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Ein Leben für das Ehrenamt: 13 Jahre lang engagierte sich Helene Baumgartner für den Soldaten- und Veteranenverein. In Gedenken an Opfer von Krieg und Vertreibung haben sie und ihr Mann Simon das Kruzifix an der Maisacher Straße gestaltet. 

Helene Baumgartner bekommt Ehrenzeichen

Sie steckte ihre ganze Energie und ihr ganzes Herzblut ins Ehrenamt

Gernlinden - Soldaten- und Veteranenverein, Kirchenrat, Arbeiterwohlfahrt und Seniorentreffen: Überall steckte Helene Baumgartner (85) aus Gernlinden Herzblut hinein. Daher wird die Rentnerin nun mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Man sieht es schon an ihrem warmherzigen Lächeln: Helene Baumgartner lebt die Nächstenliebe. Und sie setzt sich für die Gemeinschaft ein. Ihrem Heimatort ist die inzwischen 85-Jährige seit Geburt an verbunden. 1931 kam sie in Gernlinden als Helene Kennerknecht zur Welt, lernte nach dem Krieg im Einzelhandel und arbeitete dann zehn Jahre in Kaiser’s Kaffeegeschäft in Pasing. 1954 heiratete sie ihren Simon. „Als dann unsere Kinder Rita, Irene und Franz kamen, habe ich der Familie zuliebe meine Arbeit aufgegeben“, blickt Helene Baumgartner zurück.

Nebenher begann ihr ehrenamtliches Engagement. 1972 wurde im Soldaten- und Veteranenverein eine Kassenwartin benötigt – und Baumgartner sprang ein. Zuverlässig und umtriebig wie sie ist, engagierte sie sich bis 2014 in dem Verein. Über 13 Jahre lang plante sie zweimal jährlich Fahrten zu Kriegsgräbern in Bayern, Italien und Tschechien: „Jede Reise musste genau organisiert werden. Ich bin im Vorfeld hingefahren, damit nachher alles nach Plan läuft.“

Die Gernlindnerin hatte auch die Idee für ein Wegkreuz an der Maisacher Straße an der Einmündung des Oberwegs. Damit sollte der Opfer von Krieg und Vertreibung gedacht werden. Und sie setzte ihren Plan um: „Den Gedenkort habe ich selbst gestaltet. Das Material für das Kruzifix haben mein Mann und ich alleine beschafft.“ Inzwischen hat sie die Pflege an Annemarie Oppermann übergeben.

Auch in der Kirchenverwaltung war auf Helene Baumgartner zu zählen – 25 Jahre lang, davon zwölf als Vorstand. Sie hatte großen Anteil am Bau des neuen Pfarrheims: „In einem langwierigen Prozess habe ich auf den damaligen Bischof eingewirkt“, erinnert sie sich. Quasi nebenbei organisierte sie Bergmessen, Wallfahrten und Kirchenfeste. Beim Seniorentreff arbeitete sie in der Küche mit, bei der Arbeiterwohlfahrt saß sie im Beirat.

Ihre Verbundenheit zu ihrem Heimatort gipfelte dann in einer Chronik. „Dafür habe ich mich durch das ganze Maisacher Rathausarchiv gearbeitet“, erzählt die Rentnerin. Irgendwann war das Buch fertig: „Geschichte von und Geschichten aus Gernlinden“ erzählt die historische Entwicklung des Ortes von 1913 bis 1998.

Doch von einem auf den anderen Tag musste Helene Baumgartner ihr Engagement leider einstellen: Sie pflegte ihren kranken Mann. „Und dann kam es nach drei Jahren zu einer Zäsur“, sagt sie traurig. „Erst ist mein Mann gestorben, kurze Zeit später hatte ich einen schweren Fahrradunfall.“ Seitdem fällt ihr das Gehen schwer, sie ist auf einen Rollator angewiesen. Doch sie freut sich, dass sie 2014 mit ihrem Simon noch die Diamanthochzeit feiern konnte.

Dass sie ihre vielen Ämter nicht mehr ausüben kann, das tut ihr leid. „Aber im Alter muss man eben irgendwann kürzer treten.“ Auch wenn sie sich nicht mehr so oft sehen lassen kann: In Gernlinden kennt jeder „die Helene“.

Von ihrem Ehrenzeichen hat sie per Post erfahren. Demnächst wird es ihr bei einem Empfang im Landratsamt persönlich überreicht. Das kommentiert Helene Baumgartner wie immer ganz bescheiden: Ihrer Meinung nach ist die Auszeichnung nicht nur ihr, sondern allen gewidmet, die ein Ehrenamt ausüben.

Von Matthias Kast

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