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Wie auf dem falschen Planeten fühlt sich Adam Krusenstern (Mitte, Alexander Schmiedel ) zwischen seinen neuen Kollegen (v.l.) Sandor (Patrick Meier), Assistentin Susi (Julia Ströhle), Personalchef John (Michael Vögele), und Personaltrainerin Ella (Kerstin Krefft).

Neue Bühne spielt "Die Firma dankt"

Wenn der Chef an der modernen Arbeitswelt zu Grunde geht

Fürstenfeldbruck - Adam Krusenstern ist ein Abteilungsleiter vom alten Schlag. Einer, der auf Stühlen an Tischen sitzt, Besprechungen einberuft und Protokolle führen lässt. Einer, der auf Diskretion und gute Manieren Wert legt, auf Leistung und klare Strukturen.

Und der ganz fürchterlich ins Schwimmen gerät, wenn das alles wegbricht. In „Die Firma dankt“ von Lutz Hübner, dem aktuellen Stück der Neuen Bühne Bruck (NBB), spielt Alexander Schmiedel diesen Adam Krusenstern großartig – mit allen Facetten von linkisch bis zornig.

Die Firma hat eine neue Leitung. Alles wird umgekrempelt, die alte Garde fliegt raus. Einzig Adam Krusenstern hat das Stellen-Massaker bislang überlebt, er wird sogar übers Wochenende ins Gästehaus der Firma eingeladen – ohne zu wissen warum. In der neuen Firmenkultur fühlt sich Krusenstern wie auf einem anderen Planeten. Die Aliens, die darauf herumlaufen, sind der arrogante Personalchef John (Michael Vögele), die mitfühlende Personaltrainerin Ella (Kerstin Krefft), das fleischgewordene Sekretärinnen-Klischee Susi (Julia Ströhle) und der zunächst undurchsichtige Sandor (Patrick Meier), ein Überflieger mit zu wenig Herz und zu viel Verstand.

Sie tragen legere Klamotten statt dunkler Anzüge, werfen mit Anglizismen um sich und wollen den Firmenerfolg nicht durch solide Arbeit, sondern durch taktische Tricksereien sicherstellen. Milde amüsiert beobachten die Vier, wie sich Krusenstern an ihnen abarbeitet, obwohl er längst hoffnungslos im Hintertreffen ist. Nirgends wird das schöner deutlich als in der Tanz-Szene, in der sich die Vier sicher zu einer Choreographie bewegen, während Krusenstern im Hintergrund ungeschickt mitzumachen versucht.

Lutz Hübners Stück ist konventionell im besten Sinne. Er gibt seinen Zuschauern weder Rätsel auf, noch lässt er sie durch verschiedene Deutungsebenen irren. Das überdimensionale Sofa auf der Bühne ist in Sachen Symbolik das höchste der Gefühle – die neue Welt ist eine Nummer zu groß für Krusenstern.

Inszeniert wurde das Stück von den Darstellern selbst. Sie alle sind sind in Arbeit, Studium oder Familie eingebunden und konnten deshalb nicht, wie sonst üblich, fünf Wochen am Stück proben. Stattdessen arbeiteten sie über Monate hinweg einmal pro Woche an der Inszenierung, unterstützt von Regieassistentin Judith Gebele. Zusätzlichen Input gab es von drei NBB-Hausregisseuren, die je einmal vorbeischauten. „Ein Risiko“, wie die Bühne einräumt. Doch eines, das sich gelohnt hat. „Die Firma dankt“ bietet eineinhalb unterhaltsame Nachhilfestunden in Sachen neoliberale Arbeitswelt. Das Publikum dankt.

Info

Weitere Aufführungen sind am Freitag, 4. März, 20 Uhr, Sonntag, 6. März, 19 Uhr, Samstag, 12. März, 20 Uhr, Freitag, 18. März, 20 Uhr, Samstag, 19. März, 20 Uhr, Freitag, 1. April, 20 Uhr und Sonntag, 3. April, 19 Uhr. Karten gibt es online unter www.buehne-bruck.de und an der Abendkasse.

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