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„Fit für Bruck“ ist das Motto des CSU-Kandidaten Erich Raff. Er bedankte sich in seiner Rede auch bei seiner Frau. 

Nominierungsversammlungen

OB-Wahl: Die ersten Kandidaten stehen fest

Der Wahlkampf hat begonnen: Die ersten Parteien haben ihre Kandidaten für die OB-Wahl am 7. Mai aufgestellt. Dabei wurde bereits der ein oder andere Seitenhieb in Richtung Konkurrenz verteilt.

 Fürstenfeldbruck – Während die Mitglieder der CSU sich im kleinen Saal des Veranstaltungsforums trafen, saßen die Anhänger der Brucker Bürgervereinigung (BBV) im Hotel Post. Dort verfolgten sie die Rede von ihrem Kandidaten Martin Runge (59). Am Ende nominierten sie den Gröbenzeller Vize-Bürgermeister mit 51 von 54 Stimmen. Was die CSU davon hält? Fraktions- und Ortschef Andreas Lohde konnte sich zeitgleich einige hundert Meter weiter im Veranstaltungsforum eine Spitze nicht verkneifen: „Wir sprechen wohl bald von der BGBV, der Brucker-Gröbenzeller-Bürgervereinigung.“

Ob der ehemalige Landtagsabgeordneten der Grünen und Mitglied des Kreistags Runge die schlechten Schwingungen gespürt haben mag? Jedenfalls kündigte er schon jetzt die Retourkutsche in Form eines „heftigen, fulminanten“ Wahlkampfs an. Er versprach außerdem, sich während des Wahlkampfes ein Zimmer in Bruck zu nehmen und im Falle eines Sieges in die Große Kreisstadt umzuziehen. „Für den Wahlkampf ist das unentbehrlich. Und als OB genauso.“

BBV tritt mit Martin Runge an

Außerdem trat der Kandidat der BBV, die momentan noch den erkrankten OB Klaus Pleil stellt, dem Gerücht entgegen, er werde im Herbst als Nachrücker in den bayerischen Landtag gehen. „Ich habe im Landtag schon alles gemacht. OB von Fürstenfeldbruck zu sein ist viel spannender.“ Runge und BBV-Chef Klaus Quinten gaben als Ziel mindestens den Einzug in die Stichwahl vor.

Die drei großen Wahlkampf-Themen: Die Konversion des Fliegerhorstes, das ewige Thema Verkehr in der Stadtmitte und als unerwarteten Schwerpunkt die neuen strategischen Ausrichtungen der Sparkasse, die zur Hälfte der Stadt Bruck gehört. „Wann diskutieren wir schon einmal so etwas wie eine Fusion?“, fragte Runge.

Man müsse die Projekte, die Klaus Pleil – der bei der Versammlung anwesend war – angerissen habe, fortsetzen. Klare Kante will Runge gegen die CSU zeigen. Beispielsweise beim Thema S4-Ausbau, laut ihm ein „Saustall und Trauerspiel“ der Landespolitik. Hier will er weiter Druck machen. Bei den Christsozialen machte Runge außerdem eine zunehmende Zündelei mit rechten Themen aus.

Die Entscheidung für Runge bedeutet für die Vereinigung nun aber auch den Abschied von OB Pleil, weswegen Klaus Quinten auch ein gewisses „unangenehmes Gefühl“ bei sich ausmachte. Bei der politischen Gegnerschaft wollte er schon die Nervosität aufgrund des Kandidaten Martin Runge erkennen. „Warum sonst solle eine derartige Leserbrief-Kampagne gegen Runge laufen?“

Die Kritik daran, dass Runge kein Brucker sei, konterte Quinten mit den langjährigen Beziehungen des Gröbenzellers zur BBV. Als Kreisrat und politisch erfahrener Kopf könne Runge einen „schnellen Einstieg ins Amt“ gewährleisten. Runge’s Abschlusswort: „Pack ma’s an!“

CSU stellt Erich Raff auf

Sein Motto bereits ausgearbeitet hat der amtierende Bürgermeister Erich Raff (63), den die örtliche CSU bei ihrer Versammlung mit 98,5 Prozent der Stimmen als OB-Kandidaten aufgestellt hat (66 Mal ja, eine Nein-Stimme, zwei ungültig). Mit dem Leitspruch „Fit für Bruck“ und „es geht um das Wir“ will der ehemalige Handball-Manager die Herzen der Brucker gewinnen.

Kein Gegenkandidat

Vorgeschlagen wurde Raff – der an diesem Abend im hellblauen Hemd, passendem Sakko und Jeans auftrat – als einziger Kandidat von Fraktions- und Ortsvorsitzendem Andreas Lohde. Der Lehrer hatte zeitweise selbst mit einer Kandidatur geliebäugelt, sich aber dann wegen seines Jobs dagegen entschieden. Er empfahl Raff als „loyalen, integren und fairen Teamplayer“.

Der seinerseits zeigte sich bescheiden: „Ich hätte nie gedacht, dass sich nach 39 Ehejahren und 42 Jahren Polizeidienst noch einmal so etwas Außergewöhnliches in meinem Leben auftut.“ Eigentlich sei er seit 2013 im Ruhestand. Doch der Herzinfarkt von OB Klaus Pleil veränderte auch sein Leben. Seit 17 Monaten leitet der Vize-Bürgermeister die Amtsgeschäfte im Rathaus. Er habe sich bereits gut eingearbeitet, lediglich das Miteinander mit Dritter Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne) sei alles andere als einfach. Sie habe ihn nun sogar gefragt, ob er die Amtsgeschäfte nicht während des Wahlkampfes ruhen lassen wolle. „Sie stünde parat, meinte sie“, sagte Raff und erntete Gelächter im Saal.

Als seine bisherigen Erfolge nannte der Brucker, der seit 18 Jahren im Stadtrat sitzt, die Verhandlungen mit der Ministerin bezüglich der Flüchtlingsunterkunft am Fliegerhorst. „Es ist eine gute Lösung, dass die Erstaufnahme bleibt.“ Außerdem habe er die Vertreter der unterschiedlichen Lager zum stagnierenden Thema Lichtspielhaus 2016 an einen Tisch gebracht. „Jetzt geht es voran.“

Viehmarktplatz nur mit Investor

Das Projekt Viehmarktplatz sei auch in einer entscheidenden Phase, bald werde ein Entwurf für eine Bebauung ausgewählt. „Mit mir wird es aber nur ein Gebäude geben, wenn wir einen Investor finden und wenn Stellplätze oder eine Tiefgarage vorhanden sind.“ Wichtig sei außerdem die Überplanung des Schlachthof-Areals, die Entwicklung des Fliegerhorstes und die Ansiedlung von Gewerbe sowie die Schaffung von Wohnraum und Schul- sowie Betreuungsplätze für Kinder. All das sei aber nur umsetzbar, wenn man an einem Strick ziehe sagte Raff und dankte seiner Ehefrau Elke mit einem Blumenstrauß und einem Bussi. „Du hast meine Ideen nicht immer gutgeheißen, aber du unterstützt mich trotzdem.“

Abschließend konnte sich Anrdeas Lohde einen letzten Kommentar Richtung Konkurrenz nicht verkneifen. „Politik soll Spaß machen, aber soll Spaß auch Politik machen?“, fragte er in Anspielung auf Satire-Kandidat Florian Weber, der sich am Sonntag von der Partei „Die Partei“ nominieren lässt.

Fabian Dilger und Verena Usleber

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