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Daumen rauf: Elisabeth Staffler und Florian Weber konnten je über 215 Unterstützer-Unterschriften sammeln. Nun dürfen sie als Kandidaten um das Amt des Rathauschefs in Fürstenfeldbruck antreten.

Wahl 2017 in Fürstenfeldbruck

In letzter Sekunde auf OB-Kandidatenliste

Zwei Kandidaten haben es geschafft, einer nicht: Florian Weber (30, Die Partei) und Elisabeth Staffler (50, Leben in Bruck) dürfen bei der OB-Wahl als Kandidaten antreten. Thomas Lutzeier (55, Mehr für Bruck) ist dagegen aus dem Rennen. Er konnte mit Abstand die wenigsten Unterstützer mobilisieren.

Fürstenfeldbruck – Montag, 11.30 Uhr: Eine halbe Stunde bleibt den Kandidaten noch, um Unterstützer-Unterschriften zu sammeln. 215 braucht jeder von ihnen, um offiziell zur OB-Wahl zugelassen zu werden. Diese Hürde müssen sie nehmen, weil sie anders als die anderen schon bekannten Kandidaten keiner Partei angehören, die im Stadtrat sitzt. Während Florian Weber schon seit Donnerstag durch ist (Abschlusszahl: 230 Stimmen), muss Elisabeth Staffler am Montag noch bangen. Doch noch vor 12 Uhr wird klar: Auch sie hat es geschafft.

Bei Thomas Lutzeier liegen die Nerven dagegen blank. Seriös in blauer Jacke mit Krawatte versucht er am Montag bei schönstem Sonnenschein, Unterstützer ins Rathaus zu locken. 124 Brucker haben bis Freitag für ihn unterschrieben. Fehlen 91. Doch am Montag ist Lutzeier nicht zufrieden.

Verantwortlich dafür, dass es zäh läuft, seien auch die langen Wartezeiten im Rathaus, raunzt er im Foyer des Bürgerservice-Zentrums. Anschließend sucht er die Schuld bei Florian Weber und zwei seiner Partei-Kollegen, die ebenfalls im Foyer stehen und sich unterhalten. Sie seien zu nah am Unterschriften-Zimmer. Rathaus-Mitarbeiter Stephan Zenk solle sie des Platzes verweisen, fordert Lutzeier. Immerhin könnten sie in der Schlange stehende etwaige Unterstützer negativ beeinflussen, befürchtet er. Zenk winkt ab. Im Rathaus dürften die Partei-Mitglieder sehr wohl stehen, nachdem sie nicht mit Bürgern geredet haben.

Am Ende bringt Lutzeier das alles nichts. 165 Stimmen erreicht er – 50 Unterschriften zu wenig. „Es ist ein eindeutiges Ergebnis, das ich nicht anfechten werde“, sagt er am Montag um 12.30 Uhr auf Tagblatt-Nachfrage – nun deutlich ruhiger. Klar sei er enttäuscht. Er habe wohl den Wahlkampf auf der Straße unterschätzt. „Ich war vier Tage vorm Rathaus. Wäre es ein Tag mehr gewesen, hätte es vielleicht anders ausgesehen.“ Für ihn geht es jetzt zurück in den Job als IT-Berater. Eine Wahlempfehlung gebe er nicht heraus. Allerdings empfinde er Elisabeth Staffler als gute Kandidatin.

Die einzige Frau im Rennen um den OB-Sessel hatte in den vergangenen Tagen eine Aufholjagd hingelegt. In kürzerer Zeit als ihre männlichen Kontrahenten – sie hatte sich erst später als diese von der Gruppe „Leben in Bruck“ aufstellen lassen – sammelte sie mehr Stimmen als Weber und Lutzeier. Insgesamt standen am Montag um 12 Uhr 246 gültige Namen auf ihrer Liste. Florian Weber, der noch einmal im Rathaus war, obwohl er selbst schon genug Unterstützer-Unterschriften hatte, und zwei seiner Partei-Kollegen halfen Staffler am Montag beim Stimmenfang. „Weil ich sie gerne als Gegenkandidatin will“, sagt Weber.

„Ich habe mich sehr über die Unterstützung der sympathischen Partei-Mitglieder gefreut“, erklärt Staffler auf Tagblatt-Nachfrage. Mit so vielen Unterschriften habe sie nicht gerechnet. „Ich bin gerührt und fühle mich geehrt.“ Der Kontakt zu den Bürgern habe ihr viel bedeutet. „Es war nur die erste kleine Hürde. Jetzt gilt es, weiter Präsenz zu zeigen.“ Als erstes müssen Wahl-Plakate gedruckt werden. „Außerdem will ich mich weiterhin auf der Straße zeigen und mit den Leuten reden.“

Zuvor müssen Staffler und Weber allerdings noch offiziell als OB-Kandidaten zugelassen werden. Am heutigen Dienstag um 16 Uhr prüft der Wahlausschuss die Zahlen noch einmal und macht alles offiziell. Dies gilt allerdings als Formalie.

Kommentare: Pro und Kontra

PRO: Natürlich ist Demokratie kein Spaß, sondern ein hohes Gut. Gerade deshalb aber kann und muss sie mit einem Kandidaten umzugehen wissen, der sich zuallererst die Satire auf die Fahnen geschrieben hat. Wer weiß: Vielleicht belebt ein Schuss Humor (sofern er nicht niveaulos ist) ja sogar die ganze OB-Wahl. Webers Kandidatur war außerdem zweifellos eine direkte Reaktion auf die Bewerbung Lutzeiers. Die Gemeindeordnung ermöglicht es – ganz allgemein betrachtet – dass Interessenten von nicht im Stadtrat vertretenen Parteien via Unterschriften-Liste zur Kandidatur gelangen können. Das hat einen guten, basisdemokratischen Grund und ist mit einer relativ hohen Hürde ausgestattet. Warum also sollte man jemandem einen Vorwurf machen, der diese Möglichkeit wahrnimmt? In diesem speziellen Brucker Fall hat die Entwicklung sicher auch damit zu tun, dass über viele Monate hinweg kein direkt gewählter Bürgermeister im Rathaus saß und so der Eindruck eines Vakuums entstand – ob er korrekt ist oder nicht. Dass mit Elisabeth Staffler eine weitere Kandidatin antritt, dürfte vor allem die kleineren Gruppierungen freuen. Denn damit wird eine Stichwahl wahrscheinlicher. (Thomas Steinhardt)

KONTRA: Öffentliche Aufmerksamkeit für die OB-Wahl in Fürstenfeldbruck hat das Trio der frei schwebenden Kandidaten mit dem Kampf um Unterstützer-Unterschriften sicherlich erzeugt. Aber ist das die passende Art von Aufmerksamkeit? Werden sich diejenigen, die sich mit Freibier ins Rathaus locken ließen, um ihren Namen auf eine Liste zu setzen, künftig wirklich für Kommunalpolitik interessieren? Wo schon OB-Wahlen zum Gaudi-Event mutieren, wird es eher noch schwieriger, so konditionierte Bürger bei der Stange zu halten, wenn es um ernste Themen geht und die Niederungen der Realität durchschritten werden müssen. Demokratie muss sicher nicht moralinsauer sein. Aber sie ist eine ernste Sache. Nur diese Regierungsform garantiert das freie Leben, das Menschen in Deutschland führen. Deshalb sollte sie nicht unter dem Deckmäntelchen der Basisdemokratie zum Partygag verkommen – oder zum Selbstfindungstrip. Wenn die Freude über ihr Husarenstück verklungen ist, müssen sich die Neuen mit Bewerbern messen, die Parteien im Rücken haben. Durchaus hilfreich, wenn es ums Plakatkleben oder um Infostände geht. Mal sehen, wer am Ende feiert. (Sabine Kuhn)

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