Klingender Fichtenstamm: Heinrich Widmann an seiner Baumharfe. Foto: Carmen Voxbrunner

Neuer Klangweg führt zum Jexhof

Schöngeising - Wer vom unteren Parkplatz an der Abzweigung nach Schöngeising zu Fuß zum Jexhof geht, wird sich künftig für die Strecke wohl etwas mehr Zeit nehmen: Denn es gibt einen neuen Klangweg.

Unterwegs stößt man auf eine Reihe von spannenden Kunstwerken, die man nicht nur sehen, sondern auch hören kann. Die Objekte bilden einen Klangweg, den Künstler aus der Region gestaltet haben. Manche der Kunstwerke liegen direkt am Wegesrand, andere locken den Besucher ein paar Schritte abseits an verwunschene Fleckchen.

„Xylonia“ von Lucien Mayer zum Beispiel, eine Skulptur in Gestalt eines kleinen Mammuts, dessen Rippen ein Xylophon bilden. Durch Anschlagen mit verschiedenen Holzschlegeln erzeugen alle Teile mehr oder weniger harmonische Töne. Ein bisschen schaurig wird’s ein paar Schritte weiter. An einem Baum klebt ein riesenhaftes Ohr, das aus der Scheibe eines Baumstamms gestaltet wurde. Darüber baumelt eine Klingelschnur. Wer daran zieht, wird von einem fernen Grollen überrascht – und entdeckt plötzlich in einem nahen Baum ein Blech, das den Klang erzeugt. Ulrich Nußmann hat sich diese clevere Konstruktion einfallen lassen. Das Element des Schaurigen passt für den stellvertretenden Landrat Johann Wieser gut zur Romantik im ursprünglichen Sinne des Wortes. Wie im 19. Jahrhundert wollten die Menschen auch heute „sehend und hörend die Natur erfahren“.

Die Baumharfe von Heinrich Widmann besteht aus einem geschälten Fichtenstamm, der mit unterschiedlich dicken Metalldrähten bespannt wurde und nun verblüffend an das Musikinstrument erinnert. Die Fichte stand früher im Hohenzeller Wald und soll bei Wildschweinen als Scheuerbaum beliebt gewesen sein. Vielleicht hätten sogar die Tiere zur gebogenen Form des Stammes beigetragen, vermutet der Künstler.

Der Idee nach stammen die Objekte alle vom ehemaligen Schöngeisinger Klangweg, der zu Ehren des 1200-jährigen Ortsjubiläums 2013 von der Heinrich-Scherrer-Musikschule initiiert wurde. Ende des Jahres wurden die Kunstwerke abgebaut. Viele von ihnen wären in der Versenkung verschwunden, wenn man im Jexhof nicht auf die Idee gekommen wäre, ihnen eine neue Heimat zu geben. Teils wurden sie für den neuen Standort überarbeitet, „und natürlich wirken sie in unserer Umgebung ganz anders“, so Museumsleiter Reinhard Jakob.

„Ich bin stolz und froh, dass die Objekte für Schöngeising erhalten bleiben“, sagte Bürgermeister Thomas Totzauer bei der Einweihung des Weges. „Sie fügen sich wundervoll in die Landschaft ein.“ Für das Museum ist der Klangweg eine Bereicherung. Er passt laut Jakob gut in das Konzept des Hauses, die Umgebung zu erschließen und attraktiver zu machen. Ein weiterer Vorteil ist praktischer Natur: Es würden vielleicht mehr Besucher dazu angeregt, ihr Auto auf dem unteren Parkplatz zu lassen und damit die Parksituation am Museum zu entschärfen, so Jakob. Gerade Schulklassen empfiehlt er, sich dem Museum zu Fuß zu nähern. „Die kommen dann bei uns ganz anders an.“

 (Ulrike Osman)

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