Stefan Pongratzerzählt von der spannenden Suche nach Quellen.

Recherche in der Ortsgeschichte

Abenteuer Dorfchronik

Oberschweinbach – Seit mehr als zwei Jahren recherchieren die Oberschweinbacher für ihre Chronik. Und das Material scheint immer mehr zu werden. Doch wie Stefan Pongratz sagt, lohnt es sich. Das ein oder andere Schätzchen ist bereits aus den Untiefen diverser Archive aufgetaucht.

Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass sich eine kleine Gruppe Einheimischer entschloss, eine Ortschronik zu erstellen. Seitdem werden von den Ehrenamtlichen unzählige historische Quellen ausgewertet, dokumentiert und digitalisiert, Fotos eingescannt und Interviews mit älteren Dorfbewohnern geführt. Wie der aktuelle Stand nach der Sommerpause ist, berichtet Stefan Pongratz.

Pongratz, hauptberuflich Referatsleiter im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, beschreibt die Arbeit an der Chronik als Bastelei: „Die Recherche ist eigentlich nie abgeschlossen, wir sind ständig am Sichten der Quellen.“ Doch dass sich die mühevolle Arbeit lohnt, zeigen vor allem ganz spezielle geschichts–trächtige Funde, wie etwa eine Amtsrechnung der Hofmark Spielberg aus dem Jahr 1793, die eine Familie aus Rottbach in ihrem Privatbesitz hatte und Anfang Juni der Chronik-Gruppe Oberschweinbach zur Verfügung stellte (wir berichteten).

Mittlerweile ist das historische Dokument eingescannt und das Original im Rathaus verwahrt. Stefan Pongratz hat es zuvor aber noch genauer unter die Lupe genommen und war erstaunt über die gut durchstrukturierte Amtsrechnung. „Es ist ein System der Einnahmen und Ausgaben für ein paar Jahre zu erkennen.“ Dass der Baron von Lerchenberg, der Pongratz’ Recherchen zufolge die Geschicke vor Ort von einem Verwalter und einem Gerichtsdiener leiten ließ, wohl besser doch mehr Präsenz in Spielberg hätte zeigen sollen, zeigt ein Blick auf die Ausgaben. Diese, so Pongratz mit einem Lächeln, seien nämlich um 395 Gulden höher als die Einnahmen gewesen.

Aktuell verfolgt der inzwischen personell angewachsene Kreis der Chronik-Schreiber die Idee, mit Hilfe der alteingesessenen Familien eine Häuserchronik von Günzlhofen und Oberschweinbach zu erstellen. Zudem sollen externe Experten herangezogen werden, um beispielsweise die Geschehnisse im Ort während der NS-Zeit objektiv zu bewerten. Doch oft tauchen Funde auch einfach zufällig auf, berichtet Stefan Pongratz.

Spannender Fund

So habe er kürzlich in der Bayerischen Staatsbibliothek im öffentlich zugänglichen Online-Katalog (OPAC) den Ortsnamen „Günzlhofen“ eingegeben und sei dabei auf ein juristisches Wörterbuch des Kirchen- und Laienrechts aus der Feder von Augustin Perwanger gestoßen. „Es handelt sich um einen sogenannten Wiegendruck, eines der frühesten Druckwerke.“

Perwanger, dessen Familiengeschichte bereits Kreisheimatpfleger Toni Drexler erforscht hat, entstammte einer vermutlich ursprünglich in Tirol beheimateten Adelsfamilie, die sich im 16. Jahrhundert in Günzlhofen niederließ. Sein Wörterbuch, so ist der Quelle weiter zu entnehmen, hat Augustin Perwanger für damals 26 Kreuzer an das Kloster Aldersbach bei Passau verkauft. Zudem hat er wohl 1490 in Ingolstadt studiert. 1527/28 wurde Perwanger schließlich in München als Wiedertäufer (Anhänger einer radikalreformatorisch-christlichen Bewegung) enthauptet.

Wie es mit der Chronik weitergeht und welche historischen Funde noch ans Tageslicht kommen, bleibt spannend. Mit dem Schreiben der Texte hat Stefan Pongratz jedenfalls inzwischen begonnen. „Knapp zehn Seiten stehen schon.“ (seo)

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