Kompromiss abgelehnt

Denkmalschutz: Barrierefreiheit sorgt für Frust im Rathaus

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Viele bürokratische Hürden stehen der Barrierefreiheit im Spielberger Rathaus im Weg. Das Landratsamt schlug nach langem Hin und Her einen Kompromiss vor. Dieser stieß im Gemeinderat aber auf Ablehnung. Manch einer fühlt sich gar erpresst.

Oberschweinbach – Das Thema barrierefreier Zugang zum Rathaus in Spielberg ist vorerst vom Tisch. Der Gemeinderat hat sich mehrheitlich gegen den von Landratsamt und Denkmalamt vorgeschlagenen Kompromiss entschieden. Der Ärger ist enorm im Gremium. Denn ursprünglich hatte die Kreisbehörde die Planung der Gemeinde, an der Ostseite eine Metall-Rampe zu errichten, vor knapp einem Jahr abgesegnet. Darauf habe man sich verlassen, so Bürgermeister Norbert Riepl (DG/CSU): „Hier wurde ganz klar ein Wort nicht gehalten. So geht es einfach nicht.“

Diese Entscheidung des Landratsamtes kam seinerzeit völlig überraschend, da jahrelang ein Zugang an dieser Seite abgelehnt worden war. Früher hatte das Amt signalisiert, dass nur ein Zugang über den Sitzungssaal genehmigt würde. Dagegen hatte sich der Gemeinderat stets vehement ausgesprochen. Umso mehr wurde die Kehrtwende 2017 begrüßt. Jetzt aber folgte der Rückzug des Landratsamts. „Der einzige Kompromiss ist nun eine gärtnerische Lösung, sprich eine natürlich aufgeschüttete Geländerampe“, berichtete der Rathauschef. Im Klartext: Statt der ursprünglich genehmigten Metallrampe soll nun mit Erde und Mauerscheiben ein Zugang entstehen. Knackpunkt hierbei ist wiederum: Ein Handlauf wird nicht genehmigt – aus Gründen des Denkmalschutzes.

Die zuständige Landschaftsarchitektin Claudia Dobner-Kobald erachtet drei Punkte bei dieser Rampe als problematisch: Neben dem fehlenden Handlauf sei der Zugang von der Seite eher ungeeignet. Auch der Anschluss an den bestehenden Balkon werde nicht ganz einfach.

„Auch für mich ist das nur eine Notlösung und ein fauler Kompromiss, der uns hier angeboten wird“, monierte Riepl das Zurückrudern der Kreisbehörde. Sein Vize Lutz Rosenbaum (BV Günzlhofen) ging noch einen Schritt weiter: „Das ist die Willkür eines einzelnen Sachbearbeiters, der sich zu wichtig nimmt. Hier wird einfach nicht mit gleichen Kriterien gemessen, denn an vielen anderen Gebäuden in Bayern geht es, nur bei uns nicht.“ Er erinnerte daran, dass auch der Förderverein die Lösung des Gemeinderates nicht gut geheißen hatte. „Es werden hier Auflagen gemacht, nur damit wir klein beigeben“, sagte er. „Wir haben das jahrelang diskutiert und waren uns einig, dass wir keine Tür durch den Sitzungssaal machen. Wir werden jetzt regelrecht erpresst.“ Ebenso sah es Andreas Marschner (BV Günzlhofen): „Das hier ist eine Lösung, von der keiner überzeugt ist.“ Vor Jahrzehnten gab es an dieser Stelle bereits einen Zugang zum Rathaus. Dieser wurde geschlossen, weil der durch den jetzigen Sitzungssaal führen würde. Eine „blinde Tür“ zeugt noch von der Vergangenheit.

Vor allem der fehlende Handlauf brachte die Gemeinderäte auf die Palme. Diana Wolf monierte: „Den Zugang kann im Winter keiner benutzen wegen der Fallgefahr.“ Auch Kornelia Schromm (beide FW Miteinander) war dieser Ansicht: „Das können wir auf keinen Fall so machen.“

Thomas Gaeb (DG/CSU) war ebenfalls nicht überzeugt: „Ich brauche ein Konzept, um meine Meinung zu ändern.“ Zu der Variante Zugang über den Sitzungssaal fehlen ihm zu viele Informationen. „Und je länger ich mir das mit dieser Rampe anschaue, desto weniger gefällt es mir.“ Bürgermeister Riepl meinte abschließend: „Ich treibe hier bestimmt keinen behindertengerechten Zugang voran, solange es keine gesetzliche Bestimmung dafür gibt – nicht unter diesen Bedingungen.“ Die vom Landratsamt vorgeschlagene Rampe wurde demnach abgelehnt. 

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