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Kaum aus den Fluten des Olchinger Sees aufgetaucht, hatte Meeresgott Neptun (Florian Heininger) allerhand zu tun. Er musste seine Gaben schnell an die vielen Kinder verteilen, die ihre kleinen Finger schon nach den Päckchen ausstreckten.

Fackelschwimmen

Neptun bahnt sich den Weg durch den Olchinger See

Olching – Florian Heininger ist mit allen Wassern gewaschen – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Vorsitzende der Olchinger Wasserwacht kennt jeden Tropfen des Sees.

Und doch war auch für ihn das 36. Fackelschwimmen etwas Besonderes. Denn so warm hatte es Meeresgott Neptun im Dezember in seiner großen Badewanne selten. Fast zehn Grad betrug die Wassertemperatur. „Manche haben überlegt, ob sie ihren Schutzanzug überhaupt anziehen sollen“, scherzte Heininger noch, bevor er in den Wellen des Olchinger Sees abtauchte.

Doch angesichts des recht heftigen Windes waren die 32 Schwimmer, die Neptun das Geleit gaben, schon froh über die Hülle des Taucheranzuges. „Körperlich ist es bei Wind auch anstrengender als bei Eis“, erklärte Heininger. Der Wellenschlag macht es schwer, Kurs zu halten. Wenn es kälter ist, falle die Orientierung etwas einfacher, so der Ortsvorsitzende der Olchinger Wasserwacht. „Bei einer Eisschicht kannst du dir so etwas wie eine Spur legen.“

Dennoch zogen die Olchinger Wasserwachtler, unterstützt von Kameraden aus Fürstenfeldbruck, Germering und Grafrath, sicher ihre Bahnen. Für die zehnjährige Tamina Baumhauser aus Olching war das ein faszinierender Anblick: „Vor allem, weil das Fackellicht im See so glitzert.“ Ihr vier Jahre jüngerer Bruder Manuel interessierte sich dagegen mehr für die Päckchen, die Neptun und seine Helfer nach dem Auftauchen verteilten.

„Ich war auch schon als Kind hier“, erzählte derweil Mama Mirjam Baumhauser. Sagengestalten und antike Gottheiten hätten sie schon als Mädchen fasziniert. „Das möchte ich an meine Kinder weitergeben.“ Außerdem gefalle es ihr, dass die Olchinger Wasserwachtler so gut auf die Kinder eingehen. „Sie erzählen dann noch lange davon, auch ihren Freunden, die nicht dabei waren“, so die 39-jährige zweifache Mutter, die nur eine sanfte Kritik hatte. „Der Rückweg zum Parkplatz könnte besser beleuchtet sein. Da musst du die Kinder fest an der Hand packen, um sie nicht zu verlieren.“

Weniger spektakulär als das Feuerwerk unmittelbar nach dem Auftauchen des Meeresgottes fiel der Rückblick der Olchinger Wasserwacht aus. 800 Stunden Fortbildung plus 1100 Stunden ehrenamtlicher Dienst am See waren im Lauf der vergangenen zwölf Monate zusammengekommen. Dabei handelte es sich meist um kleine Einsätze und Wachdienst. Der Ortsvorsitzende Heininger führte das unter anderem auf den eher durchwachsenen Sommer zurück. Glücklicherweise mussten die Olchinger nur ein Leben retten. Olchings Bürgermeister Andreas Magg, der sich unter die rund 450 Zuschauer gemischt hatte, kommentierte das so: „Selbst ohne solche Ereignisse sind wir froh, wenn wir die Wasserwacht haben.“ (hk)

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