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Mit so einem Einsatzfahrzeug waren die Johanniter unterwegs.

Helfer bei Einsatz angepöbelt

Null Respekt vor Rettungskräften

Gröbenzell – Nach seinen Attacken auf Rettungskräfte in der vergangenen Woche muss ein 62-Jähriger mit mehreren Anzeigen rechnen.

 Auch wenn dieser Fall in seiner Massivität singulär sein dürfte, wird klar: Rettungskräfte sehen sich während ihrer Einsätze immer häufiger Angriffen ausgesetzt.

Es geht um Sekunden, ein Mensch schwebt in Lebensgefahr: Kräfte der Johanniter-Unfallhilfe eilen in die Osterseestraße in Gröbenzell. Ihren Wagen stellen sie an einer Stelle in der Nähe des Einsatzortes ab, die gerade passend scheint. In diesem Fall ist das eine Feuerwehranfahrtszone – die Retter dürfen das. Während sie ein Menschenleben retten, stören sie zwar nicht die Feuerwehr, wohl aber die Kreise eines Handwerkers.

Er ist auf dem Weg zu einem Auftrag und möchte die entsprechende Zufahrt nutzen, um möglichst nah an sein Ziel zu kommen. Offenbar will er seine Werkzeuge nicht zu weit tragen. Der 62-Jährige beleidigt die beiden 24 und 27 Jahre alten Rettungskräfte laut Polizei mit übelsten Schimpfwörtern. Dann setzt er dem ganzen die Krone auf: Er schwingt sich hinters Steuer des Rettungswagens, dessen Motor läuft, um ihn aus der Einfahrt zu manövrieren. Das gelingt ihm allerdings nicht.

Die Polizei nimmt den Vorfall in Gröbenzell sehr ernst. Sie ermittelt wegen Beleidigung und der versuchten unerlaubten Ingebrauchnahme eines Kraftfahrzeugs gegen den Handwerker. Seit zwei oder drei Jahren sei zu beobachten, dass Hilfskräfte angegangen werden, berichtet ein Sprecher der Inspektion in Gröbenzell. Das gilt auch für Feuerwehrleute.

Kurioserweise trete das Phänomen vor allem dann auf, wenn gerade keine Polizei daneben steht, schildert er. Wenn Beamte da sind, trauen sich die Wutbürger offenbar nicht. Der Polizeisprecher berichtet von teils körperlichen Angriffen. Besonders tragisch sei in diesem Zusammenhang, dass viele der Helfer ja ehrenamtlich tätig seien – sprich: Ihre Freizeit opfern, um andere zu retten.

Christian Haberkorn von der Johanniter-Unfallhilfe

Christian Haberkorn von der Johanniter-Unfallhilfe kennt das Problem, auch wenn dieser Fall schon besonders heftig war. „Wir werden teils massiv angegangen.“

Natürlich stehe ein Rettungswagen im Einsatz in den Augen mancher Verkehrsteilnehmer nicht immer besonders günstig. „Aber wir müssen halt erst mal schnell klären, was los ist, wenn wir gerufen worden sind.“

Natürlich habe er Verständnis dafür, wenn Leute in die Arbeit müssten, sagt Haberkorn. Deshalb parkten die Helfer schon auch um, wenn sie im Weg stehen und wenn die Dringlichkeit eines Einsatzes klar ist. „Wenn die Umstände es erlauben, gehen wir wieder raus und machen Platz.“

Er erinnert aber daran, dass er und seine Leute ja nicht zum Spaß vor Ort seien. Gerade in dem aktuellen Fall sei es wirklich um eine lebensgefährliche Situation gegangen. Christian Haberkorn: „Insgesamt nimmt der Respekt uns gegenüber und das Verständnis für das, was wir tun, ab.“

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