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Die Richard-Higgins-Grundschule: Hier werden derzeit etwa 425 Schüler in 20 Klassen unterrichtet. Die Schulfamilie soll frühestens 2021 in einen geplanten Neubau an der Cerveteristraße umziehen. 

Neue Schule: Aufregung um Sprengel

Der Standort an der Cerveteristraße für die neue Grundschule im Brucker Westen ist nun fix. Doch um die notwendige Sprengeländerung gibt es Gerangel. Die Vertreter der Richard-Higgins-Grundschule und einige Stadträte fürchten, dass besonders förderbedürftige Kinder auf der Strecke bleiben.

Fürstenfeldbruck – „Herkulesaufgabe“, „schwieriges Unterfangen“ oder „Quadratur des Kreises“ – schon die Wortwahl bei der Diskussion um die neue Grundschule zeigt, dass es äußerst schwierig ist, alle Interessen der Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Bei den Planungen sollen am Ende die Belange der vier bestehenden Grundschulen berücksichtigt werden sowie stabile Schulsprengel entstehen, die für Jahrzehnte halten.

Im zuständigen Ausschuss für Integration, Soziales und Jugend wurde zwischen Stadträten, Verwaltung und Schulleitungen über die Maßnahme diskutiert. Ein Teilergebnis steht immerhin schon fest: Ein neues Schulgebäude für mehr als 300 Schüler soll an der Cerveteristraße entstehen – die erste Kostenschätzung geht von etwa 29 Millionen Euro für Grundstückskauf und Bau aus.

Das ist die Ausgangslage

Die Bevölkerung in Bruck wächst stetig. Deswegen braucht die Stadt die neue Schule – und zwar dringend. Bis 2021 wird die Zahl der schulpflichtigen Kinder vor allem in den Grundschulen deutlich steigen – das prophezeit die Demographie-Studie. Knapp 300 Plätze und 19 Klassenzimmer zusätzlich sind nötig, vor allem im Brucker Westen. Das ist mit dem aktuellen Gebäudebestand nicht mehr zu machen.

Anbau hätte keinen Platz

Um die Zahl zu kompensieren, wäre ein Anbau an der Richard-Higgins-Grundschule, die momentan etwa 425 Schüler beherbergt, zwar die einfachste Lösung gewesen. Das sagte der zuständige Sachgebietsleiter Michael Maurer. Doch dafür hätte man den gesamten Sportplatz zubauen müssen.

Es bleibt der Stadt also keine andere Option, als ein komplett neues Schulgebäude an der Cerveteristraße zu bauen. 17 Klassenzimmer sollen dort entstehen. Andere Varianten, wie zwei kleinere Schulen, seien nicht zweckführend, teurer und organisatorisch nicht zu empfehlen, hieß es von Seiten der Verwaltung.

Problem Sprengeländerung

In den Neubau an der Cerveteristraße soll dann die jetzige Richard-Higgins-Grundschule umziehen. In deren jetzigem Gebäude, das an den Asambogen im Brucker Westen angrenzt, würde dann die neue Schulfamilie entstehen. In diesem Zuge will das Rathaus das Stadtgebiet in neue Sprengel – sprich Einzugsgebiete für die jeweiligen Schulen – einteilen.

Die Einrichtung an der Richard-Higgins-Straße versorgt im Moment alleine den gesamten Westen. Dieser soll in Zukunft auf zwei Sprengel aufgeteilt werden. Klar ist schon jetzt: Die Kinder aus der Alt-Buchenau sollen künftig nicht mehr der Schule Nord zugehörig sein, sondern ebenfalls im Westen unterrichtet werden. Die Nord-Regelung stammte noch aus den 1980er-Jahren und stand schon lang immer wieder im Kreuzfeuer von Betroffenen und Politikern.

Rektorin und Eltern sind unzufrieden

Tanja Stock

Die Leitung der Richard-Higgins-Schule und der Elternbeirat sind mit der Sprengeländerung, wie sie die Verwaltung vorschlägt, aber überhaupt nicht glücklich. Vereinfacht gesagt, fürchten sie um die Kinder, die in der Gegend um die Buchenauer Straße und den Drudenbogen wohnen. Wie Rektorin Tanja Stock sagt, leben in diesem Areal besonders viele Mädchen und Buben mit Migrationshintergrund und viele, die besondere pädagogische Betreuung bräuchten.

Tanja Stock meint, wenn die Richard-Higgins-Grundschule, welche ein sogenanntes Inklusions-Profil anbietet und damit viele besondere pädagogische Angebote hat, an die Cerveteristraße zieht, könnten diese Kinder nicht mehr so gut betreut werden. Denn die neue Grundschule habe dann zu wenig Kinder in ihrem Sprengel, um ein Inklusions-Profil anzubieten.

Viele Stadträte schlossen sich dieser Meinung an. „Ich teile die Sorgen von Frau Stock“, sagte Integrations-Referent Willi Dräxler (BBV). Die SPD-Mitglieder um Schul-Referentin Claudia Calabrò plädierten dafür, die geplante Sprengeländerung anders durchzuführen.

Alle Varianten haben einen Haken

Doch wie Maurer sagte, habe man alle Varianten durchprobiert. Trotzdem war die Mehrheit im Ausschuss der Meinung, die Verwaltung solle weitere Alternativen suchen. Schließlich habe man noch einige Jahre Zeit, bis das neue Schulhaus frühestens 2021 steht, so Willi Dräxler.

Alle Bauchschmerzen wegen der Sprengeländerung könnten sich aber in Luft auflösen, wenn die Regierung von Oberbayern die Mittel für eine zweite Grundschule mit Inklusions-Profil genehmigt. Bettina Betz vom Brucker Schulamt machte den Stadträten aber wenig Hoffnung. Sie sagte, es sei eher unwahrscheinlich, dass der Westen der Stadt solch eine zweite Schule bewilligt bekäme.

Fabian Dilger

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