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Bei dem Unfall am Dienstag wurde eine Frau schwer verletzt.

Auf der B2 bei Puchheim-Ort

Neuer Unfall am Tag des Urteils

Die B2 bei Puchheim gilt als gefährliche Strecke. Immer wieder gibt es dort Unfälle mit Toten und Verletzten. Gestern ergab sich ein nahezu unheimliches zeitliches Zusammentreffen: Am 12. Juni 2018 schickten die Richter eine Frau ins Gefängnis, die am 15. Juni 2013 einen tödlichen Unfall verursacht hatte. Und fast zeitgleich krachte es wieder auf der B 2 – fast an der gleichen Stelle.

Puchheim-Ort/München – Es war ein Horrorcrash, damals im Juni 2013. Maria H. (44) saß in ihrem Käfer-Cabrio. Sie wollte nach München, um sich dort mit ihrem Lebensgefährten Wolfgang W. und ihren Eltern zu treffen. Doch sie kam nur bis kurz vor Puchheim-Ort. Dort kam ihr eine damals 27-jährige Münchnerin im Skoda entgegen. Sie hatte Beziehungsprobleme und wollte sich bei einem Freund in Fürstenfeldbruck aussprechen. Mit 1,9 Promille geriet sie auf die falsche Spur.

Maria H. hatte trotz Vollbremsung keine Chance, den Frontalzusammenstoß zu verhindern. Wegen der Leitplanken konnte sie nicht ausweichen. Sie starb noch an der Unfallstelle. Die Skodafahrerin wurde leicht verletzt.

Die heute 32-Jährige Todesfahrerin hat seither alles versucht, einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Bis vors Oberlandesgericht war sie gezogen. Doch das Landgericht München II verurteilte die Frau nun zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten. „Es ist mit der Verteidigung der Rechtsordnung nicht in Einklang zu bringen, in diesem Fall noch eine Bewährung auszusprechen“, sagte der Vorsitzende Richter. Kein Bürger würde es verstehen, wenn eine tödliche Trunkenheitsfahrt noch mit einer Bewährung geahndet werde.

Die 32-Jährige, die noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, versuchte die Fassung zu wahren. „Sie leidet wie ein Hund“, sagte ihr Anwalt am Rande des Verfahrens. Ihre Alkohol-Krankheit habe sie mit einer langen und erfolgreichen Therapie in den Griff bekommen. Hinter das Steuer eines Autos setze sie sich nie wieder.

Im März 2014 war die 32-Jährige in erster Instanz vom Amtsgericht Fürstenfeldbruck wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Der Führerschein wurde für 22 Monate eingezogen. Sie ging in Berufung. Vor dem Landgericht München II ordnete die Richterin ein psychiatrisches Gutachten an. Dann verlor sich im Gericht die Akte und musste rekonstruiert werden. Im Sommer 2016 endlich wurde die Angestellte zu anderthalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Führerscheinentzug betrug nun nur noch drei Monate. Doch das Oberlandesgericht hob den Richterspruch im Juli 2017 wegen eines Verfahrensfehlers auf. Eine andere Kammer des Landgerichts München II musste erneut verhandeln. Gestern nun fand dort der fünfte Prozess um die schreckliche Todesfahrt statt.

Als Nebenkläger verfolgte einer der Söhne der Toten mit seiner Frau die Verhandlung. Der Mann war 23 Jahre alt, als seine Mutter ums Leben kam, sein Bruder 22. Sie hatten vor der Mutter schon ihren Vater verloren und waren durch den Unfall zu Vollwaisen geworden. Der Prozess setzte dem Älteren sichtbar zu. Dass die Tat über Jahre nicht geahndet werden konnte, ärgerte ihn sehr. Als das Gericht gestern eine Haftstrafe verhängte und der Richter sagte, dass Maria H. nicht der Anflug eines Mitverschuldens angelastet werden könne, wirkte der 28-Jährige erleichtert. „Es hätte uns alle treffen können“, betonte der Richter. Drei Monate weniger Haft seien für die überlange Verfahrensdauer Entschädigung genug.

Der Tod von Maria H. hatte eine Welle der Trauer ausgelöst. Die Angestellte des Bayerischen Jagdverbandes war damals auf den Tag genau drei Jahre mit ihrem Lebensgefährten Wolfgang W. aus Adelshofen zusammen gewesen. Sie spielte Jagdhorn, war gesellig und kam mit allen Leuten gut aus. Ihre Eltern hatten mit der 44-Jährigen ihr drittes Kind verloren – jedes durch einen unverschuldeten Unglücksfall. Wolfgang W. bezeichnete die Zeit mit Maria H. dem Fürstenfeldbrucker Tagblattgegenüber als die glücklichste seines Lebens. „Im Himmel wurde ein Engel gebraucht“, sagte er. Anders konnte er sich ihren Tod nicht erklären.

Eine Stunde nach dem Urteil zu dem schrecklichen Crash vor fünf Jahren, sausten wieder einmal mehr Streifenwagen zur B 2. Etwa 100 Meter weiter Richtung Puchheim-Ort war eine Horrorvision all derer wirklich geworden, die die Stelle öfter passieren. Ein Mercedes fuhr auf die B 2 auf und nahm einem BMW die Vorfahrt. Dessen 43-jährige Fahrerin wich aus und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Peugeot zusammen. Die 32-Jährige im Peugeot erlitt schwerste Verletzungen. Auch die BMW-Lenkerin wurde verletzt. Beide Autos sind völlig zerstört. Die Frau im Mercedes fuhr weiter, ohne sich um den Unfall zu kümmern. Die Gröbenzeller Polizei fahndet nach ihr. Sie wird als blond und älter beschrieben. Die B 2 war drei Stunden lang gesperrt. Die Feuerwehr Puchheim-Ort und die Polizei Germering unterstützten die Kollegen aus Gröbenzell vor Ort.

Erst am Pfingstwochenende war an der Auffahrt am anderen Ende von Puchheim-Ort ein Motorradfahrer (36) aus München ums Leben gekommen – auch wegen eines Vorfalls beim Einfädeln auf die Bundesstraße. Autos vor ihm hatten bremsen müssen, weil ein Wagen von der Ausfahrt Puchheim-Ort, Germering-Nord in die Bundesstraße ragte. Der Motorradfahrer konnte seine Geschwindigkeit nicht schnell genug verringern, krachte einem Fiat hinten drauf und schleuderte gegen einen entgegenkommenden Alfa Romeo. 

Angela Walser/Sabine Kuhn

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