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Josef Jais wurde 83 Jahre alt.   

Nachruf

Der Schmied Sepp engagierte sich für sein Heimatdorf

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Mit der förmlichen Anrede „Herr“ und seinem Nachnamen angesprochen werden – das mochte Josef Jais nicht besonders. Zumindest nicht in seinem Heimatdorf.

Günzlhofen –  In Günzlhofen (Gemeinde Oberschweinbach) war er für alle der Schmied Sepp, und das war auch gut so.

Den Betrieb führte sein Vater bereits in zweiter Generation, als Josef Jais im April 1936 als sechstes von sieben Kindern zur Welt kam. Mit fünf Schwestern und seinem 13 Jahre älteren Bruder Anton wuchs er zu einem gläubigen Menschen heran. Es war ein Familienritual, jeden Tag nach dem Abendessen ein Vaterunser zu sprechen. Als Vater und Bruder im Krieg waren, wurde für deren gesunde Heimkehr gebetet. Dass der Bruder eines Abends genau zur Gebetszeit in der Tür stand, war ein Erlebnis, das Josef Jais nie vergessen sollte.

Nach der Schule lernte er sein Handwerk im elterlichen Betrieb und arbeitete dort mit seinem Vater, dem Bruder und später dessen Sohn zusammen. Abends ging er gern in die Wirtschaft nach Längenmoos, wo es ihm die hübsche Wirtstochter angetan hatte. 1967 heiratete er seine Marille und zog mit ihr und seinen Eltern in ein neu gebautes Haus. Bald brachten die Kinder Ulrich und Regina noch mehr Leben in die Bude.

Die Familie blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont. Josef Jais’ Neffe Alfred kam mit 18 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Bruder Anton starb zwei Jahre später – er konnte den Tod seines Sohnes nicht verwinden.

Sein Heimatdorf war Josef Jais wichtig – und sich ehrenamtlich zu engagieren, das war für ihn eine Selbstverständlichkeit. 18 Jahre lang gehörte er dem Gemeinderat an. Den Sportverein VSST Günzlhofen führte er sechs Jahre lang als Zweiter Vorsitzender neben Albert Well, einem Sohn der Well-Familie. Er war bei der Feuerwehr und investierte viele freiwillige Arbeitsstunden in die damalige Wasserversorgung des Dorfes.

Ein Schlaganfall riss Josef Jais im Jahr 2011 aus seinem aktiven Leben. Dass er dadurch zum Pflegefall wurde – damit konnte er sich nie abfinden, erst recht nicht, als er zuletzt nicht mehr zu Hause versorgt werden konnte und ins Pflegeheim ziehen musste. Eine tägliche Freude waren die Besuche seiner Lieben. Besonders glücklich war der stolze Großvater, wenn er seinen einzigen Enkel Simon sah. Auch viele Freunde und Verwandte nahmen in den letzten Wochen seines Lebens vom Schmied Sepp Abschied. Er wurde 83 Jahre alt.

ULRIKE OSMAN

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