Hier (roter Pfeil) soll die Wasserleitung rein: Ein Wall ist durchgeschossen worden - jetzt muss eine Lösung her. 

Alleingang des Vize-Bürgermeisters 

Grabenkampf ums Wasserrohr

Oberschweinbach - In der Vereinshütte der Fußballer des VSST Günzlhofen (Gemeinde Oberschweinbach) gibt es kein fließend Wasser. Ein Unding, findet Vize-Bürgermeister Lutz Rosenbaum und ließ ein Loch für eine Leitung buddeln – im Alleingang. Rathauschef Norbert Riepl erfuhr nur zufällig davon. Die Sache wird nun zum Politikum.

Rosenbaum wollte eine schnelle und pragmatische Lösung. Denn das Problem besteht seit Jahren. Als die Gemeinderatsmitglieder bei ihrer jährlichen Fahrradsitzung Ende Juli am Sportgelände vorbeikamen, diskutierten sie mal wieder über die fehlende Leitung. 20 Jahre kämpfen die Fußballer des VSST bereits für fließend Wasser. Vergeblich. Rosenbaum (Bürgervereinigung Günzlhofen) schlug vor, schnell zu handeln. Denn jetzt in den Ferien wird der Rasen des benachbarten Kindergartens sowieso aufgerissen, weil der Außenbereich erneuert wird. In diesem Zuge könnte man auch gleich eine Leitung bis in die Hütte legen. Doch Rosenbaums Kollegen befürchteten, die Zeit sei zu knapp. Aber der Vize könne ja mal nachhaken.

Rosenbaum aber tat mehr als das. Er rief bei einer Baufirma an, die gerade in Spielberg tätig war. Am Montag rückte einer der Arbeiter an und ließ sich von einigen Fußballern helfen, die von Rosenbaums Idee sofort begeistert waren: Sie bereiteten das Loch für das Rohr vor. „Man muss nun nur noch die Leitung verlegen.“ Wenn der Rasen am Kindergarten offen ist, sei das kein Problem, so Rosenbaum. „Auf die Gemeinde kommen keine Kosten zu. Die wenigen, die noch entstehen, übernimmt der Verein.“

Doch um Kosten geht es momentan nicht. Sondern um Rosenbaums Alleingang. Von dem hat Bürgermeister Norbert Riepl (Dorfgemeinschaft Oberschweinbach/CSU) zufällig am Montagabend erfahren – als ihm ein VSST-Fußballer stolz Fotos der Hau-Ruck-Aktion zeigte. „Ich war entsetzt“, sagt Riepl. Er schaute sich die Sache gleich Dienstagfrüh an – und kontaktierte dann alle Verantwortlichen. „Rumstreiten bringt jetzt nichts. Wir brauchen eine Lösung.“ Riepl setzte die Angelegenheit kurzerhand auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag. Er hat die Sportler aufgefordert, ihren Standpunkt darzulegen.

Riepl sieht viele Probleme. Ganz abgesehen davon, dass es keinen Antrag vom VSST, keinen Beschluss vom Gemeinderat und erst recht keine Grabungsgenehmigung auf dem Kindergartengelände gab: Der Wasserwart der Gemeinde rate dringend ab. Denn die seltene Wasserentnahme durch den Verein könne die Legionellengefahr erhöhen.

Zudem verläuft die mögliche Leitung auf zwei Grundstücken: eines gehört der Gemeinde, das andere dem Schulverband. Dazu kommt, dass der Wasseranschluss genau an der Stelle wäre, an der eine Erweiterung des Kindergartens angedacht ist. Und schließlich würde der erstmalige Anschluss ans Netz rund 20 000 Euro kosten – in diesem Fall den Schulverband, der das aber sicher nicht zahlen werde.

„Ja, ich gebe zu, dass ich vorschnell gehandelt habe“, sagt Rosenbaum auf Nachfrage. „Das war eine klare Kompetenz-Überschreitung meinerseits. Aber das mit der Kindergarten-Baustelle ist eine Riesenchance, eine Steilvorlage.“ Man könnte die Sportler endlich erlösen.

Die sind zwar findig, aber auch der Sache überdrüssig. „Manchmal haben wir einen Wasserschlauch vom benachbarten Kindergarten herübergelegt“, erzählt VSST-Vorsitzender Michael Staudenmeir. Andere Male hantierten die Sportler mit ausgedienten Feuerwehrschläuchen. „Die haben wir vom Hydranten über der Straße bis zu uns verlegt. Eine Riesenarbeit.“

Doch die Sportler müssen den Platz wässern. Wenigstens findet mittlerweile die jährliche Großübung der Feuerwehr am Sportplatz statt. Bei einer Dürre reiche das aber nicht aus, so Staudenmeir. Auch für Bauarbeiten sei Wasser nötig.

Es sei untragbar, dass der Verein auf dem Trockenen sitze, findet auch Stefan Schmitz-Irmer, ebenfalls Vorsitzender des VSST. Er fährt nun heftige Geschütze auf. Sollte sich der Gemeinderat querstellen und den Tunnel für die Wasserleitung wieder zuschütten lassen, droht Schmitz-Irmer mit der Auflösung der Fußballabteilung des Vereins. Rosenbaum hofft nun, dass sein Vorstoß im Nachhinein vom Gemeinderat genehmigt wird.

von Carolin Nuscheler und Helga Zagermann 

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