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Prost auf den neuen Pächter der Traditionsbrauerei: Besitzerin Martina Sedlmayr mit Michael Schweinberger

Eigentümerin verpachtet Betrieb

Neuer Chef bei Maisacher Brauerei

Maisach - Mit 10 000 Hektoliter Bier-Ausstoß pro Jahr gehört die Brauerei Maisach zu den ganz kleinen und feinen. Das soll auch so bleiben.

Deshalb hat Besitzerin Martina Sedlmayr den Betrieb verpachtet – statt ihn an eine Großbrauerei zu verkaufen.

Seit 1556 gibt es die Brauerei Maisach. Seit 1907 ist sie im Besitz der Familie Sedlmayr. Zuletzt war Brauerei-Chefin Martina Sedlmayr Einzelkämpferin, eine Nachfolge in der Familie ist nicht absehbar. Deshalb entschied sie sich zu diesem Schritt. „Mir ist wichtig, dass die Tradition erhalten bleibt.“

Alle Mitarbeiter werden übernommen

 Der Pachtvertrag gilt ab 1. Januar. Bedingung für sein Zustandekommen war die Übernahme aller rund 15 festen Mitarbeiter, inklusive Braumeister Walter Miesl. „Die Leute arbeiten teilweise seit vielen Jahren im Betrieb“, so Martina Sedlmayr. Keine der Großbrauereien, mit denen sie verhandelt habe, habe diesem Punkt zugestimmt. Das Konzept der Brauerei und der Gaststätte wird ebenfalls weitergeführt. Bürgermeister Hans Seidl sei sehr erleichtert gewesen, als er von der Lösung erfuhr. „Viele Menschen verbinden Maisach mit der Brauerei. Alle sind froh, dass dieser Schornstein weiter raucht.“ Der neue Chef der Sudkessel heißt Michael Schweinberger. „Ich erfülle mir damit einen langgehegten Traum“, sagt der 53-Jährige. Kleine Brauereien und lokale Biere lägen derzeit voll im Trend. Auf dieser Welle will er mitschwimmen. „Vor allem die Marke Räuber Kneißl ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, erklärt Schweinberger. Möglicherweise will er das Angebot um ein bis zwei Sorten ausweiten. Beim Bier sei die emotionale Komponente wichtig. „Man verkauft ja sozusagen eine Geschichte“, sagt der Allgäuer.

Betriebswirt mit Marketing-Erfahrung

Marketing ist für den 53-Jährigen beileibe kein Neuland. Der Betriebswirt hat bereits bei der Paulaner-Brauerei jahrelang auf diesem Sektor gearbeitet. Zuletzt war er geschäftsführender Vorstand der Winzergemeinschaft Franken in Kitzingen. Deshalb weiß Schweinberger auch: „Das Bier kann vom Wein in Sachen Vermarktung einiges lernen.“ Ein Aspekt sei, dass der Käufer wissen wolle, wo das Getränk herkommt. „Bei Winzern ist es ganz normal, dass Kunden aufs Weingut kommen.“ Eine große Rolle spiele dabei die Architektur. Und da eigneten sich Gebäude und Gelände der Brauerei Maisach hervorragend. „Sie muss sozusagen zu einer Pilgerstätte für Biertrinker werden.“ Vorstellen kann sich Schweinberger zum Beispiel, das Alte Sudhaus wieder zu aktivieren. Es wurde ja bereits früher für Kulturveranstaltungen genutzt. Künftig könnten dort Empfänge stattfinden. Auch Vermietungen wären denkbar. Was das Kerngeschäft angeht, legt Schweinberger Wert auf die Feststellung, dass die Brauerei Maisach bestens dastehe. „Sie ist ein gesundes, gut geführtes Unternehmen, kein Sanierungsfall.“

Zusammenarbeit mit der Gastronomie

Intensivieren will der neue Brauerei-Chef die Zusammenarbeit mit der Gastronomie. Bisher wird in rund 80 Gaststätten Maisacher Bier ausgeschenkt. „Maisacher Bräu muss dort präsenter werden.“ Zudem sollen mehr Getränkemärkte die Marke anbieten. „Kleine Genussbrauereien mit hochwertigen, handgemachten Bieren sind derzeit vehement auf dem Vormarsch. Die Verbraucher wollen wissen, wo ihr Bier herkommt.“ Nichts ändern will Schweinberger an der Brau-Philosophie der Maisacher. „Die Biere werden auch künftig nicht erhitzt.“ Deshalb seien sie zwar kürzer haltbar. Der Gerstensaft, der Großbrauereien verlässt, kann etwa ein Jahr lang getrunken werden, Maisacher Bräu hält rund sechs Monate. Dafür, so der 53-Jährige, blieben ohne Erhitzen einfach mehr Inhaltsstoffe im Bier erhalten. Die Produktpalette von Maisacher Bräu erstreckt sich derzeit auf das Räuber-Kneißl, die Perle und das Kellerbier. 2014 gab es zur Starkbierzeit zudem ein spezielles Bock-Bier. Schweinberger könnte sich vorstellen, dass künftig noch mehr saisonal begrenzte Sorten dazukommen.

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