete, war Olympia Hauptgesprächsthema an den Tischen. 900 Interessierte zählte die Polizei trotz der Hitze beim politischen Volksfest-Abend. Speisekarten, Bierdeckel und Textzettel der Bayernhymne wurden kurzerhand zu Fächern umfunktioniert.

„Leider, leider,“ murmelte Kreisfinanzreferent Ludwig Lösch im kurzärmligen Karohemd über einer gut gekühlten Maß Kaltenberger. Etwa 20 Minuten vorher hatte das Olympische Komitee im pikfeinen südafrikanischen Kongresssaal die Entscheidung für Südkorea verkündet. Nun plagt das Brucker CSU-Urgestein eine Hauptsorge: Dass sich die 2. Stammstrecke verzögert. „Wir brauchen sie so schnell wie möglich, nicht erst 2022 mit der nächsten Bewerbung.“

Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, der immer für die 2. Stammstrecke gekämpft hat, beteuerte, das weiter zu tun. Er hat auch schon eine Idee, wie man fehlende Olympiagelder ausgleichen könnte: „Eventuell muss man die Einführung einer Pkw-Maut prüfen.“

Einzig OB Sepp Kellerer konnte dem Olympia-Aus etwas Positives abgewinnen. „Meine Sorge war, dass in die Spiele sehr viel Geld fließen würde, das anderswo gefehlt hätte.“ Er hatte gefürchtet, Olympia 2018 in München hätte zu einem Finanzdebakel für die Region ausarten können. Was die 2. Stammstrecke angeht, ist Kellerer eher zuversichtlich. „Die konnte man nie nur an Olympia fest machen. Ich glaub nicht, dass die Fertigstellung jetzt länger dauert.“

Wie ein Großteil der CSU-Kommunalpolitiker teilt auch die örtliche SPD Kellerers Optimismus nicht. Kaum war das Aus für Olympia über die Bildschirme geflimmert, formulierten Unterbezirksvorsitzender Michael Schrodi und Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner schon ihr Bedauern. Und ihre Forderung: Die Verkehrs-Infrastruktur im Kreis müsse trotzdem dringend verbessert werden. In seltener Einigkeit mit den Schwarzen fordern die Roten eine rasche Verwirklichung der 2. Stammstrecke und zugleich die überfällige Ertüchtigung der S 4. „Jetzt muss Minister Zeil handeln, um dies auf die Schiene zu bringen“, sagte Sonnenholzner. Unsinnig sei die Verknüpfung mit Olympia durch Verkehrsminister Ramsauer gewesen. Schrodi fügte hinzu: „Jetzt muss endlich Geld fließen, damit S-Bahnfahrer wieder einen funktionierenden öffentlichen Verkehr bekommen.“

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