+
Klaus Pleil

Stadtrat hat entschieden

Entlassung von OB Klaus Pleil - die Hintergründe

  • schließen

Fürstenfeldbruck - Wie berichtet hat der Stadtrat beschlossen, OB Klaus Pleil (BBV) aus dem Amt zu entlassen. Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus, dass der Brucker seinen Dienst im April beenden soll. In der Sitzung flossen Tränen.

Gegen 19.15 Uhr heben die Mitglieder aller Fraktionen des Brucker Stadtrats die Hände – langsam, aber ohne zu zögern. Damit bestätigen sie: Klaus Pleil soll nicht länger Oberbürgemeister von Fürstenfeldbruck sein. Er soll am 30. April aus seinem Amt entlassen werden. Tränen fließen, Köpfe werden gesenkt – nein, wirklich gerne hat an diesem Abend wohl keiner die Hand gehoben.

Im März 2014 war der heute 53-Jährige nach jahrelanger CSU-Regentschaft zum OB gewählt worden. Im August 2015 beendete ein schwerer Herzinfarkt jäh seine aktive Zeit im Amt. Seitdem war der Vater zweier Kinder, der nur knapp überlebte, im Krankenstand. Vize-Bürgermeister Erich Raff (CSU) – der sich bei den anstehenden Neuwahlen im Mai als Kandidat aufstellen lassen will – hat ihn bis heute vertreten.

Amtsarzt hält Klaus Pleil für dienstunfähig

Doch irgendwann musste eine Entscheidung her. Ein Amtsarzt bestätigte bereits im November, dass der gelernte Orthopädie-Schuhmacher nicht in seinen Job zurückkehren kann. Er erklärte ihn für dauerhaft dienstunfähig. Dagegen hätte Pleil Widerspruch einlegen können, das tat er aber nicht.

Der Bescheid über den neuerlichen Stadtrats-Entschluss – der nun konsequenterweise folgen musste – wird Pleil dieser Tage zugestellt. Dann hat er OB noch einmal einen Monat Zeit, dem zu widersprechen. Geschieht dies nicht, stehen im Mai Neuwahlen an. „Die Familie plant nicht, Widerspruch einzulegen“, sagt Pleils Sohn Sebastian schon jetzt. Er hat mittlerweile die Führung des Schuhgeschäfts Pleil übernommen. Seinem Vater gehe es den Umständen entsprechend gut. „Man darf nie vergessen, dass er einen schweren Herzinfarkt überlebt hat.“ Trotzdem verbessere sich der Zustand nur schleppend. „Und mental ist er natürlich schon angeschlagen. Es ist alles nicht leicht für ihn.“

Klaus Quinten, Fraktions-Vorsitzender von Pleils Gruppierung BBV, hatte schon länger geahnt, dass der OB nicht mehr in das Amt zurückkehren wird. „Es hat sich abgezeichnet“, sagt er in der entscheidenden Stadtratssitzung. Mehrmals versagt ihm die Stimme, als er Sätze sagt wie: „Es ist bedrückend, weil es endgültig ist.“

Fraktions-Mitglieder traurig

Man merkt, dass sich die Mitglieder der BBV an diesem Abend nicht nur von ihrem Oberbürgermeister verabschieden. Sondern auch von der Idee, dass ihr guter Freund den Kampf gegen die Folgen der Krankheit gewinnen könnte – und dass er seinen Traum doch noch weiterleben kann. Nicht nur Quinten schießen immer wieder Tränen in die Augen. Es gehe schon lang nicht mehr um den Oberbürgermeister, sondern um den Menschen Pleil, sagt er. Es gehe um Pleils Familie und um deren Zukunft. 

„Wir haben und rechtlich beraten lassen um zu sehen, wie es weitergeht“, sagt Sohn Sebastian Pleil. Konkret gehe es um Versicherungsleistungen. Diesbezüglich sprach Quinten auch die „Schmutzeleien“ in den sozialen Netzwerken an. „Es war eine Hängepartie und es gab Missverständnisse.“ Alles in allem sei der Stadtrat aber „sehr zivilisiert mit der Sache umgegangen“.

„Auch wir von der BBV haben niemandem etwas vorgemacht. Ich hätte Klaus Pleil auch von dem Amt abgeraten, wenn es ihm ein wenig besser gegangen wäre“, so der BBV-Vorsitzende. Nun bleibe nur, Pleil dadurch zu würdigen, dass man sein Herzensprojekt – den Umbau des Viehmarktplatzes – in seinem Sinne zu Ende führe. In näherer Zukunft liegt allerdings erst einmal die Neuwahl des Oberbürgermeisters. Am morgigen Donnerstag will die BBV in einer nicht öffentlichen Sitzung über ihren OB-Kandidaten entscheiden. Im Gespräch ist auch der Gröbenzeller Martin Runge.

So geht es weiter bis zur Wahl:

Die Verwaltung hat einen vorläufigen Fahrplan bis zur Wahl erstellt: 

1. Wenn Pleil bis 19. Februar keinen Einspruch gegen den Stadtratsbeschluss einlegt, endet seine Amtszeit am 30. April.

2. Die Wahl muss durch den bereits vom Stadtrat einstimmig ernannten Wahlleiter, Rechtsamts-Chef Christian Kieser, öffentlich bekanntgemacht werden. Frühest möglicher Tag dafür ist der 20. Februar. 

3. Erst wenn die Bekanntmachung raus ist, können Wahlvorschläge eingereicht werden, und zwar bis zum 16. März. Unterstützunglisten für Kandidaten, die ohne etablierte Partei antreten, liegen ab Abgabe des Wahlvorschlags bis 27. März im Rathaus aus. 215 Bürger müssen unterschreiben, sonst können sie nicht kandidieren. 

4. Erstellung der Stimmzettel und Wahlunterlagen voraussichtlich am 4. April. 

5. Voraussichtlich ist die Wahl am 7. Mai, Amtsantritt des neuen OB am 10. Mai. Bei einer Stichwahl am 21. Mai ist Amtsantritt am 24. Mai

OB-Wahl am 7. Mai in Fürstenfeldbruck: Alle Infos im Überblick

Eine große und wichtige Entscheidung steht 2017 in Fürstenfeldbruck an: Der Chefsessel im Rathaus soll neu besetzt werden. Wir haben bereits alle Infos zur OB-Wahl 2017 in Fürstenfeldbruck zusammengestellt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fall Malina: Schlussbericht liegt vor - Einige Fragen beantwortet, andere bleiben offen
Regensburg - Malina Klaar, die vermisste Studentin aus dem Raum Fürstenfeldbruck, ist tot. Sie wurde nur 20 Jahre alt. Alles spricht für einen tragischen Unfall. Die …
Fall Malina: Schlussbericht liegt vor - Einige Fragen beantwortet, andere bleiben offen
Schon immer kamen Fremde – und blieben
Heute ist der internationale Tag der Migranten. Doch das Thema Zuwanderung ist so alt wie die Menschheit selbst. Auch der Landkreis ist seit tausenden von Jahren Ziel …
Schon immer kamen Fremde – und blieben
Justus aus Gernlinden
Annika und Karl Braun aus Gernlinden freuen sich über ihr erstes Kind. Ihr Justus erblickte im Brucker Klinikum das Licht der Welt. Am Tag seiner Geburt wog er 3090 …
Justus aus Gernlinden
Vorfahrtsregelung stört Anwohner
Auch mit der zunehmenden Abgas- und Feinstaubbelastung begründen drei Familien aus dem Kreuzungsbereich Parsberg- und Kapellenstraße ihren Antrag an den Gemeinderat, die …
Vorfahrtsregelung stört Anwohner

Kommentare