Zu Amtszeiten schmückte ihn die Kette. Jetzt soll Kellerer endlich den Ehrentitel bekommen. Archiv

Der nichtöffentliche Altbürgermeister

Fürstenfeldbruck - Woanders ist es nur eine Form- und Ehrensache. In Fürstenfeldbruck allerdings stellt die Ernennung von Ex-OB Sepp Kellerer zum Altbürgermeister die Stadträte vor ungeahnte Probleme.

Ob wie zuletzt in Althegnenberg oder zuvor in Jesenwang und Schöngeising - überall galt es als selbstverständlich, dass langjährige Rathausbosse zu Altbürgermeistern gemacht werden - egal, welcher Partei oder Gruppierung sie angehören. Anders in Bruck: Sepp Kellerer, Ex-Rathauschef mit CSU-Parteibuch aus Aich, ist auch ein halbes Jahr nach seiner Abdankung noch nicht in den Genuss einer Ehrung gekommen. Das soll sich nun ändern.

Doch nicht die CSU macht sich für die Ernennung Kellerers stark, sondern ausgerechnet die SPD-Fraktion arbeitet gerade an einem entsprechend Antrag. Alt-Stadtrat Walter Schwarz: „Das ist doch in Bruck so üblich. Ich war zwar mit Kellerer in einigen Bereichen nicht immer seiner Meinung, aber vor seiner Amtsführung habe ich noch immer großen Respekt.“ Mittlerweile hat sich auch die CSU dem Antrag angeschlossen. Andreas Lohde, der eigentlich Kellerer beerben sollte, dann bei der Wahl aber an BBV-Kandidat Klaus Pleil gescheitert war, bestätigt eine entsprechende Initiative: „Sie ist im Anmarsch. An uns hat die Verzögerung aber ohnehin nicht gelegen.“

Der amtierende OB äußert sich zu der offenbar pikanten Angelegenheit wortkarg: „Ich bin darüber nicht informiert und will mich dazu auch nichts äußern“, sagte Klaus Pleil auf eine entsprechende Tagblatt-Anfrage. Doch schon bei der nächsten Stadtratssitzung soll die Ernennung auf der Tagesordnung stehen - allerdings im nichtöffentlichen Teil, „weil es sich um eine Personalangelegenheit handelt“, wie Schwarz erklärt.

Sepp Kellerer selbst legt „eigentlich keinen so großen Wert“ auf die Auszeichnung, lässt aber durchklingen, dass er sich nach Beendigung seiner Amtszeit „schon etwas links liegen gelassen“ fühle. „Ich bekomme keine Einladungen zu offiziellen Anlässen und werde auch sonst nicht gefragt.“

Etwas hat Kellerer aber sowohl seinen Vorgängern als auch Nachfolgern voraus - und dafür brauchte es gar keinen Beschluss: Sein Name ziert bereits zu Lebzeiten einen eigenen Straßenzug, den es schon vor seiner Amtsperiode gegeben hat. Wobei die Kellererstraße rein gar nix mit dem Aicher Landwirt zu tun hat. Der 300 Meter lange Weg ist vielmehr einem ehemaligen Abt im Kloster Fürstenfeld gewidmet.

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